{"id":998216,"date":"2026-05-06T08:22:20","date_gmt":"2026-05-06T08:22:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/998216\/"},"modified":"2026-05-06T08:22:20","modified_gmt":"2026-05-06T08:22:20","slug":"rundschau-leserbrief-zu-ex-ob-uwe-schneidewind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/998216\/","title":{"rendered":"Rundschau-Leserbrief zu Ex-OB Uwe Schneidewind"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Vielleicht hat Uwe Schneidewind w\u00e4hrend der letzten Phase seiner Amtszeit als Wuppertaler Oberb\u00fcrgermeister irgendwann leise vor sich hin den Satz gesagt \u201eIch brauche das hier nicht\u201c. Laut gesagt hat er ihn am 7. Mai 2008 w\u00e4hrend der an diesem Tag von ihm geleiteten Senatssitzung an der Uni Oldenburg. Dies kann man dem auf der Website der Uni Oldenburg stehenden, politikwissenschaftlich lesenswerten \u201ePers\u00f6nlichen R\u00fcckblick\u201c auf seine Amtszeit als Pr\u00e4sident der Universit\u00e4t entnehmen.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nach eigenem Bekunden war er damals vor allem von gro\u00dfen Teilen des Senats f\u00fcr seine Top-down-Amtsf\u00fchrung kritisiert worden. Um der angedrohten Abwahl zuvorzukommen, trat er zum 1. Oktober 2008 zur\u00fcck. Am 27. September 2008 titelte die Nordwest-Zeitung \u201eUni-Pr\u00e4sident geht in aller Stille\u201c, eine offizielle Verabschiedung gab es nicht. 2010 wurde Uwe Schneidewind Pr\u00e4sident des Wuppertal Instituts f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie, 2020 wurde er zum Wuppertaler Oberb\u00fcrgermeister gew\u00e4hlt, 2025 verzichtete er auf eine erneute Kandidatur.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Der Blick in die Vergangenheit offenbart ein Muster. Uwe Schneidewind, gelernter Betriebswirt, versteht sich als Organisationstheoretiker und Organisationsmanager. Mit diesem Mindset ist er angetreten, Unternehmen zu steuern und zu ver\u00e4ndern. Transformation ist hier der zentrale Begriff. Was in Unternehmen funktionieren kann, passt jedoch nicht unbedingt f\u00fcr andere Organisationen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Unternehmen haben Eigent\u00fcmer und Vorst\u00e4nde und k\u00f6nnen in der Regel top-down geleitet werden, weil ihre Belegschaft aus abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten besteht. Eigentlich h\u00e4tte Uwe Schneidewind die Grenzen seines Mindsets also schon als Pr\u00e4sident der Uni Oldenburg, d.h. einer Einrichtung, in der (wie an anderen Universit\u00e4ten) Unabh\u00e4ngigkeit und Selbstorganisation gro\u00dfgeschrieben werden, erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Transformation war auch am Wuppertal Institut das Leitthema, nur dass es nun darum ging, die ganze Gesellschaft grundlegend zu ver\u00e4ndern, allerdings ohne das organisationstheoretische Mindset ausreichend zu \u00fcberdenken. Das Buch \u201eDie Gro\u00dfe Transformation, Eine Einf\u00fchrung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels\u201c, verfasst von Uwe Schneidewind und ca. 60 Mitautorinnen und -autoren, sollte hierzu als popul\u00e4rwissenschaftlicher Wegweiser dienen, wurde aber, gemessen an den hohen Erwartungen und an fr\u00fcheren Publikationen des Wuppertal Instituts, ein Flop. Die Impulswirkung in die Gesellschaft, die von dem Buch hatte ausgehen sollen, blieb aus.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Amt als Wuppertaler Oberb\u00fcrgermeister stellt den dritten Anlauf dar, das organisationstheoretische Mindset au\u00dferhalb von Unternehmen anzuwenden. Auch dieser Anlauf ist gescheitert. Die dabei gemachten Erfahrungen hat Uwe Schneidewind in dem Buch \u201eDienstschluss, Herausforderung Kommunalpolitik\u201c aufgearbeitet, dessen Inhalt in Teilen schon vor der <a href=\"https:\/\/www.wuppertaler-rundschau.de\/suche\/Uwe%20Schneidewind%20Buch%20Dienstschluss\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Ver\u00f6ffentlichung durch die Wuppertaler Rundschau<\/a> bekannt geworden ist. Unter anderem berichtet Uwe Schneidewind von einer Einladung oder besser: einer Erpressung zur Korruption durch einen der Wuppertaler Fraktionsvorsitzenden zu Beginn seiner Amtszeit.