{"id":996414,"date":"2026-05-05T14:21:17","date_gmt":"2026-05-05T14:21:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/996414\/"},"modified":"2026-05-05T14:21:17","modified_gmt":"2026-05-05T14:21:17","slug":"erzbistum-koeln-aufarbeitungskommission-haelt-kardinal-woelki-pflichtverletzung-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/996414\/","title":{"rendered":"Erzbistum K\u00f6ln: Aufarbeitungskommission h\u00e4lt Kardinal Woelki Pflichtverletzung vor"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Das Erzbistum K\u00f6ln hat brisante Post von seiner Unabh\u00e4ngigen Aufarbeitungskommission erhalten. F\u00fcr ihren <a href=\"https:\/\/www.erzbistum-koeln.de\/export\/sites\/ebkportal\/rat_und_hilfe\/sexualisierte-gewalt\/.content\/.galleries\/downloads\/aufarbeitung-downloads\/2026-03-28-Zweiter-Zwischenbericht.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zweiten Zwischenbericht<\/a> hat die Kommission von ihrem Recht Gebrauch gemacht, Bistumsakten einzusehen. Dabei wurde sie auf einen bisher nicht bekannten Vorgang aufmerksam: Die Stabsstelle Intervention und Aufarbeitung des Erzbistums ist laut dem Zwischenbericht zu dem Ergebnis gelangt, dass der K\u00f6lner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki eine anonyme Verdachtsmeldung nicht der Staatsanwaltschaft gemeldet habe, obwohl dies nach den seinerzeit geltenden Leitlinien der <a data-rtr-index=\"0\" title=\"Deutsche Bischofskonferenz\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/deutsche-bischofskonferenz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschen Bischofskonferenz<\/a> erforderlich gewesen w\u00e4re. Der Zwischenbericht wurde am Dienstag auf der Internetseite des Erzbistums K\u00f6ln ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Laut dem Bericht handelte es sich um eine anonyme Verdachtsmeldung, die \u201eAnn\u00e4herungsversuche und Fehlverhalten bei der Einhaltung von N\u00e4he und Distanz im Umgang mit minderj\u00e4hrigen Messdienern\u201c betraf.\u00a0 Zu den Vorf\u00e4llen soll es in der Amtszeit von Woelkis Vorg\u00e4nger, <a data-rtr-index=\"4\" title=\"Joachim Meisner\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/joachim-meisner\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Joachim Kardinal Meisner<\/a>, gekommen sein. Nach Auffassung der Stabsstelle w\u00fcrden in der Meldung Handlungen beschrieben, \u201edie einen Anfangsverdacht im strafrechtlichen Sinne begr\u00fcnden\u201c, hei\u00dft es in dem Zwischenbericht.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Neben einer Meldung an die Staatsanwaltschaft w\u00e4re nach den damaligen Leitlinien der Bischofskonferenz auch eine Meldung an die Glaubenskongregation im Vatikan erforderlich gewesen. Beides sei damals offenbar unterblieben. Woelki habe den Priester ohne eine gr\u00fcndlichere Pr\u00fcfung der Verdachtsmeldungen auf einen Posten \u201emit Personalverantwortung\u201c bef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Bericht wurde entsch\u00e4rft<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Nach Informationen der F.A.Z. ver\u00f6ffentlichte das Erzbistum K\u00f6ln jedoch nicht die urspr\u00fcngliche Fassung des Zwischenberichts, sondern nur eine entsch\u00e4rfte Version. In der urspr\u00fcnglichen Fassung, die der F.A.Z. vorliegt, macht sich die Aufarbeitungskommission die Auffassung der Stabsstelle ausdr\u00fccklich zu eigen: \u201eDer objektive Versto\u00df gegen die Meldepflicht steht auf Grundlage der Akte jedoch fest\u201c, hei\u00dft es darin in der Fu\u00dfnote 4.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Damit setzt sich die Kommission von dem 2021 ver\u00f6ffentlichten Missbrauchsgutachten der Kanzlei Gercke Wollschl\u00e4ger ab. Dort werde er im Kapitel \u201eKurzdarstellung der Aktenvorg\u00e4nge ohne\/mit nicht sicher festgestellten Pflichtverletzungen\u201c beschrieben. Die Frage des Anfangsverdachts und die sich daraus ergebende Meldepflicht w\u00fcrden von den Gutachtern nicht behandelt, schreibt die Kommission in der Fu\u00dfnote ihres urspr\u00fcnglichen Berichts. Das Missbrauchsgutachten kam zu dem Ergebnis, dass Woelki in keinem Fall eine Pflichtverletzung nachzuweisen sei.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">In der ver\u00f6ffentlichten entsch\u00e4rften Fassung ist die Fu\u00dfnote 4 neu formuliert worden. Die Aussage, dass die Pflichtverletzung auf Grundlage der Akten \u201eobjektiv\u201c feststehe, findet sich darin nicht mehr, auch der Satz, dass die Kanzlei Gercke Wollschl\u00e4ger der Frage eines Anfangsverdachts und der daraus resultierenden Meldepflicht nicht nachgegangen sei, fehlt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Erg\u00e4nzt wurde in der zweiten Fassung hingegen der Hinweis, dass der Fall vom Erzbistum mittlerweile der <a data-rtr-index=\"15\" title=\"Staatsanwaltschaft\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/deutsche-bischofskonferenz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Staatsanwaltschaft<\/a> gemeldet worden sei.