{"id":993705,"date":"2026-05-04T12:14:15","date_gmt":"2026-05-04T12:14:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/993705\/"},"modified":"2026-05-04T12:14:15","modified_gmt":"2026-05-04T12:14:15","slug":"eurovision-song-contest-mehr-als-1100-kuenstler-rufen-zum-boykott-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/993705\/","title":{"rendered":"Eurovision Song Contest: Mehr als 1100 K\u00fcnstler rufen zum Boykott auf"},"content":{"rendered":"<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ausgerechnet zum Jubil\u00e4um muss sich der <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/eurovision-song-contest\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Eurovision Song Contest<\/a> (ESC) statt mit Musik vor allem mit Politik auseinandersetzen \u2013 dabei hat die veranstaltende European Broadcasting Union (EBU) von Beginn an den unpolitischen Charakter des Wettbewerbs betont. Wirklich unpolitisch war der ESC zwar ohnehin nicht, schon allein wegen des zugrunde liegenden v\u00f6lkerverbindenden Gedankens, aber auch der selbst auf der Showb\u00fchne nicht komplett ausblendbaren Konflikte in oder zwischen teilnehmenden L\u00e4ndern. So brisant wie derzeit war die Lage allerdings noch nie. Im 70. Jahr seines Bestehens steht der ESC daher vor einer ungewissen Zukunft.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Schon weit im Vorfeld des diesj\u00e4hrigen Wettbewerbs, dessen Finale am 16. Mai in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/wien\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wien<\/a> stattfindet, hatten \u00f6ffentlich-rechtliche Sender aus f\u00fcnf L\u00e4ndern erkl\u00e4rt, aus Protest nicht an der Veranstaltung teilzunehmen: Spanien, Irland, die <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/niederlande\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Niederlande<\/a>, Slowenien und Island. Wegen Israels Vorgehen im Gaza-Krieg hatten sie einen Ausschluss Israels verlangt, auf den die EBU nicht eingegangen war. Aktuell fordern zudem aus demselben Grund mehr als 1100 K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler in einem offenen Brief zum Boykott des Musikspektakels auf, darunter namhafte Musiker wie Peter Gabriel, Paul Weller und Brian Eno. Auch die d\u00e4nische ESC-Gewinnerin von 2013, Emmelie de Forest, hat das Dokument unterzeichnet. Selbst Sarah Engels, die f\u00fcr <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/deutschland\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> im diesj\u00e4hrigen Finale singt, bezeichnete den ESC als die falsche B\u00fchne, \u201eum tiefe politische Konflikte auszutragen\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Tats\u00e4chlich droht sich der Streit um die Teilnahme Israels zu einer ernstzunehmenden Belastungsprobe f\u00fcr den Wettbewerb zu entwickeln. Ob er daran zerbricht, wird sich zeigen. Allerdings hat der ESC schon viele Konflikte ausgehalten, einige schwelten \u00fcber Jahre. So nahmen in den Anf\u00e4ngen damalige Diktaturen wie Spanien, Portugal oder Jugoslawien teil, der Nordirlandkonflikt \u00fcberschattete einige Jahrg\u00e4nge genauso wie die Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan sowie der Ukraine-Krieg, der zum Ausschluss Russlands f\u00fchrte. Der ESC war und ist nicht nur ein Spiegel europ\u00e4ischer Geschichte, er ist auch das am l\u00e4ngsten w\u00e4hrende europ\u00e4ische Gemeinschaftsprojekt und w\u00e4hnt sich insofern zu recht als krisenresistent.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dabei geht es beim ESC nicht um das politische <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/europa\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europa<\/a> oder ausschlie\u00dflich um die Staaten des Subkontinents, sondern um die der EBU zugeh\u00f6rigen L\u00e4nder \u2013 teilnahmeberechtigt sind damit insgesamt 56 Staaten aus Europa, Nordafrika und Vorderasien. Sogar Australien schickt seit 2015 als vom ESC begeistertes Gastland einen Beitrag ins Rennen. Als das Projekt 1955 aus der Taufe gehoben wurde und 1956 erstmalig als \u201eGrand Prix Eurovision de la Chanson Europ\u00e9enne\u201c stattfand, waren diese Dimensionen nicht abzusehen. Nur sieben L\u00e4nder trugen den Wettbewerb damals untereinander aus, die Schweiz, Deutschland, die Niederlande, Belgien, Frankreich, <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/luxemburg\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Luxemburg<\/a> und Italien. F\u00fcr die Schweiz gewann Lys Assia mit \u201eRefrain\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Aus der damals sehr \u00fcberschaubaren Veranstaltung ist ein Riesenapparat geworden. Mehr als 160 Millionen Zuschauer schauen weltweit zu, 35 Nationen nehmen teil, inklusive der Halbfinals werden drei Liveshows \u00fcbertragen, w\u00e4hrend der rund einst\u00fcndigen Punktevergabe-Pausen sind Weltstars wie Justin