{"id":998810,"date":"2026-05-06T14:04:16","date_gmt":"2026-05-06T14:04:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/998810\/"},"modified":"2026-05-06T14:04:16","modified_gmt":"2026-05-06T14:04:16","slug":"regionalwahlen-in-wales-bescheren-labour-womoeglich-historische-niederlage-der-freitag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/998810\/","title":{"rendered":"Regionalwahlen in Wales bescheren Labour wom\u00f6glich historische Niederlage \u2014 der Freitag"},"content":{"rendered":"<p class=\"bc-article-intro__text u-hyphens\">Die Verluste der traditionellen Parteien sind die Gewinne der rechtsnationalen Reform UK von Nigel Farage. Dies wiederum st\u00e4rkt die autonomistischen Kr\u00e4fte in Wales wie Schottland und hat Konsequenzen f\u00fcr das Vereinigte K\u00f6nigreich<\/p>\n<p>        F\u00fcr die Reform UK kann das Wahlrecht zum Machtfaktor werden<\/p>\n<p>Foto: Matthew Horwood\/Getty Images<\/p>\n<p>Der walisische Politikwissenschaftler Richard Wyn Jones von der Universit\u00e4t Cardiff hielt Labour in Wales einst f\u00fcr eine \u00fcberaus erfolgreiche Wahlkampfmaschine \u2013 nicht zu Unrecht. Seit \u00fcber hundert Jahren ging die Partei aus allen britischen Unterhauswahlen und Voten zum walisischen Parlament als st\u00e4rkste Kraft hervor. Dieser beispiellosen Serie folgt nun am 7. Mai bei der Wahl zum Senedd ein politisches Erdbeben. Umfragen sahen <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/michael-kraetke\/labour-laufen-die-waehler-davon-und-verteilen-sich-nach-rechts-wie-links\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Labour<\/a> zuletzt nur noch bei gut 15 Prozent.<\/p>\n<p>Von Skandalen heimgesucht<\/p>\n<p>Die Ursachen f\u00fcr diesen Absturz sind vielf\u00e4ltig. Trotz Deindustrialisierung und Bedeutungsverlust der Arbeiterbewegung seit den 1980er Jahren blieb die Partei zun\u00e4chst die dominante politische Kraft \u2013 auch weil es ihr lange besser als allen anderen gelang, soziale und kulturelle Konfliktlinien in der walisischen Nation zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Sie wurde als Anwalt sozialer Gerechtigkeit und walisischer Interessen wahrgenommen. Stimmen gewann sie in ehemaligen Bergarbeiterregionen des S\u00fcdens ebenso wie im l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Norden und Westen. Seit dem R\u00fcckzug des popul\u00e4ren Regierungschefs Mark Drakeford vor zwei Jahren wurde Labour in Wales von internem Streit und etlichen Skandalen heimgesucht.<\/p>\n<p>Die Regionalpartei musste \u2013 parallel zu den dramatisch eingebrochenen Zustimmungswerten f\u00fcr das Labour-Kabinett von <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/michael-kraetke\/labour-in-der-krise-keir-starmer-kaempft-um-sein-politisches-ueberleben\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Premier Keir Starmer <\/a>in London \u2013 den Verlust ihrer traditionellen sozio\u00f6konomischen Basis hinnehmen.<\/p>\n<p>Dieser Einbruch beg\u00fcnstigt freilich nicht die in Wales schwach verankerten Konservativen (sie liegen bei zehn Prozent), sondern die <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/the-guardian\/reform-uk-wie-sich-britische-firmen-der-nigel-farage-partei-an-den-hals-werfen\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">rechtspopulistische Reform UK <\/a>und die walisischen Nationalisten von Plaid Cymru. Anders als die Schottische Nationalpartei SNP konnte Plaid lange nicht vom Regionalparlament profitieren. Die W\u00e4hlerschaft blieb weitgehend auf walisischsprachige Regionen beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich hat sich die Partei modernisiert: Neben ihren klassischen Themen wie Dezentralisierung, \u00d6kologie und Autonomie vertritt sie nun eine <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/michael-kraetke\/grossbritannien-die-labour-regierung-scheitert-an-ihren-versprechen\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">klar sozialdemokratische Agenda<\/a>, verbunden mit progressiven Positionen in der Gesellschafts- und Migrationspolitik. Die Forderung nach Unabh\u00e4ngigkeit hat Parteichef Rhun ap Iorwerth bewusst zur\u00fcckgestellt und gewinnt mit seiner Partei nun auch im bev\u00f6lkerungsreichen S\u00fcden um Cardiff an R\u00fcckhalt, wo viele Menschen eine duale walisisch-britische Identit\u00e4t pflegen.