{"id":997776,"date":"2026-05-06T04:07:13","date_gmt":"2026-05-06T04:07:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/997776\/"},"modified":"2026-05-06T04:07:13","modified_gmt":"2026-05-06T04:07:13","slug":"st-anna-plant-neue-orgel-kantor-eppelein-will-millionenprojekt-im-fugger-rahmen-starten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/997776\/","title":{"rendered":"St. Anna plant neue Orgel: Kantor Eppelein will Millionenprojekt im Fugger-Rahmen starten"},"content":{"rendered":"<p>Fast ein halbes Jahrhundert thront die Orgel von St. Anna nun schon \u00fcber der Gemeinde \u2013 und doch passt sie nie wirklich in den knapp bemessenen Raum hinter dem ber\u00fchmten Fugger-Prospekt. Kantor Johannes Eppelein will jetzt den gro\u00dfen Schritt gehen \u2013 und eine neue Orgel f\u00fcr die \u00e4lteste evangelische Kirche Augsburgs.<\/p>\n<p>Als das aktuelle Orgelwerk zwischen 1976 und 1978 eingebaut wurde, stand die<a href=\"https:\/\/www.st-anna-augsburg.de\/\" title=\" Annakirche Augsburg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> Annakirche<\/a> am Ende des Prozesses der Nachkriegsrekonstruktion. Die <a href=\"https:\/\/www.historisches-lexikon-bayerns.de\/Lexikon\/Fuggerkapelle_bei_St._Anna,_Augsburg\" title=\"Fuggerkapelle\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fuggerkapelle<\/a>, an deren Westseite das Instrument thront, war nach der Zerst\u00f6rung von 1944 wieder- aufgebaut, die ber\u00fchmten Prospektfl\u00fcgel aus der Renaissance wurden zur\u00fcckgeh\u00e4ngt \u2013 doch das Innenleben der neuen Orgel musste in das bestehende, baulich enge Korsett gezw\u00e4ngt werden, das f\u00fcr ein gro\u00dfes, den heutigen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgendes Instrument nie gedacht war.<\/p>\n<p>&#8222;Die urspr\u00fcngliche Fugger\u00adorgel des 16. Jahrhunderts verf\u00fcgte auf \u00e4hnlichem Platz wie heute \u00fcber 14 Register. Heute stehen 45 Register im Geh\u00e4use: \u00dcber 3000 Pfeifen ohne Raum zum Ansprechen und Klingen&#8220;, beschreibt Eppelein die Situation n\u00fcchtern.<br \/>Dass die Orgel nun 50 Jahre alt wird, bedeutet f\u00fcr ihn vor allem eines: Bilanz zu ziehen \u00fcber ein Instrument, das von Anfang an ein Kompromiss war. &#8222;Sie hat nie gut funktioniert&#8220;, sagt Eppelein r\u00fcckblickend. &#8222;Schon nach wenigen Jahren in den 80ern fielen st\u00e4ndig T\u00f6ne aus.&#8220; Zwei \u00dcberarbeitungen \u2013 1992 und 2011 \u2013 verbesserten manches, konnten aber nie die grundlegenden baulichen und klanglichen Schw\u00e4chen beseitigen.<\/p>\n<p>Historische Fl\u00fcgel \u00fcberlebten den Krieg<\/p>\n<p>Die Pracht der historischen Schauseite t\u00e4uscht leicht dar\u00fcber hinweg, wie viel Notl\u00f6sung in der eigentlichen Orgel steckt. Die Fl\u00fcgelt\u00fcren, die \u00fcber 500 Jahre alten Stiftungen der Fuggerfamilie, wurden wegen ihrer kunsthistorischen Bedeutung vor dem Krieg abgenommen und \u00fcberlebten so die Bombennacht von 1944. &#8222;Diese vier Fl\u00fcgel sind wirklich historisch&#8220;, betont Eppelein. &#8222;Der Rest ist Nachkriegsrekonstruktion.&#8220;<\/p>\n<p>Die Besitzverh\u00e4ltnisse zeigen zudem einen \u00f6kumenischen Schulterschluss, der fast einzigartig ist: Die Fuggerschen Stiftungen \u2013 bis heute katholisch \u2013 besitzen die historischen Prospektfl\u00fcgel, das rekonstruierte Geh\u00e4use und die Prospektpfeifen des Prinzipalbass 16\u2018, w\u00e4hrend die evangelische Kirchengemeinde das Innenleben finanzierte. &#8222;Es ist eine \u00f6kumenische Orgel&#8220;, sagt Eppelein. &#8222;So eng beieinander sind die Konfessionen in keinem anderen Kirchenraum, den ich kenne.&#8220; <\/p>\n<p>Klanglich tr\u00e4gt die Orgel die Handschrift des sp\u00e4ten Neo\u00adbarocks, der 1976 bereits aus der Mode kam. Statt tragender Grundstimmen dominieren scharfe Mixturen. &#8222;Der Orgel fehlt Grundt\u00f6nigkeit, Tragf\u00e4higkeit und Volumen&#8220;, erkl\u00e4rt Eppelein. Mehrere Intonationsversuche der 1990er- und 2010er-Jahre konnten das nur mildern. Hinzu kommen mittlerweile zahlreiche alters\u00fcbliche Verschlei\u00dferscheinungen des viel gespielten Instruments. &#8222;Im Piano klappert die Traktur mit\u00adunter lauter, als die Pfeifen klingen&#8220;, konstatiert Eppelein.<\/p>\n<p>Zu enges Korsett<\/p>\n<p>Der eigentliche Engpass liegt jedoch an den Platzverh\u00e4ltnissen selbst: Die Orgel ist von Betonw\u00e4nden der Nachkriegszeit umschlossen, baulich unver\u00e4nderbar, und der historische Prospekt, die Schauseite der Orgel, steht unter Denkmalschutz.