{"id":995137,"date":"2026-05-05T02:07:24","date_gmt":"2026-05-05T02:07:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/995137\/"},"modified":"2026-05-05T02:07:24","modified_gmt":"2026-05-05T02:07:24","slug":"berlin-kreuzberg-causa-ikkimel-oder-revolution-wie-die-linke-fuer-eine-party-am-1-mai-angegriffen-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/995137\/","title":{"rendered":"Berlin-Kreuzberg: \u201eCausa Ikkimel oder Revolution\u201c \u2013 Wie die Linke f\u00fcr eine Party am 1. Mai angegriffen wird"},"content":{"rendered":"<p>Darf man am Tag der Arbeit tanzen? \u00dcber diese Frage streitet sich die linke Szene in Berlin. Anlass ist ein Konzert der Linkspartei mit der Rapperin Ikkimel, das die radikale Gro\u00dfdemo blockiert hat. Die Partei verteidigt ihre Party.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Der Mariannenplatz war voll, so viele Teenies waren da. \u201eSperrt die M\u00e4nner weg!\u201c, riefen Jugendliche auf dem Platz in Berlin-Kreuzberg \u2013 ber\u00fchmt sp\u00e4testens durch den \u201eRauch-Haus-Song\u201c von Ton Steine Scherben \u00fcber eine dortige Hausbesetzung und Stra\u00dfenschlachten mit der Polizei aus den 70er-Jahren. Die Sonne schien, der Sommer kam p\u00fcnktlich zum Feiertag in der Hauptstadt an. Und auf dem Mariannenplatz war ein Fest.<\/p>\n<p>\u201eSperrt die M\u00e4nner weg und macht mir kein auf brav, Schlampen \u2013 mach ihn zu meim Fotzenknecht oder zu meim Zahlsklaven\u201c, sang die erfolgreiche Berliner Rapperin Ikkimel auf der B\u00fchne und ihre Fans davor, wie auf einem Instagram-Video der Linken zu sehen ist. Ikkimel war der Stargast an diesem Freitagabend auf dem Fest der Partei zum 1. Mai. Ein gro\u00dfer, aufblasbarer Hai (ein \u201eMiethai\u201c) stand neben der B\u00fchne, der Platz war brechend voll, Tausende Jugendliche tanzten und jubelten.<\/p>\n<p>\u201eGanz Berlin hasst die AfD\u201c, skandierte die Menge immer wieder. Und Elif Eralp, die im September f\u00fcr die Linke zur B\u00fcrgermeisterwahl gegen den amtierenden Kai Wegner (CDU) antritt, rief unter Jubel: \u201eWir werden dieses Rote Rathaus endlich richtig rot f\u00e4rben!\u201c<\/p>\n<p>Im G\u00f6rlitzer Park wurde eine Party aus Protest gegen den Bau eines Zauns um den kriminalit\u00e4tsbelasteten Park veranstaltet. Auf der B\u00fchne sprach auch der Linke-Bundestagsabgeordnete Ferat Ko\u00e7ak. Mit erhobenem Mittelfinger und mit der Unterst\u00fctzung Hunderter rief er: \u201eMerz, leck Eier!\u201c Der Slogan wurde in Protesten gegen eine Wiedereinsetzung der Wehrpflicht und gegen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zuletzt popul\u00e4r.<\/p>\n<p>In einer <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article69f254da052adba8a89e4bce\/berlin-wahl-cdu-rutscht-ab-spd-hinter-afd-linke-und-gruene-abgeschlagen-auf-platz-fuenf.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article69f254da052adba8a89e4bce\/berlin-wahl-cdu-rutscht-ab-spd-hinter-afd-linke-und-gruene-abgeschlagen-auf-platz-fuenf.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">aktuellen Umfrage<\/a> zur Abgeordnetenhauswahl in der Hauptstadt steht die Linke, punktgleich mit den Gr\u00fcnen und der AfD, bei 18 Prozent. Die CDU kommt demnach auf 19, die SPD auf 13 Prozent. Gew\u00e4hlt wird im September. Der Regierende B\u00fcrgermeister Wegner rief Eralps Partei im Februar bereits zum \u201eHauptkonkurrenten\u201c aus\u00a0\u2013 und kritisierte die Linke als \u201ePartei, die klar antisemitisch ist, eine Partei, die sich immer weiter radikalisiert\u201c.