{"id":998299,"date":"2026-05-06T09:09:15","date_gmt":"2026-05-06T09:09:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/998299\/"},"modified":"2026-05-06T09:09:15","modified_gmt":"2026-05-06T09:09:15","slug":"zustaende-wie-in-schweden-warum-es-in-berlin-immer-mehr-schiessereien-geben-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/998299\/","title":{"rendered":"Zust\u00e4nde wie in Schweden: Warum es in Berlin immer mehr Schie\u00dfereien geben wird"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Vor zehn Jahren stellte eine Journalistin aus Mexiko-Stadt in unserer Redaktion eine Frage, die uns kurz verstummen lie\u00df: Wie viele Menschen werden in Berlin pro Tag ermordet? Und wie viele Schie\u00dfereien gibt es?\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Wir waren \u00fcberrascht von der Frage, denn allein von der Einwohnerzahl her ist Berlin nicht mit der mexikanischen Hauptstadt zu vergleichen. Mit 32 Mord- und 79 Totschlagsf\u00e4llen pro Jahr ist Berlin im Vergleich zu Mexiko beschaulich.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Doch selbst damals lag die Gesamtzahl der j\u00e4hrlich in Berlin registrierten Straftaten aller Art bei \u00fcber einer halben Million. Friedlich war es in dieser Stadt nie, gerade was die Gewaltdelikte betraf.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              2016 registrierte die Polizei 325 Drohungen mit einer Schusswaffe. Nach vielen Jahren des kontinuierlichen R\u00fcckgangs z\u00e4hlte sie damals aber im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Anstieg um 20 Schussabgaben auf 272. Seitdem ging es mit den Zahlen bergauf. F\u00fcr 2025 weist die Statistik 604 F\u00e4lle aus, in denen mit einer Schusswaffe gedroht wurde, und 515, in denen geschossen wurde. Das ist ein rasanter Anstieg gegen\u00fcber dem Vorjahr (303 beziehungsweise 363 F\u00e4lle).\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Auch in diesem Jahr h\u00e4ufen sich die Meldungen. So entdeckte im April ein Autoteileh\u00e4ndler in Neuk\u00f6lln Einsch\u00fcsse in seinem Haus. Und in der Nacht zum 1. Mai wurde mehrmals auf die Schaufenster einer Fahrschule in Tempelhof geschossen. In der Nacht darauf wurden in der Hermannstra\u00dfe zwei M\u00e4nner durch Sch\u00fcsse ins Bein lebensgef\u00e4hrlich verletzt. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/schuesse-fallen-in-schoeneberg-mann-lebensgefaehrlich-verletzt-10034296\" rel=\"nofollow noopener\">In der Nacht zum Dienstag nun fielen in der Sch\u00f6neberger Yorckstra\u00dfe f\u00fcnf Sch\u00fcsse.<\/a> Ein Mann wurde lebensgef\u00e4hrlich verletzt.\n            <\/p>\n<p>            Handgranaten und AK47 aus Kriegsgebieten<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die zunehmende Verwendung von Schusswaffen gibt es einige: Ein leitender Kripo-Mann im LKA spricht von einer \u201eDurchbewaffnung\u201c der kriminellen Szene. Laut Polizei sind Schusswaffen leichter verf\u00fcgbar. Man kann sie im Darknet f\u00fcr ein paar Hundert Euro bestellen. Sie werden unter anderem in illegalen Werkst\u00e4tten, etwa in Tschechien, fabriziert. In anderen F\u00e4llen werden Schreckschuss- und Signalwaffen zu scharfen Waffen umgebaut. Auch deaktivierte Waffen (\u201eDeko-Waffen\u201c) werden wieder funktionsf\u00e4hig gemacht.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Als der Jugoslawien-Krieg in den 90er-Jahren zu Ende ging, tauchten in Deutschland nicht nur mehr Pistolen auf, sondern auch Kriegswaffen: Handgranaten, AK47 und andere Sturmgewehre. Diese Bef\u00fcrchtung haben Ermittler auch im Fall des Ukraine-Kriegs. Auch heute noch kommen illegale Waffen mitunter vom Balkan.