{"id":998159,"date":"2026-05-06T07:48:16","date_gmt":"2026-05-06T07:48:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/998159\/"},"modified":"2026-05-06T07:48:16","modified_gmt":"2026-05-06T07:48:16","slug":"der-haertefall-block-im-wedding-ich-habe-schlaflose-naechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/998159\/","title":{"rendered":"Der H\u00e4rtefall-Block im Wedding: \u201eIch habe schlaflose N\u00e4chte\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Fast zehn Millionen Euro Sanierungskosten rollen auf einen H\u00e4userblock in Wedding zu \u2013 und der gr\u00f6\u00dfte Teil davon k\u00f6nnte am Ende bei den Mietern landen. Neue Zahlen des Bezirksamts Mitte zeigen, warum die Sorge in der Maxstra\u00dfe und Reinickendorfer Stra\u00dfe w\u00e4chst. Rund 7,7 Millionen Euro gelten auf Anfrage der Berliner Zeitung als Modernisierungskosten \u2013 also als Anteil, der grunds\u00e4tzlich auf die Miete umgelegt werden kann. Damit bekommt die Angst der Bewohner erstmals ein konkretes Preisschild.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              In der Maxstra\u00dfe droht rechnerisch eine Mietsteigerung von rund 288 Euro pro Monat, in der Reinickendorfer Stra\u00dfe sind es etwa 220 Euro. Bei gr\u00f6\u00dferen Wohnungen m\u00fcssen die Bewohner sogar mit 300 Euro und mehr kalkulieren. Um sich gegen diese Last zu stemmen, haben bereits knapp 100 Mietparteien vorsorglich H\u00e4rtefallantr\u00e4ge gestellt. Die Ungewissheit belastet ihren Alltag schwer: \u201eIch habe schlaflose N\u00e4chte, weil ich st\u00e4ndig \u00fcber unseren Auszug nachdenke\u201c, berichtet eine Mieterin.\n            <\/p>\n<p>            \u201eIch habe schlaflose N\u00e4chte\u201c<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              In dem betroffenen Block leben rund 180 Mietparteien, die einen Querschnitt durch die Berliner Stadtgesellschaft bilden: Familien, Rentner, Wohngemeinschaften und Menschen mit geringem Einkommen. Besonders brisant ist, dass auch zwei Wohngemeinschaften der Lebenshilfe Berlin betroffen sind. Der Sanierungsstreit betrifft somit auch Menschen, f\u00fcr die ein Umzug die Sicherheit im Alltag infrage stellt.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Das <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/berlin-foerdergeld-fuer-wohnungssanierung-bleibt-liegen-2272255\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bezirksamt<\/a> Mitte legte auf Anfrage der Berliner Zeitung erstmals die detaillierten Summen offen. F\u00fcr die Maxstra\u00dfe werden 6,46 Millionen Euro Baukosten veranschlagt, f\u00fcr die Reinickendorfer Stra\u00dfe 3,45 Millionen Euro. Das Problem f\u00fcr die Mieter steckt im Detail der Aufteilung: Ein massiver Anteil wird als Modernisierung deklariert, w\u00e4hrend nur ein kleiner Bruchteil als klassische Instandsetzung \u2013 Reparatur \u2013 ausgewiesen wird, die der Vermieter allein tragen m\u00fcsste.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Diese Aufteilung ist der Kern des Konflikts. In der Maxstra\u00dfe ergeben die Modernisierungskosten im Schnitt horrende 43.180 Euro pro Wohnung. Zwar gibt es Kappungsgrenzen und F\u00f6rdermittel, doch sind das die blanken Zahlen. \u201eDrei Euro mehr pro Quadratmeter klingen erst einmal harmlos\u201c, sagt Sebastian Bachmann, selbst Bewohner und Sprecher der Mieter beider Wohnblocks. \u201eDoch bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung sind das 300 Euro, die am Ende des Monats f\u00fcr Essen, Kleidung oder Schulsachen fehlen.\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Mietergruppe ist skeptisch, ob die hohen Modernisierungsanteile rechtens sind. Sie wollen die Millionenrechnung nun von Experten pr\u00fcfen lassen. Der Verdacht: Wurden hier notwendige Reparaturen, die \u00fcber Jahre verschleppt wurden, einfach in das Paket der Modernisierung gemischt? Das Bezirksamt sieht bisher zwar keinen Anhaltspunkt f\u00fcr falsche Berechnungen, doch f\u00fcr die Mieter beginnt der Kampf um die Beweislast jetzt erst richtig.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Kosten seien in Gutachten aufgeschl\u00fcsselt, die erwarteten Energieeinsparungen plausibel. F\u00fcr das Amt ist der Fall damit rechnerisch nachvollziehbar. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/sanierungsstreit\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">F\u00fcr die Mieter beginnt genau dort der Streit.<\/a> \u201eDas sind halt einfach riesige Zahlen\u201c, sagt hingegen Sebastian Bachmann. Man k\u00f6nne sich darunter kaum etwas vorstellen. Vor allem der hohe Modernisierungsanteil mache die Gruppe skeptisch. \u201eUnd das wissen wir halt auch nicht so genau, ob das wirklich so stimmt.\u201c\n            <\/p>\n<p>            Beweise aus dem Treppenhaus<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Mieter wollen die Millionen-Rechnung jetzt auseinandernehmen lassen. Experten sollen pr\u00fcfen, was echte Modernisierung ist und was Instandsetzung. Der Berliner Mieterverein st\u00fctzt auf Anfrage der Berliner Zeitung den Punkt der Mieter. Die Genehmigung des Bezirksamts f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/category\/sanierung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sanierung<\/a> sei kein \u201eFreifahrtschein f\u00fcr sp\u00e4tere Mieterh\u00f6hungen\u201c. F\u00fcr Mieter gelte: Sie k\u00f6nnen pr\u00fcfen lassen, ob sie die Ma\u00dfnahmen dulden m\u00fcssen \u2013 und ob eine sp\u00e4tere Mieterh\u00f6hung zul\u00e4ssig ist.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Genehmigung durch den Bezirk \u00e4ndere daran nichts, teilt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Wibke Werner mit. Auch die Aussage des Bezirksamts, es gebe keine Anhaltspunkte f\u00fcr mitfinanzierte Instandsetzungskosten, sei \u201ef\u00fcr die zivilrechtliche Auseinandersetzung zwischen Mieter und Vermieter irrelevant\u201c, so Werner. Wenn mit der Modernisierung zugleich M\u00e4ngel beseitigt w\u00fcrden, m\u00fcsse der Vermieter diese Kosten aus den Gesamtkosten herausrechnen.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Werner verweist auf eine wichtige Regel: Der Vermieter muss nachweisen, dass in der sp\u00e4teren Mieterh\u00f6hung keine Reparaturkosten stecken. Sie formuliert es so: \u201eDen Vermieter trifft die Beweislast daf\u00fcr, dass keine Kosten f\u00fcr Instandsetzungsarbeiten im Mieterh\u00f6hungsbetrag enthalten sind.\u201c F\u00fcr die Mieter hei\u00dft das aber auch: Sie m\u00fcssen im Streitfall m\u00f6glichst genau zeigen k\u00f6nnen, \u201ewo welche Sch\u00e4den sich befunden haben sollen\u201c.\n            <\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/4bb42eb7-ac0a-4e82-831e-fe2a040d67d9.jpg\"   alt=\"Kaputte Fenster im Treppenhaus\" class=\"w-full h-full object-cover cursor-pointer\" loading=\"lazy\" data-original-url=\"\" data-caption=\"Kaputte Fenster im Treppenhaus\" data-source=\"Privat\/Berliner Zeitung\"\/><\/p>\n<p class=\"font-roboto text-sm leading-[22px] font-normal not-italic text-gray-800 text-left flex-[3]\">Kaputte Fenster im Treppenhaus<\/p>\n<p class=\"text-left md:text-right font-roboto text-xs leading-[18px] font-normal not-italic text-gray-700 flex-1 mt-1 md:mt-0\">\u00a9 Privat\/Berliner Zeitung<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Genau deshalb sammeln die Bewohner Fotos, M\u00e4ngelanzeigen und alte E-Mails. F\u00fcr Bachmann beginnt der Zweifel im Hausflur: Die Bilder zeigen ge\u00f6ffnete Treppenhausfenster, besch\u00e4digte Beschl\u00e4ge, Rostspuren, abgeplatzte Farbe, abgenutzte Schl\u00f6sser und ramponierte Rahmen. F\u00fcr die Mieter geht es um die Frage: Was ist Modernisierung \u2013 und was war l\u00e4ngst Reparatur?\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              \u201eIm Treppenaufgang sind Fenster teilweise undicht\u201c, sagt Bachmann. Auch in einzelnen Wohnungen gebe es dokumentierte Probleme. Von Handwerkern habe die Gruppe inoffiziell geh\u00f6rt, \u201edass das Dach wohl auch teilweise in keinem guten Zustand ist\u201c. Auch alte, noch funktionierende Bauteile k\u00f6nnen eine Rolle spielen. Werner verweist auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs von 2020. Diese spiele \u201eeine gro\u00dfe Rolle\u201c.