{"id":995773,"date":"2026-05-05T08:17:17","date_gmt":"2026-05-05T08:17:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/995773\/"},"modified":"2026-05-05T08:17:17","modified_gmt":"2026-05-05T08:17:17","slug":"neues-depot-fuer-das-bergbau-museum-bochum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/995773\/","title":{"rendered":"Neues Depot f\u00fcr das Bergbau-Museum Bochum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie plant man ein Depot, das 100-Tonnen-Bergbaumaschinen ebenso aufnehmen muss wie Hunderttausende kleinteiliger Objekte? Im neuen Forschungs- und Depotgeb\u00e4ude des Deutschen Bergbau-Museums Bochum b\u00fcndelt das Aachener B\u00fcro Carpus+Partner Sammlung, Forschung und moderne Arbeitswelten unter einem Dach. Eine Aufgabe, so vielschichtig wie die Sammlung selbst.<\/strong><\/p>\n<p>Den Wettbewerb von 2021 gewannen Carpus+Partner mit einem klaren Auftrag: die bislang dezentral gelagerten Best\u00e4nde des Montanhistorischen Dokumentationszentrums an einem Standort zusammenzuf\u00fchren und gleichzeitig eine leistungsf\u00e4hige Infrastruktur f\u00fcr Forschung und Digitalisierung zu schaffen.<\/p>\n<p>Was das bedeutet, zeigt ein Blick auf die Sammlung: rund 350.000 Objekte, mehr als 350 Archivbest\u00e4nde, \u00fcber 30 Spezialsammlungen, 85.000 B\u00fccher und Zeitschriften, 150.000 Fotografien \u2013 und Bergbaumaschinen bis 100 Tonnen. Diese Bandbreite stellt vielf\u00e4ltige Anforderungen. Empfindliche Objekte brauchen ein pr\u00e4zise kontrolliertes Raumklima. Schwere Maschinen verlangen hochbelastbare B\u00f6den. Die Forschung wiederum braucht direkten Zugriff auf die Best\u00e4nde und flexible Arbeitsbereiche.<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude steht damit vor einer dreifachen Aufgabe: konservieren, erschlie\u00dfen, forschen. Gel\u00f6st werden muss sie an einem Ort, der selbst Geschichte tr\u00e4gt \u2013 und sich vom ehemaligen Industriestandort zum Wissenschaftscampus wandelt.<\/p>\n<p><strong>Stadtr\u00e4umliche Einbindung<\/strong><\/p>\n<p>Das Grundst\u00fcck liegt in einem Stadtraum voller Gegens\u00e4tze: Direkt neben der Jahrhunderthalle Bochum treffen gro\u00dfma\u00dfst\u00e4bliche Industrieanlagen, Wohnstrukturen und der \u00bbNordpol\u00ab aufeinander \u2013 ein durch den Bergbau aufgesch\u00fctteter H\u00f6henzug, der die Nachbarschaft bis heute pr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Die Architekten nehmen diese Ma\u00dfstabsspr\u00fcnge auf. Ein massiver Sockel fasst die gro\u00dfvolumigen Depotbereiche zusammen \u2013 robust, erdverbunden, industrienah. Dar\u00fcber erhebt sich der Forschungsbau als eigenst\u00e4ndiger, turmartiger Bauk\u00f6rper. Staffelungen und R\u00fcckspr\u00fcnge vermitteln zwischen den unterschiedlichen Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnissen des Umfelds und machen zugleich die innere Organisation des Hauses von au\u00dfen lesbar. Der Haupteingang orientiert sich zum Stra\u00dfenraum an der Jahrhunderthalle \/ Gahlensche Stra\u00dfe. Eine vorgelagerte Freifl\u00e4che bildet den \u00dcbergang zwischen Stadt und Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p><strong>Organisation und Tragwerk<\/strong><\/p>\n<p>Die innere Organisation folgt den Anforderungen der Sammlung. Gro\u00dfe Maschinenteile brauchen Platz und Tragf\u00e4higkeit, empfindliche St\u00fccke stabile Temperatur und Luftfeuchte, kleine Best\u00e4nde schnelle Zug\u00e4nglichkeit. Die schweren Exponate lagern in den unteren Geschossen. Ein auf hohe Lasten ausgelegtes Tragwerk, rund vier Meter lichte H\u00f6he und gro\u00dfe Spannweiten schaffen die n\u00f6tige Reserve. In spezialisierten Klimabereichen sichern pr\u00e4zise geregelte Systeme konstante Bedingungen f\u00fcr Papier, Fotografien und andere sensible Materialien.<\/p>\n<p>Eine zentrale Logistikspange verbindet die Bereiche und strukturiert die Abl\u00e4ufe. Die Depotfl\u00e4chen sind als zusammenh\u00e4ngende Einheiten organisiert \u2013 flexibel anpassbar, wenn Best\u00e4nde wachsen oder Nutzungen sich \u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>Sammlungsnahe Forschung<\/strong><\/p>\n<p>Der Kopfbau nimmt die Forschungsbereiche auf. Wie eine Klammer umfassen die mit Tageslicht durchfluteten Arbeitsbereiche die innenliegenden Sammlungs- und Archivfl\u00e4chen. Ein regelm\u00e4\u00dfiges Raster strukturiert die Fassade und den Grundriss. Arbeitspl\u00e4tze, Kommunikationszonen und Servicebereiche lassen sich flexibel anordnen.