{"id":99445,"date":"2025-05-10T11:43:09","date_gmt":"2025-05-10T11:43:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/99445\/"},"modified":"2025-05-10T11:43:09","modified_gmt":"2025-05-10T11:43:09","slug":"unruhige-nachkriegszeit-in-werther-ueberfaelle-und-ein-mord-an-einem-lehrer-haller-kreisblatt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/99445\/","title":{"rendered":"Unruhige Nachkriegszeit in Werther: \u00dcberf\u00e4lle und ein Mord an einem Lehrer | Haller Kreisblatt"},"content":{"rendered":"<p id=\"absatz1\" class=\"em_text\">Werther-Isingdorf. \u201eMit dem Einmarsch \u201eder Amerikaner\u201c und dem Ende der Kampfhandlungen war der Krieg in unserer Gegend hier zu Ende, jedoch noch lange kein Frieden. Es begann die unruhige Nachkriegszeit.\u201c Das schreibt der Isingdorfer Landwirt Helmut X. (Name ge\u00e4ndert). Er hatte 2008 das Tagebuch seines Vaters Karl X. (Name ge\u00e4ndert) aus dem Jahr 1945 transkribiert, um Erl\u00e4uterungen oder Eintr\u00e4ge aus eigener Erinnerung erg\u00e4nzt und als kleines B\u00fcchlein drucken lassen.<\/p>\n<p id=\"absatz2\" class=\"em_text\">In Werther und den Nachbarorten <a href=\"https:\/\/www.haller-kreisblatt.de\/lokal\/werther\/24083359_Ostermontag-1945-Als-die-Panzer-in-Werther-einrollten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">begann die Nachkriegszeit am 3. April 1945<\/a> &#8211; auch wenn das offiziell besiegelte Kriegsende erst f\u00fcnf Wochen sp\u00e4ter am 8. Mai in Berlin unterzeichnet wurde. Hatten die Menschen auf dem Land w\u00e4hrend der Kriegsjahre relativ wenige Auswirkungen zu sp\u00fcren bekommen, so \u00e4nderte sich das schlagartig mit der Kapitulation der einzelnen Orte.<\/p>\n<p id=\"absatz4\"><b class=\"bold\">Spurensuche: <\/b><a href=\"https:\/\/www.haller-kreisblatt.de\/lokal\/versmold\/24095211_Wer-steckt-hinter-dem-Mord-an-Zwangsarbeitern-in-Versmold-Eine-Spurensuche.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wer steckt hinter dem Mord an Zwangsarbeitern in Versmold? <\/a><\/p>\n<p id=\"absatz5\" class=\"em_text\">Denn unmittelbar nach der Besetzung durch die Alliierten hatten diese die unz\u00e4hligen Zwangsarbeiter, damals besch\u00f6nigend Fremdarbeiter genannt, befreit, die auf den meisten H\u00f6fen und in vielen Betrieben eingesetzt waren. Es waren oft Kriegsgefangene aus den von Deutschland besetzten L\u00e4ndern Polen, Frankreich, den Beneluxstaaten, Skandinavien, oder auch aus Russland. Aber auch Frauen und Kinder waren aus diesen L\u00e4ndern nach Deutschland verschleppt worden und wurden zur Arbeit gezwungen.<\/p>\n<p>Zwangsarbeiter schie\u00dft auf Bauern<\/p>\n<p class=\"em_text\">Nun waren sie frei, aber zun\u00e4chst ja immer noch fern der Heimat, ohne soziales Netz. Helmut X., der bei Kriegsende selbst 19 Jahre alt war, schrieb, dass die \u201eFremdarbeiter\u201c als \u201emarodierende Banden\u201c durchs Land zogen und dass sie zum Teil Vergeltung \u00fcbten \u201ef\u00fcr vermeintlich ungerechte Behandlung\u201c. Schon am 3. April, also dem ersten Tag nach Einmarsch der Amerikaner in Werther schrieb Helmut Xs. Vater Karl in sein Tagebuch: \u201eDer Pole Johann hat auf Wilhelm G. geschossen. Er ist nicht getroffen. Johann ist mit Gewehr weggekommen.\u201c<\/p>\n<p id=\"absatz7\"><b class=\"bold\">Mehr dazu: <\/b><a href=\"https:\/\/www.haller-kreisblatt.de\/lokal\/werther\/24010806_Tagebuch-in-Kriegszeiten-Als-in-Werther-die-Tiefflieger-angriffen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tagebuch in Kriegszeiten &#8211; als in Werther die Tiefflieger angriffen<\/a><\/p>\n<p id=\"absatz8\" class=\"em_text\">Am 22. April, einem Sonntag, schreibt er: \u201eNachmittags drei Amerikaner und drei Polen auf der Suche nach Schnaps.