{"id":995781,"date":"2026-05-05T08:21:26","date_gmt":"2026-05-05T08:21:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/995781\/"},"modified":"2026-05-05T08:21:26","modified_gmt":"2026-05-05T08:21:26","slug":"uk-studie-kinder-ueberlisten-alterskontrollen-mit-aufgemalten-schnurrbaerten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/995781\/","title":{"rendered":"UK-Studie: Kinder \u00fcberlisten Alterskontrollen mit aufgemalten Schnurrb\u00e4rten"},"content":{"rendered":"<p>\n        05. Mai 2026<\/p>\n<p>              Matthias Lindner<\/p>\n<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/shutterstock_444294739-629bd200315b736b.jpeg\"  width=\"5242\" height=\"2945\"  alt=\"Ein Kind mit aufgemaltem Schnurrbart und Bart.\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Ein Kind mit aufgemaltem Schnurrbart und Bart umgeht die Alterskontrollen wohl sehr leicht.<\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0CCISUL \/ <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/close-portrait-boy-looking-camera-wearing-444294739\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Eine Umfrage unter britischen Kindern zeigt: 46 Prozent halten Online-Alterskontrollen f\u00fcr leicht umgehbar. Eltern helfen teils aktiv mit.<\/p>\n<p>Immer mehr L\u00e4nder gehen dazu \u00fcber, Kinder und Jugendliche aus den sozialen Netzwerken zu verbannen. Ohne Alterspr\u00fcfung bleibt der Zugang versperrt, so die Theorie. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass es scheinbar immer einen Weg gibt, die Kontrollen zu \u00fcberlisten.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr ist Gro\u00dfbritannien. Monate nach Inkrafttreten der versch\u00e4rften Alterspr\u00fcfungen unter dem britischen Online Safety Act (OSA) zeigt ein Bericht, dass die Ma\u00dfnahmen ihr Ziel weitgehend verfehlen.<\/p>\n<p>Die  <a href=\"https:\/\/www.internetmatters.org\/hub\/research\/online-safety-act-report-2026\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">aktuelle Studie der Organisation Internet Matters<\/a> mit \u00fcber 1.000 befragten Kindern und deren Eltern dokumentiert, wie leicht sich Minderj\u00e4hrige Zugang zu altersbeschr\u00e4nkten Inhalten verschaffen.<\/p>\n<p>Die Methoden reichen vom schlichten Eingeben eines falschen Geburtsdatums \u00fcber die Nutzung fremder Ausweisdokumente hin zu einem besonders kuriosen Trick: Ein 12-J\u00e4hriger malte sich mit einem Augenbrauenstift einen Schnurrbart ins Gesicht \u2013 und die KI-gest\u00fctzte Gesichtserkennung verifizierte ihn als 15-J\u00e4hrigen.<\/p>\n<p>Die Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache: 46 Prozent der befragten Kinder halten Alterskontrollen f\u00fcr leicht zu umgehen, nur 17 Prozent empfinden sie als schwierig.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich umgangen haben die Sperren laut eigener Aussage 32 Prozent. Besonders brisant: 49 Prozent aller befragten Minderj\u00e4hrigen gaben an, k\u00fcrzlich mit sch\u00e4dlichen Inhalten in Kontakt gekommen zu sein \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie Alterskontrollen aktiv ausgehebelt hatten.<\/p>\n<p>Eltern als Komplizen<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Wie  <a href=\"https:\/\/www.theregister.com\/2026\/05\/04\/uk_online_safety_act_age_checks_subvert\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">The Register berichtet<\/a>, liegt ein erheblicher Teil des Problems bei den Erziehungsberechtigten selbst.<\/p>\n<p>Knapp 17 Prozent der Eltern r\u00e4umten ein, ihren Kindern aktiv bei der Umgehung geholfen zu haben. Weitere 9 Prozent schauten bewusst weg.<\/p>\n<p>Die Motive unterscheiden sich dabei: Aktiv helfende Eltern beschrieben Szenarien, in denen sie die Risiken einzusch\u00e4tzen glaubten und ihrem Kind die Nutzung unter Aufsicht erlaubten \u2013 etwa bei bestimmten Spielen.<\/p>\n<p>Passiv wegsehende Eltern intervenierten schlicht nicht, obwohl sie das Verhalten bemerkten.