<br \/>&#8222;Wir k\u00f6nnen aus diesem Beton-Korsett nicht raus&#8220;, sagt Eppelein. Deshalb stehen viele der 45 Register extrem eng beieinander, manche Pfeifen sind seit 1976 v\u00f6llig unzug\u00e4nglich \u2013 ohne Stimmg\u00e4nge, ohne Bewegungsfreiheit. &#8222;Einige Pfeifen konnten seit 1976 nur im Rahmen der gro\u00dfen \u00dcberarbeitungen gestimmt werden, weil man ohne Hubsteiger o.\u2009\u00c4. schlicht nicht hinkommt.&#8220; Wartungen werden zum Risiko: &#8222;Selbst schlankste Orgelbauer m\u00fcssen sich durch das Innere zw\u00e4ngen, und dennoch st\u00f6\u00dft man st\u00e4ndig irgendwo an \u2013 alles viel zu eng.&#8220;<\/p>\n<p>Unter der Orgel stapeln sich dazu Elektronikteile, Papier, Archivmaterial \u2013 ein brandschutztechnisch heikler Zustand. Alle Ma\u00dfnahmen, die jetzt n\u00f6tig w\u00e4ren \u2013 eine vollst\u00e4ndige Ausreinigung nach 20 Jahren, \u00dcberholung der Mechanik, nochmalige Neuintonation \u2013, w\u00fcrden einen sechsstelligen Betrag kosten und doch nicht das Grundproblem l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Darum ist klar: St. Anna braucht ein neues Instrument \u2013 &#8222;eine Stradivari der Orgeln&#8220;, wie Eppelein es formuliert. Von entscheidender Bedeutung wird dabei sein, dass es gelingt, den zur Verf\u00fcgung stehenden Platz besser zu nutzen.<br \/>Eppelein kann sich daf\u00fcr beispielsweise den bisher als Archiv verwendeten Raum unter dem Schwellwerk im Inneren des Instruments vorstellen. Mehrere Kubikmeter Noten sollen hier neuen Pfeifen weichen, um obendr\u00fcber ein gro\u00dfz\u00fcgigeres Aufstellen der Register und Stimmg\u00e4nge zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr bessere H\u00f6rbarkeit und Effekte<\/p>\n<p>Der Spieltisch soll fahrbar unten im Kirchenschiff aufgestellt werden (&#8222;Damit ich als Organist im Gottesdienst besser h\u00f6ren kann, was die Gemeinde tut&#8220;). In Abstimmung mit der Denkmal\u00adbeh\u00f6rde ist au\u00dferdem angedacht, den Lettner inmitten der Kirche, wo auch jetzt schon Orgelpfeifen eines fr\u00fcheren Provisoriums zu sehen sind, in das neue Orgelkonzept zu integrieren: &#8222;F\u00fcr Dolby-Surround-Effekte&#8220;, wie Eppelein lacht.<\/p>\n<p>Die prognostizierten Kosten liegen im siebenstelligen Bereich, doch haben schon sehr ermutigende Gespr\u00e4che in Bezug auf die Finanzierung stattgefunden. F\u00fcr einen Gro\u00dfteil der erwarteten Kosten gibt es bereits recht konkrete Zusagen. Voller Vorfreude erwartet die Kirchengemeinde St. Anna daher bereits bis zum Sommer erste Ideen, Konzepte und Kostenvoranschl\u00e4ge verschiedener Orgelbaufirmen. &#8222;Das Interesse an dem Neubauprojekt ist erfreulicherweise gro\u00df \u2013 auch seitens renommierter Firmen&#8220;, verr\u00e4t Eppelein.<\/p>\n<p>Schon im Herbst dieses Jahres k\u00f6nnte nach eingehender Sichtung, Beratung und Vergleich der Angebote der Auftrag vergeben werden. Dann k\u00f6nnte bis 2030, dem 500. Jubil\u00e4um der <a href=\"https:\/\/www.ekd.de\/augsburger-bekenntnis-confessio-augustana-13450.htm\" title=\"Confessio Augustana\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Confessio Augustana<\/a>, das Gro\u00dfprojekt &#8222;Eine neue Orgel f\u00fcr St. Anna, Augsburg und die Region&#8220; tats\u00e4chlich Gestalt angenommen haben: &#8222;Etwas Gl\u00fcck brauchen wir schon, damit wir diesen Zeitplan halten k\u00f6nnen, aber ganz ausge\u00adschlossen ist es nicht&#8220;, sch\u00e4tzt Eppelein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fast ein halbes Jahrhundert thront die Orgel von St. Anna nun schon \u00fcber der Gemeinde \u2013 und doch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":997777,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1846],"tags":[680,772,3364,29,548,663,3934,30,13,14,15,46592,12,215486],"class_list":{"0":"post-997776","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-augsburg","8":"tag-augsburg","9":"tag-bayern","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-germany","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-orgel","20":"tag-schlagzeilen","21":"tag-st-anna-augsburg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116525665197518020","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/997776","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=997776"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/997776\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/997777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=997776"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=997776"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=997776"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}