Timberlake und Madonna aufgetreten. Bis heute wurden 1754 Songs vorgestellt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Was als relativ biederer, eher konservativer Gesangswettbewerb begann, hat sich l\u00e4ngst zu einem schillernd-schrillen, pomp\u00f6s-bunten Spektakel entwickelt, das auch musikalisch einen wilden Stilmix von Pop, Rock und Disco bis zu Chansons und Schlager bietet, Kitsch, Kunst und Kalk\u00fcl verbindet. Der Wettbewerb ist zugleich hochprofessionell und offen f\u00fcr ironische Brechungen. Gerade diese Mischung aus Ernst und Augenzwinkern macht den besonderen Reiz aus, ist so etwas wie die DNA des Song Contests, der immer mehr war als nur ein Liederabend \u2013 n\u00e4mlich ein Symbol f\u00fcr Solidarit\u00e4t und Diversit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der ESC hatte immer auch das Potenzial, den Grundstein f\u00fcr lebenslange Karrieren zu legen. Allen voran starteten ABBA dort 1974 mit \u201eWaterloo\u201c durch bis an die Weltspitze. Aber auch <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/johnny-logan\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Johnny Logan<\/a>, der den Wettbewerb als einziger K\u00fcnstler dreimal gewann (einmal als Komponist), baute darauf seine Laufbahn. Aus deutscher Sicht war es etwa <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/katja-ebstein\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Katja Ebstein<\/a>, die von mehrmals guten ESC-Platzierungen besonders profitierte. Generell aber ist das deutsche Verh\u00e4ltnis zum ESC eher verkrampft, gepr\u00e4gt vor allem von den Namen <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/ralph-siegel\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ralph Siegel<\/a> und <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/stefan-raab\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stefan Raab<\/a>. Siegel, gerne auch \u201eMr. ESC\u201c tituliert, schrieb insgesamt 24 Songs f\u00fcr den Wettbewerb, darunter Nicoles Siegerlied von 1982, \u201eEin bisschen Frieden\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Raab trat 2000 selbst als Interpret mit \u201eWadde hadde dudda da\u201c an, steuerte aber vor allem aus dem Hintergrund, indem er 2010 gemeinsam mit der ARD Lena ins Rennen schickte, die mit \u201eSatellite\u201c gewann. Ein Jahr sp\u00e4ter durfte Raab in D\u00fcsseldorf auch mitmoderieren. Siegel und Raab eint, dass sie immer wieder versuchten, nach der Pop-Krone zu greifen. Aber ebenso wie Siegel ein ums andere Mal scheiterte auch Raab 2025, als er den ESC erneut zur \u201eChefsache\u201c erkl\u00e4rte und mit dem Duo Abor &amp; Tynna auf dem 15. Platz landete. Bei aller K\u00f6nnerschaft ist der ESC eben nur schwer auszurechnen und ein Sieg abh\u00e4ngig von vielen, nicht nur musikalischen Faktoren.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das macht es aber auch immer wieder aufregend. Zum von Abertausenden treuen Fans gepflegten Kult um den ESC geh\u00f6rt es, daheim am Finalabend mit eigens gekochten europ\u00e4ischen Leckereien die gleicherma\u00dfen anstrengende wie nervenzerrende Punktevergabe zu verfolgen. Wenn auch das Prozedere, wie die Punkte vergeben werden, \u00fcber die Jahre mehrfach wechselte und an Komplexit\u00e4t kaum noch zu \u00fcbertreffen ist. Was aber niemanden wirklich st\u00f6rt. Denn zur Wahrheit des Wettbewerbs geh\u00f6rt es, dass von den allermeisten ESC-Siegern au\u00dferhalb ihres eigenen Landes kaum mehr etwas zu h\u00f6ren ist. Europas Pop-K\u00f6nigin oder -K\u00f6nig ist man beim ESC nur f\u00fcr einen Tag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ausgerechnet zum Jubil\u00e4um muss sich der Eurovision Song Contest (ESC) statt mit Musik vor allem mit Politik auseinandersetzen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":993706,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[155],"tags":[18088,29,214641,214,4629,31740,30,15193,3009,20429,1909,13527,215,4412,57365],"class_list":{"0":"post-993705","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-contest","9":"tag-deutschland","10":"tag-ebu","11":"tag-entertainment","12":"tag-esc","13":"tag-eurovision","14":"tag-germany","15":"tag-gesangswettbewerb","16":"tag-jubilaeum","17":"tag-laender","18":"tag-song","19":"tag-stefan-raab","20":"tag-unterhaltung","21":"tag-wettbewerb","22":"tag-wettbewerbs"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116516255972317922","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/993705","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=993705"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/993705\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/993706"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=993705"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=993705"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=993705"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}