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Emp\u00f6rung, mit der sich der Stadtverordnete Oliver Wagner gegen die Beschreibung der Wuppertaler Kommunalpolitik durch Uwe Schneidewind gewendet hat, ist einerseits berechtigt, andererseits schie\u00dft er mit seinen Ausf\u00fchrungen zum Funktionieren von Kommunalpolitik, die, vermutlich rollenbedingt, ziemlich euphemistisch ausfallen, \u00fcber das Ziel hinaus. Nat\u00fcrlich ist davon auszugehen, dass es auch in der Wuppertaler Kommunalpolitik Eitelkeiten, Intrigen, L\u00fcgen, nicht eingehaltene Zusagen, eine gewisse Korruption usw. gibt.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Typen wie den erw\u00e4hnten Fraktionsvorsitzenden hat der Verfasser im Verlauf seiner Berufsbiografie selbst kennengelernt. Die von Oliver Wagner zu Recht beklagte \u201ebleierne Zeit\u201c in der Wuppertaler Kommunalpolitik w\u00e4hrend der letzten f\u00fcnf Jahre sind nicht prim\u00e4r Uwe Schneidewind anzulasten, sondern den im Stadtrat vertretenen Parteien.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Positiv ausgedr\u00fcckt, hat Uwe Schneidewind in der R\u00fcckschau beruflich einen Weg der Missverst\u00e4ndnisse beschritten, weniger positiv ausgedr\u00fcckt ist er der Unternehmensberater geblieben, als der er gestartet ist, der dann aber versucht hat, die erlernten Theorien, Modelle und Methoden in ungeeigneten Kontexten anzuwenden. Dieses Ph\u00e4nomen ist als \u201eMaslows Hammer\u201c (Abraham Maslow war ein amerikanischer Psychologe) bekannt. Maslows Aussage war etwa so: Wer nur einen Hammer besitzt, neigt dazu, jedes Problem mit Nageln l\u00f6sen zu wollen.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Und das Buch? Gut geschrieben, wahrscheinlich interessant f\u00fcr die Wuppertaler Stadtgesellschaft, f\u00fcr Politikstudentinnen und -studenten und Journalistinnen und Journalisten. Die von Uwe Schneidewind gesammelten Erfahrungen m\u00f6gen f\u00fcr ihn neu sein, gro\u00dfen wissenschaftlichen Neuigkeitswert in Bezug auf die Mechanismen von Kommunalpolitik haben sie nicht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Vielleicht h\u00e4tte sich Uwe Schneidewind vor seiner Entscheidung, als Oberb\u00fcrgermeister zu kandidieren, mal zum Beispiel bei Machiavelli informieren sollen, was in der Politik so auf einen zukommen kann. Auch die eine oder andere einschl\u00e4gige Fernsehserie h\u00e4tte Anschauungsmaterial liefern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bei dieser Bilanz k\u00f6nnte man fragen, welches Verh\u00e4ltnis der Verfasser, der lange Zeit am Wuppertal Institut gearbeitet hat, zu Uwe Schneidewind gehabt hat. Das Verh\u00e4ltnis war nicht unproblematisch; vor allem hat der Verfasser Uwe Schneidewind als indifferent erlebt. Aber das \u00e4ndert nichts an dem Befund.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auf jeden Fall d\u00fcrfte Uwe Schneidewind jetzt wieder mehr Zeit f\u00fcr seine (neben der \u201eUmwelt\u201c) zweite Leidenschaft haben, das Briefmarkensammeln. Sie l\u00e4sst sich im Sessel aus\u00fcben, ist also auch der pers\u00f6nlichen \u00d6kobilanz zutr\u00e4glich, vor allem aber kann man wenig kaputtmachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vielleicht hat Uwe Schneidewind w\u00e4hrend der letzten Phase seiner Amtszeit als Wuppertaler Oberb\u00fcrgermeister irgendwann leise vor sich hin&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":998217,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1840],"tags":[3364,29,30,1209,4418],"class_list":{"0":"post-998216","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wuppertal","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-nordrhein-westfalen","12":"tag-wuppertal"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116526668230752043","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/998216","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=998216"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/998216\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/998217"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=998216"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=998216"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=998216"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}