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Nach Erkenntnissen von Zoll und Polizei geh\u00f6ren Waffenschmuggel und -handel wie Drogen- und Menschenschleusung zu den profitabelsten Gesch\u00e4ften der Organisierten Kriminalit\u00e4t. International organisierte Banden transportieren Waffen \u00fcber L\u00e4ndergrenzen, oft versteckt in Fahrzeugen, Lkw oder Containern. Die Bezahlung l\u00e4uft \u00fcber Bargeld oder Kryptow\u00e4hrung.\n            <\/p>\n<p>            Ein Schuss ins Bein als Verwarnung<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Mittlerweile haben Gro\u00df- und Kleinkriminelle scharfe Waffen. Im November wurde in Lichtenberg ein 29-j\u00e4hriger Mann bei einem Streit vor einem Imbiss erschossen. Dass es noch nicht mehr Tote gab, liegt nach Einsch\u00e4tzung von Ermittlern daran, dass die Waffeninhaber nicht richtig zielen k\u00f6nnen. Sie ballern drauflos \u2013 was wiederum das Risiko birgt, dass Unbeteiligte getroffen werden.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Die Gr\u00fcnde, das Schie\u00dfeisen zu z\u00fccken, sind vielf\u00e4ltig: verletzte Ehre unter arabischen Gro\u00dffamilien \u2013 und ein Schuss ins Bein als Verwarnung. Dann w\u00e4re da die \u00f6ffentlich wirksame lautstarke Markierung eines Reviers f\u00fcr den Drogenverkauf. Oder auch: das Erpressen von erfolgreichen Gesch\u00e4ftsleuten, wie es derzeit durch Gruppen erfolgt, die der t\u00fcrkischen Mafia zugerechnet werden. So geschah es bei einer t\u00fcrkischen Supermarktkette und mehreren Fahrschulen. Die Forderung, Geld zu bezahlen, wird mit Sch\u00fcssen in Fassaden und Fensterscheiben untermauert.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Politik und Beh\u00f6rden beschw\u00f6ren derweil den funktionierenden Rechtsstaat. Nach den Sch\u00fcssen am Dienstag erkl\u00e4rte Innensenatorin Iris Spranger (SPD): \u201eMeine Position ist klar: null Toleranz gegen\u00fcber illegalem Waffenbesitz und noch mehr gegen\u00fcber der illegalen Verwendung von Waffen.\u201c Die Verf\u00fcgbarkeit von Schusswaffen m\u00fcsse einged\u00e4mmt und die Quellen m\u00fcssten ausgetrocknet werden. Deshalb brauche man Telefon\u00fcberwachung von Personen, bei denen eine illegale Waffe gefunden wurde, um die Handelswege aufzukl\u00e4ren.\n            <\/p>\n<p>            \u201eBAO Ferrum\u201c und \u201eEG Telum\u201c<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Im Erfinden von Namen sind die Ermittlungsbeh\u00f6rden bereits spitze. Die Polizei gr\u00fcndete im vergangenen Herbst die \u201eBAO Ferrum\u201c, die die T\u00e4terstrukturen aufkl\u00e4ren soll. Die Abk\u00fcrzung steht f\u00fcr \u201eBesondere Aufbauorganisation\u201c, Ferrum ist der lateinische Name f\u00fcr Eisen. Die Staatsanwaltschaft zog im Februar nach und gr\u00fcndete die Ermittlungsgruppe \u201eTelum\u201c (lat. f\u00fcr Geschoss). Sie soll die zu erwartenden Ermittlungsverfahren aus der \u201eBAO Ferrum\u201c bearbeiten.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/organisierte-kriminalitaet-in-berlin-spd-und-cdu-sind-wohl-schon-im-wahlkampfmodus-10020891\" rel=\"nofollow noopener\">F\u00fcr Verwunderung sorgte damals Berlins Polizeipr\u00e4sidentin Barbara Slowik<\/a> mit der Aussage, dass nur ein Teil der Schussabgaben von T\u00e4tern stamme, die organisierten Strukturen angeh\u00f6rten. Laut ihren Ausf\u00fchrungen schie\u00dft der weitaus gr\u00f6\u00dfere Teil um sich, weil scharfe Schusswaffen eben weit verbreitet sind. Es gebe auch keine konkreten Hinweise auf einen Bandenkrieg. Sie kritisierte dann noch die Medien und warf ihnen vor, zu \u00fcbertreiben. Anders wird es offenbar bei der Staatsanwaltschaft gesehen, die sehr wohl von Auseinandersetzungen in der Organisierten Kriminalit\u00e4t ausgeht.