{"id":995239,"date":"2026-05-05T03:07:17","date_gmt":"2026-05-05T03:07:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/995239\/"},"modified":"2026-05-05T03:07:17","modified_gmt":"2026-05-05T03:07:17","slug":"267-euro-fuer-den-notruf-warum-lokaljournalismus-den-unterschied-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/995239\/","title":{"rendered":"267 Euro f\u00fcr den Notruf? Warum Lokaljournalismus den Unterschied macht"},"content":{"rendered":"<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Vor wenigen Monaten verk\u00fcndete die Stadt Essen, dass ihre B\u00fcrger k\u00fcnftig <a href=\"https:\/\/www.waz.de\/lokales\/essen\/article410737730\/wie-es-zum-essener-desaster-um-die-gebuehren-fuer-rettungsfahrten-kommen-konnte.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.waz.de\/lokales\/essen\/\" data-paid-status=\"premium\" data-article-publish-date=\"1766054043\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">267 Euro f\u00fcr jede Rettungsfahrt<\/a> zahlen sollen \u2013 selbst im lebensbedrohlichen Fall. Der Ratsbeschluss stand, die Verunsicherung bei den Menschen war riesig. Unsere Redaktion berichtete intensiv, recherchierte die Hintergr\u00fcnde und blieb \u00fcber Wochen dran. Die Stadt Essen zog die Rei\u00dfleine und setzte den Beschluss aus. Inzwischen vermittelt das Land in dem <a href=\"https:\/\/www.waz.de\/politik\/article411790640\/rettungsdienst-fehlfahrten-krankenkassen-machen-kommunen-neues-angebot.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.waz.de\/politik\/\" data-paid-status=\"premium\" data-article-publish-date=\"1776867413\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">komplexen Streit zwischen Krankenkassen und Kommunen<\/a>. <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Die Menschen h\u00e4tten sich \u00fcber den Fall anders informieren k\u00f6nnen: Auf Facebook und Instagram schwirrten w\u00fctende Kommentare. Anbieter K\u00fcnstlicher Intelligenz wie ChatGPT oder Gemini lieferten oberfl\u00e4chliche Zusammenfassungen. Doch die Social-Plattformen und Tech-Konzerne rufen keine Politiker und Institutionen an. Sie konfrontieren nicht. Sie ermitteln keine Auswirkungen vor Ort. Social Media verst\u00e4rkt, was laut ist. Falschmeldungen und Hass verbreiten sich in k\u00fcrzester Zeit. K\u00fcnstliche Intelligenz greift auf schon Bestehendes zur\u00fcck \u2013 oder erfindet gar ohne Grundlage. Auch so entstehen Ger\u00fcchte. Auf diesen Plattformen ist niemand verantwortlich. Niemand pr\u00fcft nach. Niemand korrigiert. Und niemand ist morgen wieder da \u2013 vor Ort, in echt. <\/p>\n<p>  Arbeit der Lokaljournalisten ist herausfordernder geworden<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Lokaljournalisten dagegen schon. Ihre Arbeit ist heute viel herausfordernder als noch vor einigen Jahren: Sie moderieren live, wenn Demonstranten, Karnevalsz\u00fcge oder Fu\u00dfballbegeisterte durch unsere St\u00e4dte ziehen. Sie ordnen in Echtzeit ein, liefern Bilder, Videos und Daten, wenn in unserer Region Entscheidendes passiert \u2013 bei Ungl\u00fccksf\u00e4llen ebenso wie bei Kommunalwahlen. Sie durchforsten Akten, sprechen Betroffene und Expertinnen. Sie laden zu Debatten ein und wollen mit den Menschen sprechen statt nur \u00fcber sie zu berichten. <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Und doch dringt der Lokaljournalismus heute weniger durch. Das liegt auch an uns Journalistinnen und Journalisten selbst und an Fehlern, die wir gemacht haben: Ersetzbar ist, wer Pressemitteilungen nur weiterreicht, statt sie zu pr\u00fcfen. Belanglos wird, wer vor allem unterhalten will. <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Gebraucht wird ein Lokaljournalismus, der recherchiert. In Bochum deckte eine Reporterin j\u00fcngst <a href=\"https:\/\/www.waz.de\/lokales\/bochum\/article411796003\/skandal-im-ordnungsamt-bochum-diese-fuenf-teile-unserer-grossen-recherche-erwarten-sie-bis-montag.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.waz.de\/lokales\/bochum\/\" data-paid-status=\"default\" data-article-publish-date=\"1777274710\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00dcbergriffe und Machtmissbrauch im st\u00e4dtischen Ordnungsamt<\/a> auf. In Duisburg berichtete unser Reporterteam <a href=\"https:\/\/www.waz.de\/lokales\/duisburg\/article411729710\/bleibt-der-gekuendigte-sana-chefarzt-in-haft-entscheidung-gefallen.