{"id":99733,"date":"2025-05-10T14:18:10","date_gmt":"2025-05-10T14:18:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/99733\/"},"modified":"2025-05-10T14:18:10","modified_gmt":"2025-05-10T14:18:10","slug":"a3kultur-position-ein-grosses-geben-und-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/99733\/","title":{"rendered":"a3kultur Position | Ein gro\u00dfes Geben und Nehmen"},"content":{"rendered":"<p>Seit einem Jahr ist Simon Kotter Leiter des Museums in Obersch\u00f6nenfeld. Die aktuelle Ausstellung \u00bbAlles Fake?\u00ab startete vor wenigen Tagen. Der Bezirk Schwaben betreibt hier eine ganze Reihe beliebter Kulturorte sowie den sch\u00f6nsten inklusiven Spielplatz unserer Region. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich ein Kloster und ein Gasthaus samt urigem Biergarten. Das passt alles recht gut zusammen. Ein Interview\u00a0<\/p>\n<p><strong>a3kultur: Herr Kotter, jetzt sind Sie seit bald einem Jahr Leiter des Museums in Obersch\u00f6nenfeld. Haben Sie sich denn gut eingefunden?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Simon Kotter: <\/strong>Ja, das w\u00fcrde ich schon sagen. Im Rahmen der \u00dcbergabe konnte ich zwei Monate mit meiner Vorg\u00e4ngerin Frau Dr. Spiegel zusammenarbeiten. Das war gut und hilfreich. Nun habe ich den ersten Jahresablauf hinter mir, ich kenne inzwischen alle Institutionen und Personen, die mit dem Haus zu tun haben.<\/p>\n<p><strong>Wie setzt man denn seine eigenen Ideen in einem gewachsenen Team um?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Planungen gehen oft weit \u00fcber eine Saison hinaus. F\u00fcr mich hei\u00dft das, dass viel von dem, was ich nun verantworte, noch von meiner Vorg\u00e4ngerin initiiert wurde, zum Teil schon vor Jahren. Das f\u00fchre ich nun weiter \u2013 so zum Beispiel einige Ausstellungen. Manche Vorhaben haben sogar einen noch viel l\u00e4ngeren Vorlauf, wie der Neubau unseres Museumsdepots, das gerade beim Weiherhof entsteht. Dieses Projekt wurde vor vielen Jahren angesto\u00dfen. Da kann ich jetzt gl\u00fccklicherweise die Ernte einfahren.<\/p>\n<p><strong>Obersch\u00f6nenfeld ist sehr beliebt und damit auch sehr belebt. Haben Sie eine ungef\u00e4hre Vorstellung davon, wie viele Besucher*innen im vergangenen Jahr hier waren? \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben weit \u00fcber 30.000 Ticketverk\u00e4ufe verzeichnet. Das sind die handfesten Zahlen. Dazu kommen dann die gro\u00dfen Veranstaltungen wie T\u00f6pfermarkt, Sommerfest und vor allem nat\u00fcrlich der Weihnachtsmarkt, wo regelm\u00e4\u00dfig Tausende Menschen zu uns str\u00f6men.<\/p>\n<p><strong>Manchmal kann es auf diesem wunderbar weitl\u00e4ufigen Klostergel\u00e4nde auch eng werden. Haben Sie zuweilen nicht ein wenig Bedenken wegen dieser Publikumserfolge?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mir manchmal w\u00fcnschen, dass das Besuchsaufkommen etwas breiter gestreut w\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Weniger Besucher*innen sind in Obersch\u00f6nenfeld auf absehbare Zeit wohl kaum zu erwarten. Dazu d\u00fcrfte auch Ihre aktuelle Schau \u00bbAlles Fake?\u00ab beitragen. Vor Kurzem war Er\u00f6ffnung, die Resonanz beim gro\u00dfen wie kleinen Publikum sehr gut. Welche Erwartungen haben Sie in Bezug auf Ihre erste gro\u00dfe Ausstellung hier?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, wir haben ein recht popul\u00e4res Thema gefunden, das die Menschen allein schon wegen des Titels, aber auch wegen der inhaltlichen Bandbreite anziehen wird. Der Begriff \u00bbFake\u00ab ist \u00fcbrigens erst vor rund zehn Jahren in unseren Sprachgebrauch \u00fcbergangen. Doch hier geht es nicht allein um Fake News und solche Dinge. Das ist vielleicht der Aufh\u00e4nger. Wir zeigen dar\u00fcber hinaus auch ganz harmlose Beispiele daf\u00fcr, warum von den Menschen, aber auch in der Natur Dinge und Zust\u00e4nde imitiert werden. Das kann dann auch ganz witzig sein.<\/p>\n<p><strong>Vor allem an der Station, die dazu animiert, Geld zu f\u00e4lschen \u2026\u00a0<\/strong><br \/>Dieses Angebot richtet sich zun\u00e4chst einmal vor allem an Kinder. Da wird rasch ein spielerischer Trieb geweckt \u2013 wobei es interessant ist, dass man durch diese partizipativen Elemente nicht nur die J\u00fcngeren anspricht. Das Thema Geldf\u00e4lschen zum Beispiel funktioniert ganz gut in allen Altersstufen.<\/p>\n<p><strong>Kuratiert hat die Ausstellung Florian D\u00f6rschel, wissenschaftlicher Volont\u00e4r. Was f\u00fcr eine sch\u00f6ne M\u00f6glichkeit f\u00fcr einen jungen Museumsmenschen. Hatten Sie zu Beginn Ihrer Laufbahn auch so viel Vertrauensvorschuss vonseiten Ihrer Vorgesetzten?