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Danach k\u00f6nnen auch sogenannte fiktive Instandhaltungskosten abzuziehen sein, wenn alte Fenster, T\u00fcren oder andere Bauteile zwar noch funktionieren, aber bereits \u00fcber einen erheblichen Teil ihrer Lebensdauer genutzt wurden. Ende April haben nach Angaben Bachmanns knapp 100 Mietparteien H\u00e4rtefallantr\u00e4ge an die Hausverwaltung geschickt. \u201eWir haben bis Ende April so knapp um die 100 Antr\u00e4ge an die Hausverwaltung geschickt\u201c, sagt er.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Der Eingang sei best\u00e4tigt worden. \u201eAber sonst noch nichts.\u201c Der h\u00e4ufigste Grund sei finanzielle H\u00e4rte. \u201eAlso einfach, dass Leute teilweise \u00fcber 50 Prozent ihres Einkommens dann f\u00fcr die Miete aufwenden m\u00fcssen\u201c, sagt Bachmann. In einer Mitteilung der Mietergruppe schildert eine Bewohnerin aus der Reinickendorfer Stra\u00dfe, ihre Miete mache ab Sommer 2027 mehr als die H\u00e4lfte ihres Einkommens aus.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Ihren Kindern m\u00fcsse sie dann erkl\u00e4ren, dass 300 Euro weniger f\u00fcr Essen, Kleidung und Schulsachen blieben. F\u00fcr die Mieter bleibt eine zweite Rechnung offen: Wie viel Heizkosten spart die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/berliner-baeder-200-millionen-euro-fuer-sanierungen-10016472\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sanierung<\/a> wirklich? Das Bezirksamt verweist auf erhebliche Energieeinsparungen. Bachmann glaubt nicht, dass sie die h\u00f6here Miete ausgleichen. In seiner Wohnung liege die angek\u00fcndigte Mehrbelastung bei einem Vielfachen der bisherigen Heizkosten.\n            <\/p>\n<p>            Wenn die Energieersparnis zur Kostenfalle wird<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              \u201eDas wird nicht diesen Umfang an Einsparungen bringen\u201c, sagt er. Die Einsparungen st\u00fcnden \u201ein keinem Verh\u00e4ltnis\u201c zu den Mieterh\u00f6hungen. Auch das ist f\u00fcr die Mieter bitter: Selbst wenn die Heizkosten kaum sinken, macht das eine Mieterh\u00f6hung nicht automatisch unzul\u00e4ssig. Der Berliner Mieterverein schreibt, die Zul\u00e4ssigkeit werde \u201enicht durch das Verh\u00e4ltnis zu der hierdurch bewirkten Heizkostenersparnis\u201c begrenzt.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              <strong\/>Wichtig werden kann diese Rechnung trotzdem \u2013 bei den H\u00e4rtef\u00e4llen. H\u00e4ufig werde \u00fcbersehen, \u201edass dies bei der H\u00e4rtefall-Abw\u00e4gung durchaus eine Rolle spielt\u201c. F\u00fcr Haushalte, die finanziell schon am Limit sind, k\u00f6nnte genau dieses Missverh\u00e4ltnis entscheiden. Der Bezirk stellt es so dar: Er konnte kaum anders. Die Arbeiten sollen die H\u00e4user auf die Mindeststandards des Geb\u00e4udeenergiegesetzes bringen.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Ist der Antrag korrekt, muss das Amt solche energetischen Ma\u00dfnahmen in der Regel genehmigen \u2013 auch im Milieuschutzgebiet. Genau darauf beruft sich das Bezirksamt Mitte. Noch ist der Fall nicht entschieden. Die Genehmigung des Bezirks ist kein Schlussstrich. Die Mieter k\u00fcndigen an, weiter f\u00fcr ihr Recht auf bezahlbares Wohnen einzustehen.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/images\/blz\/send-mail.svg\" alt=\"Send feedback\"\/><\/p>\n<p>Lesen Sie mehr zum Thema<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Fast zehn Millionen Euro Sanierungskosten rollen auf einen H\u00e4userblock in Wedding zu \u2013 und der gr\u00f6\u00dfte Teil davon&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":998160,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":{"0":"post-998159","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116526535433274946","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/998159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=998159"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/998159\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/998160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=998159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=998159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=998159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}