\u201c Vier Tage sp\u00e4ter ist notiert: \u201eBedrohung durch Russen wegen Zucker.\u201c Wahrscheinlich hatte, so mutma\u00dfte Helmut X., der \u201ePole Johann\u201c die Informationen weitergegeben, dass in der Scheune der Familie X. Steinh\u00e4ger und auch Zucker lagerte. \u201eEr hatte wohl bei der Einlagerung hier in der Scheune geholfen.\u201c<\/p>\n<p id=\"absatz9\" class=\"em_text\">Am darauffolgenden Sonntag geschieht dann der vermutlich folgenreichste \u00dcberfall in Isingdorf durch freigelassene Zwangsarbeiter, bei dem ein Mensch stirbt. \u201e29. April, Sonntag &#8211; \u00dcberfall der Russen bei Linhorst; Schwarze tot\u201c, ist der einzige Satz, den Landwirt Karl X. dazu in seinem Tagebuch notiert hat.<\/p>\n<p>Beim \u00dcberfall wurden alle in einen Raum geschlossen<\/p>\n<p id=\"absatz10\" class=\"em_text\">Gustav Schwarze war 75 Jahre alt. Er war Schulrektor im Ruhestand und stammte aus Bielefeld. Dort war die Wohnung von ihm und seiner Frau allerdings durch Bomben zerst\u00f6rt worden, sodass das Ehepaar Zuflucht bei der Verwandtschaft im l\u00e4ndlichen und unzerst\u00f6rten Werther gesucht hatte. Landwirt Gustav Linhorst senior war der Schwager Rektor Schwarzes und hatte das Paar aufgenommen.<\/p>\n<p id=\"absatz11\" class=\"em_text\">\u201eGustav Schwarze war ein \u00e4u\u00dferst liebenswerter Mensch\u201c, erinnert sich Hiltraut Linhorst. Die heute 93-J\u00e4hrige war bei dem \u00dcberfall auf den Hof ihrer Familie 13 Jahre alt und ist wahrscheinlich eine der wenigen noch lebenden Zeitzeugen. Sie kann sich an das Eindringen der fremden M\u00e4nner erinnern. Daran, dass \u201ewir alle\u201c in einem Raum zusammenkauerten und dass die Eindringlinge wild um sich geschossen haben.<\/p>\n<p id=\"absatz12\"><b class=\"bold\">Lesen Sie auch: <\/b><a href=\"https:\/\/www.haller-kreisblatt.de\/lokal\/borgholzhausen\/24094830_Der-raetselhafte-Weltkriegs-Tod-zweier-Borgholzhausener.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der r\u00e4tselhafte Weltkriegs-Tod zweier Borgholzhausener <\/a><\/p>\n<p id=\"absatz13\" class=\"em_text\">Genauere Erinnerungen hat Paul-Gerhard Schwarze 2008 niedergeschrieben. Der fr\u00fchere Pfarrer der Bielefelder Paulus-Gemeinde war der Enkel des erschossenen Gustav Schwarze und hatte in einer Familienchronik sowie in einem Brief an Helmut X. von dieser Nacht berichtet.<\/p>\n<p>T\u00f6dlicher Schuss fiel aus drei Metern Entfernung<\/p>\n<p id=\"absatz14\" class=\"em_text\">Vier Wochen nach dem Kriegsende in der Region \u201ewurde Opa Eickel, wie wir ihn abgek\u00fcrzt nannten, auf dem Hof Linhorst in Isingdorf nachts um 2 Uhr bei einem \u00dcberfall durch eine pl\u00fcndernde, 20 Mann starke, Polenbande erschossen. Die Traurigkeit war gro\u00df, auch Zorn und Wut mischten sich darunter\u201c, schrieb er in der Familienchronik.<\/p>\n<p id=\"absatz15\" class=\"em_text\">\u201eBereits in der Nacht zum 23. April wollten Polen den Hof \u00fcberfallen. Mein Gro\u00dfvater stellte sich ihnen entgegen &#8211; 1,85 m gro\u00df, schlohwei\u00dfes Haar, eine Ehrfurcht gebietende Gestalt trotz seiner 75 Jahre. Die Bande floh\u201c, schrieb er aus der Erinnerung einige Jahre sp\u00e4ter auf.<\/p>\n<p id=\"absatz16\"><b class=\"bold\">Lesen sie auch: <\/b><a href=\"https:\/\/www.haller-kreisblatt.de\/lokal\/werther\/24070126_Flugzeugabsturz-in-Werther-und-zwei-Tote-die-25-Jahre-unentdeckt-blieben.