<\/p>\n<p>Das zentrale Entwurfsprinzip ist die r\u00e4umliche N\u00e4he von Sammlung und Forschung. Sie verk\u00fcrzt Wege, erm\u00f6glicht den direkten Zugriff auf Objekte und verbindet wissenschaftliche Arbeit eng mit konservatorischen Prozessen.<\/p>\n<p>Im Eingangsfoyer wird dieser Zusammenhang sichtbar: Ein gro\u00dfformatiges Schaufenster \u00f6ffnet den Blick ins Depot und macht dessen Dimension erfahrbar \u2013 ohne die konservatorischen Bedingungen im Inneren zu beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p><strong>Materialit\u00e4t und Ausdruck<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00e4u\u00dfere Erscheinung folgt der inneren Ordnung. Der Depotbereich bildet einen massiven Sockel. Seine Fassade aus gebranntem Klinker mit glasierten und Kohlebrandmerkmalen schafft eine optische und haptische Verbindung zum Bergbau.\u00a0Die kassettenartige Gliederung der Fassade erzeugt Struktur und Tiefe, der Bauk\u00f6rper wirkt geordnet und ruhig. Aus der N\u00e4he tritt die Materialit\u00e4t des Ziegels hervor: Feine Oberfl\u00e4chenstrukturen und differenzierte Farbnuancen brechen die gro\u00dfma\u00dfst\u00e4bliche Wirkung und bringen die Fassade in den menschlichen Ma\u00dfstab.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber sitzt der Forschungsbau. Pfosten-Riegel-Konstruktion, Metallfassade und gro\u00dfz\u00fcgige Verglasungen geben ihm eine leichtere, transparente Erscheinung \u2013 und bilden zugleich eine klar strukturierte H\u00fclle f\u00fcr die Arbeits- und Forschungsbereiche.<\/p>\n<p>R\u00fcckspr\u00fcnge im Bauk\u00f6rper schaffen Dachg\u00e4rten und Terrassen. Intensiv begr\u00fcnte Dachfl\u00e4chen bilden die f\u00fcnfte Fassade und binden den Neubau in den Landschaftsraum ein.<\/p>\n<p><strong>Identit\u00e4t aus Ort &amp; Nutzung\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude bezieht seine Identit\u00e4t aus Ort und Nutzung. Materialit\u00e4t und Ma\u00dfstab nehmen die industrielle Pr\u00e4gung des Standorts auf \u2013 und \u00fcberf\u00fchren sie in eine eigenst\u00e4ndige Architektur. Die Anforderungen der Sammlung und der Forschung strukturieren dabei nicht nur die Grundrisse, sondern das gesamte konstruktive Gef\u00fcge.<\/p>\n<p>Flexibilit\u00e4t und Robustheit sind keine Nebenaspekte, sondern Entwurfshaltung. Das Geb\u00e4ude reagiert auf bestehende Anforderungen und schafft zugleich Spielraum f\u00fcr das, was noch kommt.<\/p>\n<p>So vermittelt der Bau zwischen Stadt, Landschaft und historischem Industrieareal \u2013 und macht diese Verbindung in Material, Struktur und Raum erfahrbar.<\/p>\n<p><strong>Standort:<\/strong> Jahrhunderthalle 46, Bochum<\/p>\n<p><strong>Architekten:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.carpus.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Carpus+Partner AG<\/a><\/p>\n<ul>\n<li>Wettbewerbsentwurf: Michael Lohmann, Paul Borucki<\/li>\n<li>Bearbeitende Architekten: Friedhelm Nu\u00dfbaum, Eric Demary, Karolos Renson<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fertigstellung:<\/strong> voraussichtlich Ende 2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.db-bauzeitung.de\/tag\/depot\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Weitere Depotgeb\u00e4ude \u00bb<\/a><\/p>\n<p> db deutsche bauzeitung <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie plant man ein Depot, das 100-Tonnen-Bergbaumaschinen ebenso aufnehmen muss wie Hunderttausende kleinteiliger Objekte? Im neuen Forschungs- und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":995774,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1839],"tags":[7507,3364,7479,29,30,1209],"class_list":["post-995773","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-bochum","tag-bochum","tag-de","tag-depot","tag-deutschland","tag-germany","tag-nordrhein-westfalen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116520986011747063","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/995773","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=995773"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/995773\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/995774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=995773"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=995773"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=995773"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}