<\/p>\n<p>Internet-Matters-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Rachel Huggins forderte in dem Bericht &#8222;st\u00e4rkere Ma\u00dfnahmen von Regierung und Industrie&#8220;, um sicherzustellen, dass Kinder &#8222;nur auf altersgerechte Online-Dienste zugreifen k\u00f6nnen, bei denen Sicherheit von Anfang an eingebaut ist \u2013 statt erst als Reaktion auf Sch\u00e4den&#8220;.<\/p>\n<p>Technische Schw\u00e4chen der Gesichtserkennung<\/p>\n<p>Dass ein aufgemalter Schnurrbart ausreicht, um die Gesichtserkennung zu t\u00e4uschen, offenbart grundlegende Schw\u00e4chen der KI-basierten Alterssch\u00e4tzung (Facial Age Estimation). Diese Systeme erstellen mathematische Gesichtskarten auf Basis biometrischer Merkmale und sind \u2013 wie sich zeigt \u2013 f\u00fcr visuelle Manipulationen anf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Hinzu kommen bekannte Verzerrungen bei verschiedenen ethnischen Gruppen: Studien zeigen niedrigere Genauigkeitswerte bei nicht-wei\u00dfen Bev\u00f6lkerungsgruppen, da die Trainingsdaten h\u00e4ufig unausgewogen sind. Auch 18- bis 24-J\u00e4hrige werden \u00fcberproportional oft f\u00e4lschlich als minderj\u00e4hrig eingestuft.<\/p>\n<p>Andere Verifikationsmethoden wie Foto-ID oder Kreditkartenpr\u00fcfung gelten zwar als zuverl\u00e4ssiger, werfen jedoch erhebliche Datenschutzfragen auf \u2013 insbesondere unter der europ\u00e4ischen DSGVO, die bei Minderj\u00e4hrigen besonders strenge Ma\u00dfst\u00e4be an die Datenverarbeitung anlegt.<\/p>\n<p>Globales Muster des Scheiterns<\/p>\n<p>Die britischen Ergebnisse reihen sich in ein internationales Muster ein. In Australien, wo seit Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot f\u00fcr unter 16-J\u00e4hrige gilt, haben 61 Prozent der betroffenen Jugendlichen <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Australien-Social-Media-Verbot-fuer-Jugendliche-wirkt-kaum-11275105.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">weiterhin Zugriff auf mindestens ein Konto<\/a>. Auch dort griffen Minderj\u00e4hrige auf Ausweise ihrer Eltern oder bedruckte Masken zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die australische Senatorin <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Australiens-Social-Media-Bann-Die-einfache-Loesung-hat-das-Problem-nicht-behoben-11260307.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sarah Hanson-Young bezeichnete<\/a> den Social-Media-Bann als &#8222;Fake&#8220;-L\u00f6sung, die das Problem nicht behoben habe.<\/p>\n<p>Auf EU-Ebene wurde die im April 2026 vorgestellte Altersverifizierungs-App, entwickelt von Scyt\u00e1les und der Deutschen Telekom, nur einen Tag nach dem Launch von einem Experten <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/article\/Gehackt-in-zwei-Minuten-Das-Versagen-der-EU-Altersverifizierung-11269237.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in unter zwei Minuten gehackt<\/a>.<\/p>\n<p>Dennoch treiben immer mehr L\u00e4nder Regulierungsvorhaben voran: <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Social-Media-Verbot-Tuerkei-stimmt-dafuer-Norwegen-arbeitet-an-Gesetzesentwurf-11271067.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die T\u00fcrkei hat k\u00fcrzlich<\/a> f\u00fcr ein Social-Media-Verbot f\u00fcr unter 15-J\u00e4hrige gestimmt, Norwegen arbeitet an einem Gesetzesentwurf f\u00fcr unter 16-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Nur 22 Prozent der britischen Eltern und 31 Prozent der Kinder glauben laut der Internet-Matters-Studie, dass die Regierung genug unternimmt.<\/p>\n<p>Die Studienergebnisse d\u00fcrften auch die deutsche Debatte um Altersverifikation im Rahmen von DSA und Jugendmedienschutz-Staatsvertrag befeuern \u2013 zumal die DSGVO invasive biometrische Methoden zus\u00e4tzlich erschwert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"05. 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