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Flugzeugabsturz in Werther und zwei Tote, die 25 Jahre unentdeckt blieben <\/a><\/p>\n<p id=\"absatz17\" class=\"em_text\">Der \u00dcberfall habe etwa zwei Stunden gedauert. Alle Bewohner des Hofes, etwa zw\u00f6lf bis 15 Personen, seien in einem Zimmer zusammengetrieben und streng bewacht worden. \u201eMein Gro\u00dfvater wurde gezielt aus drei Metern Entfernung erschossen. Alle anderen Personen wurden verschont, auch meine Gro\u00dfmutter, die direkt neben meinem Gro\u00dfvater stand.\u201c Dass sein Gro\u00dfvater aus Rache f\u00fcr den sechs N\u00e4chte zuvor vereitelten \u00dcberfall erschossen wurde, schlie\u00dft Schwarze nicht aus.<\/p>\n<p>Ruppiger Umgang mit Zwangsarbeitern<\/p>\n<p id=\"absatz18\" class=\"em_text\">Unter gro\u00dfer Anteilnahme der Bev\u00f6lkerung wurde Gustav Schwarze auf dem Wertheraner Friedhof beigesetzt. Die Familie hatte zuvor den amerikanischen Kommandanten \u201eum besonderen Schutz f\u00fcr den Hof Linhorst\u201c gebeten. Wochenlang blieb \u00fcber Nacht eine amerikanische Patrouille auf dem Hof.<\/p>\n<p id=\"absatz19\" class=\"em_text\">Sie wolle nicht den Stab \u00fcber die Kriegsgefangenen brechen, sagt Hiltraut Linhorst 80 Jahre nach diesen Ereignissen. \u201eWer das nicht miterlebt hat, kann sich das nicht vorstellen.\u201c Auf anderen H\u00f6fen sei bestimmt ruppig mit den Zwangsarbeitern umgegangen worden. \u201eDie haben sich dann einfach ger\u00e4cht und wollten allgemein Angst und Schrecken verbreiten.\u201c<\/p>\n<p id=\"absatz20\"><b class=\"bold\">Aktuelle News bekommen Sie t\u00e4glich \u00fcber den <\/b><a data-auth=\"NotApplicable\" data-linkindex=\"0\" href=\"https:\/\/whatsapp.com\/channel\/0029VagU0FW1SWsxhmHz2v0q\" rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\" title=\"https:\/\/whatsapp.com\/channel\/0029VagU0FW1SWsxhmHz2v0q\">WhatsApp-Kanal des HK<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Werther-Isingdorf. \u201eMit dem Einmarsch \u201eder Amerikaner\u201c und dem Ende der Kampfhandlungen war der Krieg in unserer Gegend hier&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":99446,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841],"tags":[24076,39938,296,1605,3364,29,553,156,30,39932,39935,39937,39936,37503,16383,12434,16401,39931,16368,19081,34715,23780,2183,4842,1209,39934,307,37142,21780,6715,39933],"class_list":{"0":"post-99445","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bielefeld","8":"tag-berfall","9":"tag-beneluxstaaten","10":"tag-berlin","11":"tag-bielefeld","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-familie","15":"tag-frankreich","16":"tag-germany","17":"tag-gustav-schwarze","18":"tag-helmut-x","19":"tag-isingdorf","20":"tag-karl-x","21":"tag-label_berhre-mich","22":"tag-label_print-platziert","23":"tag-label_seo-ok","24":"tag-label_xxl-200","25":"tag-linhorst","26":"tag-meta_artikelklasse_hintergrund","27":"tag-meta_copyrights_hk","28":"tag-meta_themen_geschichte","29":"tag-meta_userneeds_beruehremich","30":"tag-mord","31":"tag-nachkriegszeit","32":"tag-nordrhein-westfalen","33":"tag-pole-johann","34":"tag-russland","35":"tag-skandinavien","36":"tag-versmold","37":"tag-werther","38":"tag-wilhelm-g"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/99445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=99445"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/99445\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99446"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=99445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=99445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=99445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}