{"id":99478,"date":"2025-05-10T12:01:09","date_gmt":"2025-05-10T12:01:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/99478\/"},"modified":"2025-05-10T12:01:09","modified_gmt":"2025-05-10T12:01:09","slug":"keine-koenigsloge-eroeffnung-der-architekturausstellung-in-der-bonner-oper-das-opernmagazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/99478\/","title":{"rendered":"Keine K\u00f6nigsloge! &#8211; Er\u00f6ffnung der Architekturausstellung in der Bonner Oper \u2013 DAS OPERNMAGAZIN"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/keine-koenigsloge-eroeffnung-der-architekturausstellung-in-der-bonner-oper\/theater_bonn_am_boeselagerhof_1_53111_bonn_germany_12\/\" rel=\"attachment wp-att-30450 noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-30450\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Theater_Bonn_Am_Boeselagerhof_1_53111_Bonn_Germany_12-300x207.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"207\"  \/><\/a>Theater Bonn\/Foto: KaiKemmann, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC BY-SA 4.0<\/a>, Quelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Theater_Bonn,_Am_Boeselagerhof_1,_53111_Bonn,_Germany_12.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikimedia<\/a><strong>Das Theater Bonn, dessen Opernhaus am 5. Mai 2025 seinen 60. Geburtstag feierte, er\u00f6ffnete am 3. Mai 2025 eine Ausstellung \u00fcber Sanierung und Neubau von Theaterbauten. Diese sind, vor allem im f\u00f6deralistischen Deutschland, mehr als andere Zweckbauten, Zeugnisse der Geschichte. An kaum einem anderen Theater kann man das besser nachweisen als an der Bonner Oper. In der Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums, Frankfurt, die Andrea J\u00fcrges, die Stellvertretende Direktorin und Kuratorin, am 3. Mai 2025 er\u00f6ffnete, sind Theaterprojekte zusammengefasst, bei denen alte Geb\u00e4ude entweder saniert oder durch Neubauten ersetzt wurden. Spannendstes Exponat war f\u00fcr mich der Neubau der Isar-Philharmonie M\u00fcnchen, wo man in nur zweieinhalb Jahren Bauzeit aus der Trafohalle des ehemaligen Heizkraftwerks S\u00fcd in Sendling f\u00fcr nur 41 Millionen \u20ac einen modernen Konzertsaal f\u00fcr 1.800 Personen mit guter Akustik schuf, der 2021 er\u00f6ffnet wurde. Eine perfekte Planung und gute Koordination der Gewerke sparen nicht nur Zeit, sondern auch Kosten.<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Mit spektakul\u00e4ren Bauzeit\u00fcberschreitungen kam die Sanierung des Ensembles \u201eK\u00f6lner Oper und Schauspiel\u201c in die Ausstellung. Dort ist die geplante Sanierungsdauer von drei Jahren mittlerweile um zehn weitere \u00fcberschritten, und Inflation und Baukostensteigerung haben f\u00fcr einen explosionsartigen Anstieg der Kosten gesorgt, die bis 2024 mit 798 Millionen Euro angegeben wurden, ganz abgesehen von den Mietkosten f\u00fcr Ersatzspielst\u00e4tten. Dagegen war die Sanierung und Aufstockung der Op\u00e9ra Lyon 1993 mit einem modernen Tonnengew\u00f6lbe mit 138 Millionen Euro (in Preisen von 2024) eher preiswert.<\/p>\n<p>Die Ausstellung widmet jedem der Projekte eine Stellwand, auf der ein Bild und eine Beschreibung des Bauwerks zu sehen sind. Visualisierungen der Planungs- und Bauzeiten einerseits und der Baukosten f\u00fcr Theaterbau und Werkst\u00e4tten andererseits, sind auf gemeinsamen Tafeln gegen\u00fcbergestellt, und es f\u00e4llt auf, wie unterschiedlich diese ausgefallen sind. Die Oper Bonn wird mit Grundrissen von Erdgeschoss und 1. Stock und Fotos des Geb\u00e4udes von 1965 und heute, etwas breiter dokumentiert. Die Abw\u00e4gung zwischen Sanierung und Neubau m\u00fcsse politisch m\u00fchsam ausgehandelt werden, betonte Frau J\u00fcrges.