{"id":998712,"date":"2026-05-06T13:11:23","date_gmt":"2026-05-06T13:11:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/998712\/"},"modified":"2026-05-06T13:11:23","modified_gmt":"2026-05-06T13:11:23","slug":"ehepaar-aus-stuttgart-finanzamt-verschaetzt-sich-wegen-garten-bei-grundsteuer-um-fast-900-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/998712\/","title":{"rendered":"Ehepaar aus Stuttgart: Finanzamt versch\u00e4tzt sich wegen Garten bei Grundsteuer um fast 900 Euro"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn die Grundsteuerreform im S\u00fcdwesten schon mehr als ein Jahr her ist, gibt es nach wie vor kuriose F\u00e4lle. Ein Ehepaar aus dem Stuttgarter Westen hat sich gewehrt.<\/p>\n<p> Seit der Grundsteuerreform im vergangenen Jahr m\u00fcssen viele Haus- und Wohnungsbesitzer im Land deutlich mehr zahlen. Dass die Steuer auch bei ihr ansteigt, damit hatte Monika Firla gerechnet. Als der Bescheid kam, war sie aber doch einigerma\u00dfen entsetzt, wie viel mehr sie fortan f\u00fcr ihre Wohnung in der Reinsburgstra\u00dfe im Stuttgarter Westen zahlen sollte. Der Betrag war von rund 112 Euro auf 1257 Euro gestiegen. Also um mehr als das Elffache.<\/p>\n<p>\u201eIch bin in Steuersachen immer ein bisschen faul\u201c, gibt die Stuttgarterin zu. Deshalb hatten sie und ihr Mann auch selbst keine Angaben zur <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Grundsteuer\" title=\"Grundsteuer\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Grundsteuer<\/a> gemacht, die Werte wurden vom <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Finanzamt\" title=\"Finanzamt\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Finanzamt<\/a> gesch\u00e4tzt \u2013 und dort lag man offenbar ziemlich daneben.<\/p>\n<p>Selbes Haus, \u00e4hnliche Wohnung \u2013 hunderte Euro mehr  <\/p>\n<p>Denn der Nachbar, der eine identisch geschnittene Wohnung besitzt, zahlt fast 900 Euro weniger. Wie kann das sein? Monika Firla hegte schnell den Verdacht, dass \u2013 anders als bei den restlichen Eigent\u00fcmern im Haus \u2013 das gro\u00dfe Gartenst\u00fcck, das nur von einer Partei genutzt wird, aber nicht von Firla und ihrem Ehemann, zur Berechnung mit herangezogen worden sein muss. Denn im Grund ergibt sich die Grundsteuer in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Baden-W%C3%BCrttemberg\" title=\"Baden-W\u00fcrttemberg\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Baden-W\u00fcrttemberg<\/a> nur aus zwei Werten: der Grundst\u00fccksgr\u00f6\u00dfe, die mit dem sogenannten Bodenrichtwert multipliziert wird. Dieser wird nicht f\u00fcr jedes Haus einzeln festgelegt, sondern nach Zonen.<\/p>\n<p>Ob und welche Geb\u00e4ude auf dem Grundst\u00fcck stehen und wie hoch die etwaigen Miet- oder Pachteinnahmen sind, spielt bei der Berechnung des Grundst\u00fcckswerts keine Rolle. Lediglich die sogenannte Steuermesszahl ist niedriger, wenn Wohngeb\u00e4ude auf einem Grundst\u00fcck stehen. In der Folge m\u00fcssen insbesondere die Eigent\u00fcmer von Ein- und Zweifamilienh\u00e4usern mit gro\u00dfen G\u00e4rten vergleichsweise viel zahlen. Der Bundesfinanzhof, das h\u00f6chste deutsche Finanzgericht, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.verkuendung-des-bundesfinanzhofs-grundsteuer-klage-in-baden-wuerttemberg-entscheidung-mitte-mai-erwartet.205aad09-7478-4c33-8072-846bb6ab0e61.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">will Mitte Mai \u00fcber eine Klage von zwei Eigent\u00fcmern aus dem S\u00fcdwesten entscheiden<\/a>.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst legte Monika Firla bei der Stadt Protest ein, dort erkl\u00e4rte man sich nicht zust\u00e4ndig. Aus dem Rathaus hei\u00dft es auf Nachfrage, der Fehler m\u00fcsse \u201ebei der Feststellung des Grundsteuerwerts und des Grundsteuermessbetrags durch das Finanzamt entstanden sein\u201c. Bis Firla endlich jemand beim Finanzamt erreichte, dauerte es. \u201eDas war kompliziert, einfach anrufen kann man da nicht\u201c, sagt sie. Das Finanzamt gibt keine Ausk\u00fcnfte zu konkreten F\u00e4llen. Allgemein hei\u00dft es nur: Beispielsweise k\u00f6nne der sogenannte Wohnabschlag, der Wohneigentum beispielsweise im Vergleich zu gewerblichen Immobilien beg\u00fcnstigt, nicht gew\u00e4hrt worden sein, wenn keine Erkl\u00e4rung der Eigent\u00fcmer erfolgt sei. \u201eUnterschiedliche Miteigentumsanteile k\u00f6nnen sich ebenfalls auf die H\u00f6he der Grundsteuer auswirken.\u201c Im Fall von Monika Firla spielte das alles aber h\u00f6chstens eine untergeordnete Rolle.