<\/p>\n<p>Kreuzberg war an diesem Maifeiertag ein Heimspiel f\u00fcr die Linke, so scheint es. Doch im Nachgang l\u00f6st das Konzert am Mariannenplatz ordentlich \u00c4rger aus. Denn nur wenige Hundert Meter weiter, auf dem Oranienplatz, sammelte sich zur selben Zeit die \u201eRevolution\u00e4re 1. Mai Demo\u201c, eine linksradikale Gro\u00dfdemonstration, die traditionell in Krawallen endet. Teile der Demonstration \u2013\u00a0viele Leute mit kleinen \u201eKrieg dem Krieg\u201c-Flaggen in der Hand oder der Kufiyah, dem Pal\u00e4stinensertuch, um die Schultern\u00a0\u2013\u00a0zogen \u00fcber die Oranienstra\u00dfe, insgesamt waren rund 10.000 Menschen gekommen. <\/p>\n<p>Nach dem Ikkimel-Konzert str\u00f6mten jedoch Tausende Jugendliche vom Mariannenplatz weg. Am Rio-Reiser-Platz \u2013\u00a0benannt nach dem Ton-Steine-Scherben-S\u00e4nger \u2013 gerieten sie in den Demonstrationszug, nur wenige Gehminuten nach dem Start. Dort steckten Teile des Protestzugs anschlie\u00dfend stundenlang fest.<\/p>\n<p>\u201eGestern haben wir eine der gef\u00e4hrlichsten 1. Mai-Demos der letzten f\u00fcnf Jahre erlebt\u201c, schrieb noch am Samstag die \u201eMigrantifa\u201c auf Instagram, einer der Organisatoren der Demonstration. Die vielen Konzertbesucher h\u00e4tten den Protest blockiert. \u201eErst durch improvisierte Absperrungen konnten wir uns nach Stunden langsam durchpreschen \u2013\u00a0unter massiver Enge und Gefahr von Massenpaniken.\u201c<\/p>\n<p>Dahinter stecke ein politisches Problem. \u201eDie Linkspartei hat damit nicht nur ihre Kr\u00e4fte spalterisch genutzt, sondern hat Strukturen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich, Anwohner*innenproteste gegen Waffenfabriken und einen gro\u00dfen Jugendblock gegen Wehrpflicht faktisch blockiert. Unser Protest wurde zersetzt und so tempor\u00e4r unm\u00f6glich gemacht\u201c, so die Gruppe. Parteien, die nicht die Arbeiter, sondern den \u201eSchwanzvergleich\u201c priorisierten, seien keine Freunde. Mehr noch: \u201eDer Feind versucht, sich in den eigenen Reihen einzureihen, w\u00e4hrend er sie vernichtet.\u201c <\/p>\n<p>Auch andere beteiligte Gruppen <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/kontrapolis.info\/17895\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/kontrapolis.info\/17895\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">beklagten<\/a> im Nachgang ein \u201eentpolitisierendes Saufgelage\u201c. Kreuzberg sei \u201eschon fr\u00fch mit Party- und Suffklientel geflutet\u201c worden. Linke Influencer lehnten das Konzert im Vorfeld bereits als \u201eBefriedungstaktik, um den Protest zu schw\u00e4chen\u201c, ab.<\/p>\n<p>Denn um Stra\u00dfenschlachten zu unterbinden, setzte der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg jahrelang auf das \u201eMyfest\u201c. Das sollte den \u201eAusschreitungen am 1. Mai entgegenwirken, indem in den Kiezen um das Kottbusser Tor, den Heinrichplatz und die Oranienstra\u00dfe Gewalt durch friedliches Feiern ersetzt wird\u201c, wie es die Stadt Berlin <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.berlin.de\/kultur-und-tickets\/tipps\/maifeiertag\/2971249-2970764-myfest-berlin.html\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.berlin.de\/kultur-und-tickets\/tipps\/maifeiertag\/2971249-2970764-myfest-berlin.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">formuliert<\/a>. Hat das nun ausgerechnet die Linke erfolgreich umgesetzt?<\/p>\n<p class=\"c-inline-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<ul class=\"c-inline-teaser-list__content\">\n<li class=\"c-inline-teaser-list__element\">\n<p>Artikeltyp:Meinung1.-Mai-Demo<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Fest auf dem Mariannenplatz gebe es seit 30 Jahren parallel zur Gro\u00dfdemonstration, betont die Berliner Parteispitze auf Anfrage. \u201eDas war f\u00fcr niemanden eine \u00dcberraschung\u201c, sagt Landesvorsitzende Kerstin Wolter zu WELT. \u201eDass durch den Auftritt von Ikkimel dieses Jahr besonders viele Menschen auf den Mariannenplatz gestr\u00f6mt sind, hat uns sehr gefreut.