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.waz.de\/lokales\/duisburg\/\" data-paid-status=\"premium\" data-article-publish-date=\"1776331507\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">exklusiv \u00fcber Vorw\u00fcrfe gegen einen ehemaligen Chefarzt<\/a> einer Klinik wegen sexuellen Missbrauchs junger Patientinnen. In vielen Ruhrgebietsst\u00e4dten zeigen Journalisten gerade auf, was es hei\u00dft, wenn Kinder ab dem Sommer nicht ihre Wunschschule besuchen k\u00f6nnen. \u00a0<\/p>\n<p>Studien: Ohne Lokalzeitung sinkt Wahlbeteiligung<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Was ohne die Arbeit von Redaktionen auf dem Spiel steht, ist messbar. <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/sites\/default\/files\/2025-09\/e-paper_demokratie-beginnt-im-lokalen_zeit-fuer-neue-medienfoerderung.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Studien aus den USA und der Schweiz belegen<\/a>: Wo Lokalzeitungen verschwinden, sinkt die Wahlbeteiligung. Die Korruption nimmt zu. Es steigen die kommunalen Schulden und gewinnen Populisten weiter an Zustimmung. <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Drei Dinge sind daher notwendig. Erstens muss die Politik Lokaljournalismus als Infrastruktur sehen. Es braucht faire Rahmenbedingungen f\u00fcr Anbieter von unabh\u00e4ngigen Regionalmedien \u2013 gerade im Wettbewerb mit gro\u00dfen Plattformen und \u00f6ffentlich-rechtlichen Angeboten. Dazu z\u00e4hlt die \u00fcberf\u00e4llige Digitalabgabe f\u00fcr die gro\u00dfen Plattformen. Zweitens muss sich der Lokaljournalismus auf seinen Kern konzentrieren: nahbar f\u00fcr die Menschen in unseren St\u00e4dten sein, live im Geschehen f\u00fcr die seri\u00f6se Einordnung und mit gro\u00dfer Tiefe bei komplexen Sachverhalten. Drittens: Wer Lokaljournalismus will, muss akzeptieren, dass er aufwendig ist und etwas kostet \u2013 auch denjenigen, der ihn nutzen will. <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/410164430_1759751789_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"Anne Krum\" title=\"Anne Krum ist Chefredakteurin Digital und Entwicklung bei der WAZ und der Westfalenpost.\u00a0\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Anne Krum ist Chefredakteurin Digital und Entwicklung bei der WAZ und der Westfalenpost.\u00a0<br \/>\n      \u00a9 FUNKE \/ Foto Services | Funke Foto Servces\n    <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">In Essen bekommt noch kein B\u00fcrger eine Rechnung, weil er eine Rettungsfahrt braucht. Weil Journalisten nachgefragt und eingeordnet haben. Weil sie hartn\u00e4ckig geblieben sind. <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">So einfach ist das. Und so schwer.<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\"><a href=\"https:\/\/www.waz.de\/politik\/tag-des-lokaljournalismus\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wie unsere Lokalredaktionen arbeiten und eine Auswahl unserer st\u00e4rksten Recherchen, lesen Sie auf unserer Themensammlung zum Tag des Lokaljournalismus. <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor wenigen Monaten verk\u00fcndete die Stadt Essen, dass ihre B\u00fcrger k\u00fcnftig 267 Euro f\u00fcr jede Rettungsfahrt zahlen sollen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":995240,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1834],"tags":[3364,29,3688,30,1209],"class_list":{"0":"post-995239","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-essen","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-essen","11":"tag-germany","12":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116519767171576175","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/995239","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=995239"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/995239\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/995240"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=995239"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=995239"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=995239"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}