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich lief es bei mir \u00e4hnlich. Ich sammelte erste Erfahrungen im Fr\u00e4nkischen Freilandmuseum Bad Windsheim. Dort wurde uns Volont\u00e4ren auch viel Verantwortung \u00fcbertragen und wir durften gro\u00dfe Ausstellungen kuratieren. Dieses Konzept hat hier am Haus gute Tradition und ist meiner Meinung nach der klassische und beste Einstieg in das Museumsbusiness. Es verbindet Verantwortung mit einem gewissen gesch\u00fctzten Raum. Florian D\u00f6rschel wurde dieser Aufgabe voll gerecht. Auch das Thema \u00bbAlles Fake?\u00ab stammte von ihm.<\/p>\n<p><strong>Welche Anforderungen muss ein Team erf\u00fcllen, um solche Wege gehen zu k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist vor allem ein gro\u00dfes Geben und Nehmen. Geben kann man jedoch nur, wenn man auch die Ressourcen daf\u00fcr hat. Man braucht gewisse Kompetenzen im Team. Und noch wichtiger ist eigentlich, dass alle an einem Strang ziehen. Das macht wohl ein eingespieltes, harmonisches, gut laufendes Team aus.<br \/>Frau Dr. Spiegel hat mir bei ihrem Abschied versichert: \u00bbHerr Kotter, ich \u00fcbergebe Ihnen ein ganz hervorragendes Team. Da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.\u00ab Und damit hatte sie absolut recht.<\/p>\n<p><strong>Ein Abschnitt Ihrer aktuellen Ausstellung nennt sich \u00bbWall of Fake\u00ab. Was ist denn Ihre pers\u00f6nliche Lieblingsf\u00e4lschung?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine gute Frage. Der Witz bei der Ausstellung ist ja tats\u00e4chlich, dass eine gelungene Mischung gezeigt wird aus wirklich sehr bekannten F\u00e4lschungen, wie den \u00bbHitler-Tageb\u00fcchern\u00ab, und Exponaten, die man eben nicht gleich erwarten w\u00fcrde, wie einen Ken-Follett-Roman, der gar nicht von Ken Follett stammt. Ich kann, glaube ich, gegenw\u00e4rtig keinen Favoriten nennen.<\/p>\n<p><strong>Empfinden Sie es eigentlich als beruhigend, dass es T\u00e4uschungen und Manipulationen schon immer gab und das Leben trotzdem immer weiterging?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man sich intensiver mit Geschichte besch\u00e4ftigt, dann wei\u00df man: Geschichte wiederholt sich nicht wirklich, aber gewisse Grundmuster tauchen immer wieder auf \u2013 und das finde ich tats\u00e4chlich ein bisschen beruhigend.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft,<strong> ein fundiertes geschichtliches Grundwissen sorgt f\u00fcr mehr Gelassenheit im Leben?<\/strong><\/p>\n<p>Es hilft vielleicht manche Dinge besser einzuordnen. Andererseits k\u00f6nnen Blicke in die Vergangenheit nat\u00fcrlich durchaus Angst machen. Heutzutage haben wir ganz andere technische M\u00f6glichkeiten, Unfug anzurichten, als vor zehn, hundert oder tauschend Jahren. Das ist vielleicht der gr\u00f6\u00dfte Unterschied.<\/p>\n<p><strong>Zu Ihrem Wirkungskreis geh\u00f6rt auch das Kunstforum Obersch\u00f6nenfeld. Bis vor Kurzem firmierte dieser Kulturort noch als Schw\u00e4bische Galerie. Warum die Namens\u00e4nderung?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Galerie nennt man in der Regel einen Ort, an dem man Kunst kaufen kann und wo der Eintritt gew\u00f6hnlich frei ist.<\/p>\n<p><strong>Aber Preislisten liegen doch bei Ihren Ausstellungen ebenfalls aus.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, aber eben nicht immer. Das ist dann so eine Gratwanderung, denn der Verkauf ist hier wirklich nur ein Nebenaspekt und l\u00e4ngst nicht bei allen Ausstellungen ein Thema. Der Fokus liegt klar auf der Museumsarbeit, also Ausstellungen und ein attraktives Rahmenprogramm anzubieten. So hat man sich auf die Bezeichnung Forum geeinigt. Sie beinhaltet auch den Dialog, den wir pflegen wollen: eben kein reiner Musentempel sein, sondern die Menschen an zeitgen\u00f6ssische Kunst heranf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Zu Beginn unseres Gespr\u00e4chs ist schon einmal der Name Weiherhof gefallen. Dort, in n\u00e4chster Nachbarschaft zum Klosterareal Obersch\u00f6nenfeld, wird nicht nur gerade Ihr Depotbau errichtet, es wird auch der \u00bbKunst_Raum\u00ab Weiherhof entstehen. Damit wird der Wirkungskreis Ihres Museums in absehbarer Zeit vergr\u00f6\u00dfert. Was erwarten Sie sich von dieser Erweiterung?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich gehe davon aus, dass sie f\u00fcr den Standort definitiv eine Aufwertung sein wird und das Kulturangebot des Bezirks Schwaben damit auf Besucher*innen \u2013 in dem Fall vor allem Kunstinteressierte \u2013 noch attraktiver wirkt. Im Kunstforum erlebt man K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, die bereits ein Standing haben. Am Weiherhof wollen wir mit dem Kunst_Raum jungen Menschen am Anfang ihrer Karriere die M\u00f6glichkeit bieten, zu arbeiten, auszustellen, ein Publikum zu finden. Auf \u00fcberschaubarem Raum mehrere lohnende Ziele zu haben, ist mit Sicherheit reizvoll f\u00fcr unser Publikum.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit einem Jahr ist Simon Kotter Leiter des Museums in Obersch\u00f6nenfeld. 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