\u201c<\/p>\n<p>Die Zahl der Ordner sei im Vergleich zu den Vorjahren \u201ewesentlich erh\u00f6ht\u201c worden, ein Sicherheitsdienst eingesetzt und ein Sicherheitskonzept mit der Polizei abgestimmt worden. \u201eW\u00e4hrend der gesamten Veranstaltung gab es einen engen Austausch mit der Polizei\u201c, so Wolter. Man werde \u201egemeinsam mit der Polizei\u201c beraten, welche weiteren Ma\u00dfnahmen es f\u00fcrs kommende Jahr brauche.<\/p>\n<p>\u201eIch finde es wichtig, dass es am 1. Mai unterschiedliche politische Events gibt, an denen sich Menschen unterschiedlich beteiligen k\u00f6nnen\u201c, sagt Wolter zu WELT. Das Mariannenplatzfest sei ein solches. So gebe es Gespr\u00e4chsformate zu \u201eArbeitsk\u00e4mpfen\u201c oder zur Mietenpolitik sowie St\u00e4nde von Gewerkschaften oder Nachbarschaftsinitiativen. <\/p>\n<p>Ein besonderer Moment sei der Auftritt von Besch\u00e4ftigten einer Vivantes-Tochterfirma gewesen. \u201eDas waren Frauen, die sonst nie auf einer gro\u00dfen B\u00fchne stehen und die trotz gro\u00dfen Lampenfiebers aufgetreten sind und die dann von der Menge vor der B\u00fchne gefeiert wurden\u201c, so Wolter. \u201eF\u00fcr solche Momente der Emanzipation, auch daf\u00fcr steht das Linke-Mariannenplatzfest.\u201c<\/p>\n<p>Am Sonntag \u00e4u\u00dferte sich bereits die Linke-Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner zur \u201eCausa Ikkimel oder Revolution\u201c, wie sie es nannte. Mit Anfang 20 sei sie auch auf die Gro\u00dfdemonstration gegangen. \u201eIch war immer im Gewerkschaftsblock, immer mit einer roten Fahne, die ganze Zeit am Schwenken, sehr ambitioniert und so weiter\u201c, sagte Schwerdtner im Videostatement. Damals habe sie auch kritisch gesehen, wenn der Tag von Partys dominiert werde.<\/p>\n<p>Heute verteile sie wiederum Tomatenpflanzen und Popcorn bei einem Linke-Fest in ihrem Lichtenberger Wahlkreis, so die 36-J\u00e4hrige. Als direktgew\u00e4hlte Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende einer \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256026656\/Frustrierte-junge-Maenner-suchen-Sicherheit-in-alten-Rollenbildern-von-Mann-und-Frau.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article256026656\/Frustrierte-junge-Maenner-suchen-Sicherheit-in-alten-Rollenbildern-von-Mann-und-Frau.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">organisierenden Klassenpartei<\/a>\u201c wolle sie dort die Interessen der Menschen h\u00f6ren. Das stehe aber nicht in Konkurrenz zu Feiern oder Konzerten. \u201eEs ist gut, wenn ganz viele Leute den 1. Mai als politisch, als k\u00e4mpferisch wahrnehmen.\u201c<\/p>\n<p>Die Polizei war am gesamten Feiertag mit 5300 Beamten im Einsatz. \u00dcber alle Versammlungen hinweg seien 121 Strafverfahren eingeleitet worden, wie sie sp\u00e4ter mitteilte \u2013 wegen Verdachts des t\u00e4tlichen Angriffs auf Vollzugsbeamte, der gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzung, sexueller Bel\u00e4stigung, Sachbesch\u00e4digung, Hausfriedensbruchs und Beleidigung. Wegner zog ein positives Fazit. <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/x.com\/kaiwegner\/status\/2050475559990288411\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/x.com\/kaiwegner\/status\/2050475559990288411&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Auf X<\/a> lobte er: \u201eDer 1. Mai in Berlin war friedlich.\u201c<\/p>\n<p><b>Politikredakteur <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/kevin-culina\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/kevin-culina\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Kevin Culina<\/b><\/a><b> berichtet f\u00fcr WELT \u00fcber Gesundheitspolitik, die Linkspartei und das B\u00fcndnis Sahra Wagenknecht.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Darf man am Tag der Arbeit tanzen? \u00dcber diese Frage streitet sich die linke Szene in Berlin. 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