<\/p>\n<p>\u201eIndividuelle Gegebenheiten werden nicht ber\u00fccksichtigt\u201c  <\/p>\n<p>Bei <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Haus_und_Grund\" title=\"Haus und Grund\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Haus und Grund<\/a> W\u00fcrttemberg kennen sie das Problem. Ein Grund f\u00fcr Fehler bei der Berechnung sei, \u201edass die individuellen Gegebenheiten vor Ort nicht ber\u00fccksichtigt werden\u201c, sagt Vorstand Sebastian Nothacker. \u201eSo kommt es h\u00e4ufig vor, dass insbesondere bei gr\u00f6\u00dferen Grundst\u00fccken Teile des Grundst\u00fccks \u00fcberhaupt nicht bebaut werden d\u00fcrfen oder k\u00f6nnen, aber dennoch der Bodenrichtwert f\u00fcr Bauland f\u00fcr das komplette Grundst\u00fcck angesetzt wird.\u201c<\/p>\n<p>Das Gartengrundst\u00fcck dient als Frischluftschneise in den Kessel und wird nur von einer Partei im Haus genutzt, allerdings nicht vom Ehepaar, das so viel Grundsteuer entrichten muss. In der Vergangenheit hatte es offenbar schon Versuche gegeben, den <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Garten\" title=\"Garten\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Garten<\/a> in Bauland umzuwidmen. Das gelang nicht. Firla vermutet, dass in ihrem Fall irrt\u00fcmlicherweise noch von der \u201eBaulandthese\u201c ausgegangen worden sei.<\/p>\n<p>Offenbar gibt es nach wie vor <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.grundsteuer-killesberg-4333-prozent-mehr.99b446da-2a3f-47af-aaa3-5d4fc6f0014c.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">etliche F\u00e4lle in der Landeshauptstadt<\/a>, die dem aus der Reinsburgstra\u00dfe \u00e4hneln. Der Rechtsanwalt und ehemalige Gr\u00fcnen-Stadtrat Roland Kugler wei\u00df von mindestens einem \u00e4hnlichen Fall. Dabei sei der Steuerbescheid zur\u00fcckgenommen worden, weil es sich um ein unbebautes Gartengrundst\u00fcck gehandelt habe. Er habe f\u00fcr sein eigenes Grundst\u00fcck ebenfalls Einspruch eingelegt, warte aber noch auf Antwort. Haus und Grund W\u00fcrttemberg nennt zwar keine konkreten Zahlen, wie viele vergleichbare F\u00e4lle aus <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> derzeit vom Verein bearbeitet werden. Allerdings liege es auf der Hand, dass \u201eaufgrund der starren Grenzen der Bodenrichtwertzonen \u00e4hnliche Abweichungen sehr oft vorkommen\u201c, hei\u00dft es. Auch Monika Firla vermutet: \u201eEs gibt bestimmt viele mit einer Wiese hinter dem Haus, denen es so geht wie uns.\u201c<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/media.media.ee2e663a-0994-4285-a8f8-cf63d742960e.original1024.media.jpeg\"\/>     Die neue Grundsteuer gilt seit Anfang 2025.    Foto: IMAGO\/Arnulf Hettrich    <\/p>\n<p> Dass die Berechnung in ihrem Fall grob falsch \u2013 und ungerecht \u2013 war, hat inzwischen auch das Finanzamt eingesehen. Der Fehler war, mit dem Nachbarn als Referenz, zu offensichtlich. Monika Firla und ihr Mann bekommen einen neuen Steuerbescheid, sie zahlen nun genauso viel wie ihr Nachbar. Und: sie bekommen sogar den Betrag erstattet, den sie bislang zu viel gezahlt hatten. <\/p>\n<p>So einfach ist das aber in vielen F\u00e4llen offenbar nicht. Denn eigentlich ist ein <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.grundsteuer-in-stuttgart-gutachten-kann-zu-deutlich-niedrigeren-kosten-verhelfen.5eaf0c9e-b9b4-43af-8760-1f2058230244.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Gutachten zur Neubewertung<\/a> n\u00f6tig. Dabei gibt es einen weiteren, nicht ganz unerheblichen Fallstrick: Anders eingestuft wird nur, wer eine mindestens 30 Prozent niedrigere Steuerschuld nachweisen kann. Haus und Grund-Vorstand Nothacker bezeichnet das als \u201eschreiende Ungerechtigkeit\u201c. Zumal Eigent\u00fcmer dann auch noch auf den Kosten f\u00fcr das Gutachten sitzen blieben. F\u00fcr ihn sei \u201e\u00fcberhaupt nicht nachvollziehbar, warum der geringere Wert nicht ohne Wenn und Aber angesetzt werden kann, wenn er doch durch ein Gutachten nachgewiesen ist\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auch wenn die Grundsteuerreform im S\u00fcdwesten schon mehr als ein Jahr her ist, gibt es nach wie vor&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":998713,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[20244,50037,1634,3364,29,598,30,4868,27324,147692,112222,1441,16414],"class_list":{"0":"post-998712","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-finanzamt","9":"tag-aerger","10":"tag-baden-wuerttemberg","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-garten","14":"tag-germany","15":"tag-grundsteuer","16":"tag-grundsteuerreform","17":"tag-haus-und-grund","18":"tag-reinsburgstrasse","19":"tag-stuttgart","20":"tag-suedwesten"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116527805671660756","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/998712","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=998712"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/998712\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/998713"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=998712"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=998712"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=998712"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}