\u00a0Das Erzbistum K\u00f6ln teilte dazu auf Anfrage mit, die Unabh\u00e4ngige Aufarbeitungskommission habe auf Grundlage ihrer Satzung um \u201edie datenschutzrechtliche \u00dcberpr\u00fcfung ihres Berichtsentwurfs durch einen neutralen Rechtsanwalt gebeten\u201c. Den Anmerkungen des Anwalts sei die Kommission \u201eweitgehend gefolgt\u201c.<\/p>\n<p>Eine Sitzung beim Psychologen<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Der Geistliche habe die Vorw\u00fcrfe bestritten, hei\u00dft es in dem Zwischenbericht weiter. Daraufhin sei ein Gespr\u00e4ch mit einem \u201eausw\u00e4rts t\u00e4tigen Psychologen aus dem Beraterstab des Erzbischofs\u201c anberaumt worden. Nach einer \u201eeinmaligen kurzen Sitzung\u201c habe dieser \u201ekeine Auff\u00e4lligkeiten\u201c diagnostiziert. Anschlie\u00dfend sei dem Priester von Woelki das avisierte Amt \u00fcbertragen worden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Der Fall wird laut Zwischenbericht im Missbrauchsgutachten der Kanzlei Gercke Wollschl\u00e4ger als \u201eAktenvorgang 92\u201c behandelt. In dem Missbrauchsgutachten hei\u00dft es, der Priester sei im Februar 2015 auf eine \u201eleitende Position im Erzbistum K\u00f6ln\u201c bef\u00f6rdert worden. Mittlerweile bekleidet er laut dem Zwischenbericht ein anderes Amt. Die Aufarbeitungskommission wollte sich damit nicht zufriedengeben.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Nach Durchsicht der Akten bat sie Woelki um eine Stellungnahme. In einem Gespr\u00e4ch mit dem K\u00f6lner Kardinal stellte sich laut Zwischenbericht heraus, dass anonyme Meldungen \u201eim Nachgang zu der in der Amtszeit von Kardinal Meisner geltenden Beschwerdeordnung nicht bearbeitet worden sind\u201c. Zudem habe sich gezeigt, dass \u201edie Unabh\u00e4ngigkeit des psychologischen Gutachters mit Blick auf die gleichzeitige Einbindung in den Beraterstab des Erzbistums zumindest fragw\u00fcrdig h\u00e4tte erscheinen m\u00fcssen\u201c. Das Justiziariat habe man nach Aussage Woelkis wegen der \u201eRolle der zu besetzenden Stelle\u201c nicht einschalten k\u00f6nnen. Viele Aspekte seien f\u00fcr die Aufarbeitungskommission \u201enicht nachvollziehbar geblieben\u201c, schreibt die Kommission \u00fcber das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>\u201eKeine gesteigerte Aufmerksamkeit\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Stabsstelle Intervention und Aufarbeitung ist im Generalvikariat angesiedelt, der Verwaltung des Erzbistums. Sie ist f\u00fcr die Aufarbeitung von Missbrauchsf\u00e4llen zust\u00e4ndig. Die Unabh\u00e4ngige Aufarbeitungskommission wurde infolge der \u201eGemeinsamen Erkl\u00e4rung \u00fcber verbindliche Kriterien und Standards f\u00fcr eine unabh\u00e4ngige Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche in Deutschland\u201c der Deutschen Bischofskonferenz und des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung von 2020 eingerichtet.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Bemerkenswert ist der Zwischenbericht auch deshalb, weil drei der sieben Mitglieder der Aufarbeitungskommission vom Erzbistum K\u00f6ln berufen wurden, unter ihnen der Ko-Vorsitzende Jens Kuhn. Die andere Ko-Vorsitzende und ehemalige K\u00f6lner Generalstaatsanw\u00e4ltin Elisabeth Auchter-Mainz ist eines von zwei Mitgliedern, die von der Landesregierung in D\u00fcsseldorf berufen wurden. Die zwei weiteren Mitglieder wurden vom Betroffenenbeirat des Erzbistums benannt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Kommission konstatiert zu Woelkis Verhalten: Trotz der vorliegenden Hinweise und der zeitlichen Verdichtung von Verdachtsmeldungen habe der Fall \u201ekeine gesteigerte Aufmerksamkeit erhalten, die etwa in einer gr\u00fcndlicheren Pr\u00fcfung der Verdachtsmomente h\u00e4tte erkennbar werden k\u00f6nnen\u201c. Erst etwa drei Jahre nach der Gr\u00fcndung der Stabsstelle sei der Aktenvorgang an diese \u00fcbergeben worden.<\/p>\n<p>Das Erzbistum schweigt<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Der Zwischenbericht muss nicht nur dem K\u00f6lner Erzbischof zugestellt werden. Er muss auch an die Unabh\u00e4ngige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung geschickt werden. So schreibt es die Gemeinsame Erkl\u00e4rung von Deutscher Bischofskonferenz und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung vor. Die urspr\u00fcngliche Fassung des Zwischenberichts ist auf den 26. M\u00e4rz 2026 datiert. Eingegangen ist der Zwischenbericht bei der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung nach Angaben von deren Pressesprecherin erst am 27. April.\u00a0 Die Frage der F.A.Z., ob die Missbrauchsbeauftragte nur die entsch\u00e4rfte Fassung erhalten habe, lie\u00df das Erzbistum K\u00f6ln unbeantwortet.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Berichte der Aufarbeitungskommissionen werden vom Amt des Missbrauchsbeauftragten gelesen und ausgewertet. Eine \u201eindividuelle R\u00fcckmeldung an die Aufarbeitungskommissionen oder Bist\u00fcmer\u201c erfolge in der Regel nicht, teilte eine Sprecherin mit.\u00a0 Ob diese Regel auch in diesem Fall gilt, bleibt abzuwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das Erzbistum K\u00f6ln hat brisante Post von seiner Unabh\u00e4ngigen Aufarbeitungskommission erhalten. 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