{"id":996569,"date":"2026-05-05T15:47:18","date_gmt":"2026-05-05T15:47:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/996569\/"},"modified":"2026-05-05T15:47:18","modified_gmt":"2026-05-05T15:47:18","slug":"probe-des-br-symphonieorchesters-in-muenchen-sir-simon-rattle-bei-der-millimeterarbeit-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/996569\/","title":{"rendered":"Probe des BR-Symphonieorchesters in M\u00fcnchen: Sir Simon Rattle bei der Millimeterarbeit &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Eine geschlagene Stunde lang steht dieses etwas andere Instrument zur Linken des Meisters und besch\u00e4ftigt das Oberst\u00fcbchen des Probengasts: Warum um alles in der Welt hat Sir <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Simon_Rattle\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Simon Rattle<\/a> blo\u00df ein Megafon zur Orchesterprobe mitgebracht? Reagiert seine Truppe, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, nicht ohnehin auf jeden Mucks, den ihr Leiter von sich gibt? Will er per Verst\u00e4rker zum Publikum sprechen, den tausend SZ-Abonnenten, die an diesem Dienstagnachmittag in der Isarphilharmonie mal M\u00e4uschen spielen d\u00fcrfen, wenn der Maestro zur Probe bittet? Den Pausen-Kaffee wird er ja wohl nicht per Megafon im Foyer bestellen wollen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Profis bei der Arbeit zuzuschauen, ist etwas Wunderbares, auch wenn man nicht vom Fach ist. Klar, wenn Tennisspieler Alexander Zverev eine halbe Stunde lang Aufschlag \u00fcbt, muss man schon die Augen in die Hand nehmen, um zu erkennen, ob er jetzt Slice, Kick oder glatt schl\u00e4gt. Spannend ist ja die Akribie, mit der die Spezialisten tagt\u00e4glich zu Werke gehen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wer zum Beispiel bei Sir Simon als Tubist in der Probe ein paar h\u00e4ndische Klatscher beizusteuern hat, h\u00e4tte wohl kaum gedacht, dass er Folgendes zu h\u00f6ren bekommt: \u201eNot so relaxed, the clapping!\u201c, also aufgefordert wird, nicht so locker zu klatschen. Sondern bitte sch\u00f6n kurz, knapp, konzentriert: Klatsch! Er selbst nimmt sich aber nicht aus, sondern tadelt sich vielmehr ebenfalls, weil ihm nicht aufgefallen war, dass seine eigene T\u00f6ne-Produktion einen Misston enthalten hatte: wegen des Eherings, der gegen das Instrument geklappert hatte. So sieht sie aus, die Millimeterarbeit eines gro\u00dfen Dirigenten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dunkle Hose, schwarzes T-Shirt, wei\u00dfe Sneaker: So kommt der 71-j\u00e4hrige Sir Simon zur Arbeit. Mitgebracht hat er\u00a0\u2013 au\u00dfer dem obskuren Megafon \u2013 eine Plan\u00e4nderung, die von Geigerin Anne Schoenholtz verk\u00fcndet wird: Statt der angek\u00fcndigten D-Dur-Symphonie von Joseph Haydn, Rattles Lebenskomponist, wird an diesem Nachmittag nur das andere St\u00fcck geprobt: Ond\u0159ej Ad\u00e1meks \u201eWhere Are You?\u201c, ein musikalisches Drama \u00fcber die Suche nach Gott mit quasi-rituellen Z\u00fcgen und atemraubender Behandlung der Sprache. Denn \u201eWorte haben nicht nur eine Bedeutung, sondern auch Kl\u00e4nge\u201c, beschreibt die Geigerin die Philosophie des Komponisten, der an diesem Tag sogar anwesend ist und zu Probenbeginn den Platz zur Rechten Sir Simons einnimmt. Links steht ja das Megafon.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/e53d0b21-cf6d-4eba-a9ef-153b0137b3a7.jpg\"   alt=\"Mezzosopranistin Magdalena Ko\u017een\u00e1 bei der Probe mit Sir Simon Rattle.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Mezzosopranistin Magdalena Ko\u017een\u00e1 bei der Probe mit Sir Simon Rattle. Robert Haas<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es ist ein reichlich komplexes Klang-Kaleidoskop, dessen Feinheiten der tschechische Komponist dem Orchester nun in einem deutsch-englischen Sprach-Mix zu erkl\u00e4ren versucht. Allzu weit darf er dabei allerdings nicht ausholen, so viel Geduld und Zeit glaubt der Maestro n\u00e4mlich nicht zu haben. Schlie\u00dflich gibt es noch jede Menge Schl\u00fcsselstellen zu proben, und das klingt dann so: \u201eLet\u2019s do the 114, very extreme.\u201c Oder so: \u201eDie 139: ein bisschen faster.\u201c Manchmal auch: \u201eAs dirty as possible.\u201c Wunderbar auch das sanft swingende Englisch-Deutsch des Briten, der seit 2021 deutscher Staatsb\u00fcrger ist: \u201eLet\u2019s do sweihundertsweiundf\u00fcnfsig.\u201c Kurze Zwischenfrage zur Rechten: \u201eDo you want more whistle?\u201c Kopfsch\u00fctteln von Adamek, darauf Rattle: \u201eAh, happy composer.\u201c Generell gilt: \u201eLet\u2019s get the sounds he wants\u201c, ermutigt der Dirigent seine Musiker.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ein besonders anspruchsvoller Part kommt der Mezzosopranistin Magdalena Ko\u017een\u00e1 zu. Sie verleiht dem Liederzyklus ihres tschechischen Landsmanns Ad\u00e1mek, der beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Pandemie-Bedingungen uraufgef\u00fchrt wurde, ihre unverwechselbare Stimme. Und \u2013 man glaubt es kaum: Nach der Kaffee-Pause h\u00e4lt sie im zweiten Teil der Probe pl\u00f6tzlich das Megafon in der Hand und schickt mit dessen Hilfe in der Tat beeindruckende T\u00f6ne in den Saal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine geschlagene Stunde lang steht dieses etwas andere Instrument zur Linken des Meisters und besch\u00e4ftigt das Oberst\u00fcbchen des&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":996570,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,29,30,91,3371,2392,1268,152838,190079,149],"class_list":{"0":"post-996569","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-klassik","12":"tag-konzerte-muenchen","13":"tag-kultur-in-muenchen","14":"tag-muenchen","15":"tag-muenchner-symphoniker","16":"tag-simon-rattle","17":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116522755442998805","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/996569","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=996569"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/996569\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/996570"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=996569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=996569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=996569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}