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Ende April erhob die \u201eEG Telum\u201c erstmals Anklage gegen vier M\u00e4nner im Alter von 21 bis 26 Jahren, unter anderem wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung und versuchter schwerer r\u00e4uberischer Erpressung. Sie sollen im vergangenen Herbst in Neuk\u00f6lln einen Restaurantbesitzer erpresst haben. Die vier sitzen in Untersuchungshaft.\n            <\/p>\n<p>            Drohen Szenarien wie in Schweden?<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Weniger geschossen wird deshalb nicht. Einiges spricht daf\u00fcr, dass sich die Dinge entwickeln wie in Schweden, wo die Bandengewalt eskaliert ist. Regelm\u00e4\u00dfig gibt es Schie\u00dfereien und auch Sprengstoffanschl\u00e4ge. Rockerbanden und arabische Clans liefern sich dort Auseinandersetzungen um die Kontrolle \u00fcber den Drogen- und Waffenhandel. Bei Schie\u00dfereien zwischen verfeindeten Banden wurden nach offiziellen Angaben in den vergangenen drei Jahren 23 unbeteiligte Menschen get\u00f6tet und 30 weitere verletzt. Laut Polizei waren darunter Menschen, die von den Sch\u00fctzen verwechselt wurden, Angeh\u00f6rige verfeindeter Bandenmitglieder und Passanten, die von einem verirrten Projektil getroffen wurden.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              Auch in den Niederlanden eskaliert die Gewalt. Drogenbanden, die durch den teils geduldeten Cannabismarkt gro\u00df wurden, nutzen ihre Infrastruktur, um in das deutlich lukrativere und gewaltt\u00e4tigere Kokain-Gesch\u00e4ft einzusteigen. Dies f\u00fchrte zu Morden, etwa an Anw\u00e4lten und Zeugen.\n            <\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">\n              \u00c4hnliches k\u00f6nnte Deutschland bl\u00fchen. Denn die Clankriminalit\u00e4t floriert. Das Weltbild vieler junger migrantischer M\u00e4nner ist von Ehre und Gewalt gepr\u00e4gt. Ein Messer in der Tasche ist f\u00fcr viele von ihnen ein Must-have. Noch mehr Eindruck macht man mit einer Schusswaffe. P\u00e4dagogen haben dem nur wenig entgegenzusetzen. Und \u00fcber die offenen Grenzen kommen weiter illegale Waffen ungehindert nach Deutschland. F\u00fcr die Zukunft bedeutet das nichts Gutes \u2013 auch wenn Erfolgsmeldungen der \u201eBAO Ferrum\u201c und der \u201eEG Telum\u201c ganz nett klingen.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/images\/blz\/send-mail.svg\" alt=\"Send feedback\"\/><\/p>\n<p>Lesen Sie mehr zum Thema<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor zehn Jahren stellte eine Journalistin aus Mexiko-Stadt in unserer Redaktion eine Frage, die uns kurz verstummen lie\u00df:&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":998300,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":{"0":"post-998299","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116526854061568896","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/998299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=998299"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/998299\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/998300"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=998299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=998299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=998299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}