{"id":9944,"date":"2025-04-06T08:22:08","date_gmt":"2025-04-06T08:22:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/9944\/"},"modified":"2025-04-06T08:22:08","modified_gmt":"2025-04-06T08:22:08","slug":"als-ein-fuenfmarkstueck-ueber-einen-rathaus-streit-entschied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/9944\/","title":{"rendered":"Als ein F\u00fcnfmarkst\u00fcck \u00fcber einen Rathaus-Streit entschied"},"content":{"rendered":"<p class=\"font-bold text-18 leading-17\">Vor 25 Jahren: Zwei Rath\u00e4user streiten sich \u00fcber die Berliner Betriebsgebietsreform. Sie beenden den Streit mithilfe eines F\u00fcnfmarkst\u00fccks.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Der damalige Baustadtrat von Berlin-Kreuzberg, Matthias Stefke, erinnert sich. Hoch flog das F\u00fcnfmarkst\u00fcck nicht \u2013 sagt er im Gespr\u00e4ch mit t-online in Gedanken an diese Sitzung vor 25 Jahren. Als der Heiermann auf dem Boden aufkam, hatten die Bezirks\u00e4mter von Kreuzberg und Friedrichshain nach langen und ergebnislosen Debatten endlich eine Entscheidung: Das Rathaus des zusammengelegten Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg wird fortan in Friedrichshain liegen. &#8222;Das war einmalig. Nach meiner Erinnerung hat es so etwas seither nicht mehr gegeben&#8220;, sagt Matthias Stefke heute.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Es war der 4. April 2000. Ein knappes Jahr sp\u00e4ter machte <a class=\"transition-colors duration-200 cursor-pointer text-inherit no-underline text-salemsfur md:hover:text-magenta md:hover:border-magenta md:focus:text-magenta border-current border-b border-solid break-words\" href=\"https:\/\/www.t-online.de\/region\/berlin\/\" data-sctrack=\"BodyAnchor\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berlin<\/a> aus 23 Bezirken zw\u00f6lf. Doch zwischen dem alten West-Berliner Kreuzberg und dem alten Ost-Berliner Friedrichshain kam keine Einigung zustande. Zur Frage, was zwischen den Verhandlungspartnern stand, zitierte der &#8222;Tagesspiegel&#8220; am Tag nach dem M\u00fcnzwurf den damaligen Friedrichshainer Jugendstadtrat mit den Worten: &#8222;Befindlichkeiten auf beiden Seiten, die sich aufget\u00fcrmt haben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">In Anbetracht dieser Pattsituation tickte die Uhr besonders schnell. &#8222;Irgendwann musste es eine Entscheidung geben, weil die Verwaltungen Sicherheit brauchten, wie es f\u00fcr sie weitergeht&#8220;, sagt Stefke 25 Jahre sp\u00e4ter. Wer genau die Idee f\u00fcr den M\u00fcnzwurf hatte und aus wessen Hand das Geldst\u00fcck in die Luft geschnippt wurde, kann er mit dem Abstand eines Vierteljahrhunderts nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Auch nicht, wer welche Seite der M\u00fcnze w\u00e4hlte.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Aufschluss dar\u00fcber geben die wenigen frei zug\u00e4nglichen Presseberichte, die sich heute noch finden. Demnach war es offenbar der Friedrichshainer B\u00fcrgermeister Helios Mendiburu, der auf Zahl setzte. Sein Kreuzberger Gegenpart Franz Schulz habe es mit dem Bundesadler versucht, der auf der R\u00fcckseite jedes F\u00fcnfmarkst\u00fccks prangte. So zumindest legen es alte Presseberichte nah.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Bevor es ernst wurde, habe man sich noch beim Rechtsamt erkundigt, ob ein M\u00fcnzwurf eine ad\u00e4quate L\u00f6sung zur Entscheidungsfindung sei, sagt Matthias Stefke heute: &#8222;Die Antwort lautete: &#8218;Ja, das kann man so machen.'&#8220; Geworfen habe Kreuzbergs Rechtsamtsleiter das F\u00fcnfmarkst\u00fcck, wie &#8222;Welt&#8220; und &#8222;Tagesspiegel&#8220; sp\u00e4ter schrieben \u2013 mit dem bekannten und bis heute g\u00fcltigen Ergebnis.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Die Diskussionen zwischen den Bezirken waren damit aber keineswegs vorbei. Der Kreuzberger CDU-Fraktionschef etwa sagte laut &#8222;Berliner Zeitung&#8220;, f\u00fcr vergleichbare Situationen sei unter bestimmten Voraussetzungen ein Losverfahren vorgesehen. &#8222;Aber eine M\u00fcnze zu werfen, das kann man in der Kneipe machen&#8220;, \u00e4rgerte sich der Christdemokrat.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Matthias Stefke l\u00e4sst das im R\u00fcckblick kalt. Einen Unterschied sieht er zwischen einem Losentscheid und einem M\u00fcnzwurf n\u00e4mlich nicht. Beide Verfahren seien sich &#8222;ja vom Gl\u00fccksspielcharakter her \u00e4hnlich&#8220;, sagt er. &#8222;Das nimmt sich nichts.&#8220;<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">Aus einer anderen kuriosen Idee soll dagegen nichts geworden sein: Angeblich war auch eine Entscheidungspartie Schach im Gespr\u00e4ch, um den k\u00fcnftigen Rathausstandort auszuspielen. Doch der Friedrichshainer Rathauschef Mendiburu habe sich an eine vorherige Niederlage gegen den Kreuzberger Schulz erinnert, wusste der &#8222;Tagesspiegel&#8220; seinerzeit zu berichten. Und so fiel die Wahl auf das F\u00fcnfmarkst\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17\">F\u00fcr Matthis Stefke war das auch nach 25 Jahren die richtige Methode: &#8222;Im Nachhinein hat die Entscheidung einer Pr\u00fcfung der Senatsverwaltung standgehalten. Und dann war es eben so.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor 25 Jahren: Zwei Rath\u00e4user streiten sich \u00fcber die Berliner Betriebsgebietsreform. 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