<\/p>\n<p>D\u00fcsseldorf und K\u00f6ln hatten nach den Zerst\u00f6rungen des 2. Weltkriegs bereits 1953 bzw. 1955 ein Opernhaus und ein Theater errichtet, Bochum immerhin ein Schauspielhaus, das 1953 wieder er\u00f6ffnet wurde. Der Bonner Republik, 1949 als Provisorium in Bonn eingerichtet, fehlte in der Bl\u00fctezeit des Wirtschaftswunders, gleichzeitig Hoch-Zeit des \u201eKalten Krieges\u201c eine repr\u00e4sentative Spielst\u00e4tte. Man wollte um jeden Preis vermeiden, in Bonn eine \u201eDeutsche Oper\u201c zu bauen, die wurde 1961 in West-Berlin er\u00f6ffnet. Bund und Land NRW sagten der Stadt Bonn je ein Drittel der Baukosten als Zusch\u00fcsse zu, und so wurde in Bonn f\u00fcr 23 Millionen DM direkt am Rhein neben der Kennedybr\u00fccke ein Drei-Sparten-Haus gebaut. Der Boesalagerhof, ein barockes Stadtpalais, an den noch die Adresse der Oper \u201eAm Boeselagerhof\u201c erinnert, war 1943\/44 im zweiten Weltkrieg durch Bomben zerst\u00f6rt worden. Am 5. Mai 1965 er\u00f6ffnete das Theater Bonn mit der \u201eOrestie des Aischylos\u201c, als erste Oper folgte \u201eDon Giovanni\u201c in italienischer Sprache. Das Haus \u00f6ffnet eine Terrasse direkt zum Rheinufer. Es ist, anders als viele andere Theater, von allen vier Seiten sichtbar und ragt wie eine abstrakte Skulptur, mit silbernen Aluminiumplatten verkleidet, \u00fcber den Rhein.<\/p>\n<p>Der Architekturhistoriker Prof. Dr. Frank Schmitz von der Universit\u00e4t Hamburg \u00f6ffnete den Bonnern, die ihre Oper als selbstverst\u00e4ndlich nehmen, die Augen. Zun\u00e4chst lobte er das Eingangsfoyer, in dem die Ausstellung gezeigt wird, als Ort der Begegnung. Es werde immer den Bedarf an Live-Events geben, bei denen Zuschauende und Besuchende kulturelle Veranstaltungen gemeinsam wahrnehmen. Dazu ben\u00f6tige man Spielst\u00e4tten. Das Bonner Haus, preisgekr\u00f6nter Entwurf der damals jungen Stuttgarter Architekten Klaus Gessler und Wilfried Beck-Erlang, dr\u00fccke durch den asymmetrischen \u00dcbergang des Parketts in den ersten Rang den klassenlosen Anspruch der Bonner Republik aus. Das habe dazu gef\u00fchrt, dass in der Zeit, als noch Staatsg\u00e4ste in der Bonner Oper empfangen wurden, in der Mitte des ersten Rangs die ersten beiden Reihen ausgebaut wurden, um mit besonders gro\u00dfen Sesseln eine herausgehobene Stellung der Staatsg\u00e4ste auszudr\u00fccken. In fast allen Opernh\u00e4usern gibt es eine ehemalige \u201eKaiserloge\u201c, in der NS-Zeit: \u201eF\u00fchrerloge\u201c in der Mitte des ersten Rangs, die im Bedarfsfall prominenten G\u00e4sten vorbehalten ist. Die gro\u00dfen Sessel, auf denen damals Bundespr\u00e4sident Heinrich L\u00fcbke mit Staatsg\u00e4sten Platz nahm, k\u00f6nnen bei Bedarf wieder eingebaut werden.<\/p>\n<p>Die \u201eKunst am Bau\u201c spiegelt mit der abstrakten Stahlplastik von Erich Hauser (\u201eBonner BH\u201c) im Eingangsfoyer, den unz\u00e4hligen schwebenden Deckenleuchten im Zuschauerraum und den \u201eVolvox\u201c-Kugellampen von Otto Pieno im Foyer sowie dem Holzrelief im ehemaligen Raucherfoyer von HAP Grieshaber in der Bar 65 die Kunst der Zeit, denn die ausf\u00fchrenden K\u00fcnstler waren Preistr\u00e4ger der Kasseler Documenta. Man sei sogar in Korrespondenz mit dem franz\u00f6sischen K\u00fcnstler Jean Cocteau gewesen, der sei aber vor Vertragsabschluss gestorben. Schmitz bezeichnete das Bonner Opernhaus als \u201eeine gebaute Manifestation, dass erstens eine demokratische staatliche Repr\u00e4sentation m\u00f6glich ist, und dass zweitens diese auf dem Wege von Aushandlungsprozessen erreichbar ist und dass diese Aushandlungsprozesse drittens m\u00fchsam sind, aber jeder M\u00fche wert.\u201c<\/p>\n<p>Am <a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/60-jahre-bonner-opernhaus-gefeiert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">5. Mai 2025 hat das Opernhaus Bonn sein 60-j\u00e4hriges Bestehen<\/a> in einem Festakt gefeiert. Die Ausstellung im Eingangsfoyer der Bonner Oper wird noch bis zum Ende der Spielzeit 2024\/25 jeweils eine Stunde vor Beginn der Vorstellungen gezeigt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Artikel von Ursula Hartlapp-Lindemeyer \/ Red. DAS OPERNMAGAZIN<\/strong><\/li>\n<li>Titelfoto: Opernhaus Bonn \/ Foto \u00a9 Thilo Beu<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\n\t\u00c4hnliche Beitr\u00e4ge<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Theater Bonn\/Foto: KaiKemmann, CC BY-SA 4.0, Quelle: WikimediaDas Theater Bonn, dessen Opernhaus am 5. 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