<\/p>\n<p>Der innere Kitt kommt abhanden<\/p>\n<p>Die Reform UK von Nigel Farage hat in Wales (wie auch in Teilen Englands) das Erbe der zerfallenden Konservativen angetreten. Die Partei mobilisiert Nichtw\u00e4hler und Protestw\u00e4hler, die Gro\u00dfbritannien im Niedergang sehen und sich von den etablierten Parteien abgewandt haben. Ideologisch steht sie f\u00fcr einen aggressiven, rassistischen britischen Nationalismus, der sich gegen Migration richtet und zugleich wenig mit walisischer Identit\u00e4t wie Autonomie anfangen kann.<\/p>\n<p>Eine absolute Mehrheit ist im Senedd indes f\u00fcr keine der beiden Parteien in Sicht. Plaid ist auf eine Koalition mit Labour oder zumindest auf deren Tolerierung angewiesen. F\u00fcr die Reform UK hingegen bleibt die Regierungsperspektive ein frommer Wunsch \u2013 bislang steht sie noch, die politische \u201eBrandmauer\u201c in Wales gegen ultrarechts.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall f\u00fcgen sich die aktuellen Entwicklungen in das Gesamtbild der zeitgleich andernorts im Vereinigten K\u00f6nigreich stattfindenden Regional- und Kommunalwahlen. In Schottland d\u00fcrfte die SNP st\u00e4rkste Kraft bleiben, wom\u00f6glich sogar mit eigener Mehrheit. In England wiederum werden der Reform UK bei Kommunal- und B\u00fcrgermeisterwahlen deutliche Zugewinne prognostiziert.<\/p>\n<p>Der Niedergang von Labour und Konservativen geht einher mit dem Aufstieg einer rechtsextremen Kraft, die mittlerweile so stark geworden ist, dass sie bei Wahlen zum Westminster-Parlament demn\u00e4chst vom Mehrheitswahlrecht profitieren k\u00f6nnte, statt davon behindert zu werden. In den nicht-englischen Landesteilen werden dagegen in Zukunft \u00fcberall autonomistische Parteien die Regierung f\u00fchren, deren Abl\u00f6sungsbestrebungen von der Aussicht auf eine britische Reform-UK-Regierung befeuert werden d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Die politischen Schockwellen dieses Trends ersch\u00fcttern die traditionellen Parteien. Mit den \u00fcblichen Personalrochaden \u2013 etwa dem m\u00f6glichen R\u00fccktritt von Premierminister Starmer \u2013 werden die strukturellen Ursachen der Krise nicht behoben sein. Im Vereinigten K\u00f6nigreich steht gegenw\u00e4rtig mehr auf dem Spiel als nur die Zukunft seiner Regierung: Es geht um die Frage, ob und wie sich die britische Demokratie an ver\u00e4nderte Rahmenbedingungen anpassen kann \u2013 und ob dieser notwendige Prozess mit dem Fortbestand der staatlichen Einheit des mittlerweile nicht mehr ganz so \u201eVereinigten\u201c K\u00f6nigreichs vereinbar ist.<\/p>\n<p><strong>Klaus Stolz<\/strong> ist Professor f\u00fcr britische und amerikanische Kultur an der TU Chemnitz<\/p>\n<p>\n    wegung seit den 1980er Jahren blieb die Partei zun\u00e4chst die dominante politische Kraft \u2013 auch weil es ihr lange besser als allen anderen gelang, soziale und kulturelle Konfliktlinien in der walisischen Nation zu \u00fcberbr\u00fccken.Sie wurde als Anwalt sozialer Gerechtigkeit und walisischer Interessen wahrgenommen. Stimmen gewann sie in ehemaligen Bergarbeiterregionen des S\u00fcdens ebenso wie im l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Norden und Westen. Seit dem R\u00fcckzug des popul\u00e4ren Regierungschefs Mark Drakeford vor zwei Jahren wurde Labour in Wales von internem Streit und etlichen Skandalen heimgesucht.Die Regionalpartei musste \u2013 parallel zu den dramatisch eingebrochenen Zustimmungswerten f\u00fcr das Labour-Kabinett von Premier Keir Starmer in London \u2013 den Verlust ihrer traditionellen sozio\u00f6konomischen Basis hinnehmen.Dieser Einbruch beg\u00fcnstigt freilich nicht die in Wales schwach verankerten Konservativen (sie liegen bei zehn Prozent), sondern die rechtspopulistische Reform UK und die walisischen Nationalisten von Plaid Cymru. Anders als die Schottische Nationalpartei SNP konnte Plaid lange nicht vom Regionalparlament profitieren. Die W\u00e4hlerschaft blieb weitgehend auf walisischsprachige Regionen beschr\u00e4nkt.Zwischenzeitlich hat sich die Partei modernisiert: Neben ihren klassischen Themen wie Dezentralisierung, \u00d6kologie und Autonomie vertritt sie nun eine klar sozialdemokratische Agenda, verbunden mit progressiven Positionen in der Gesellschafts- und Migrationspolitik. Die Forderung nach Unabh\u00e4ngigkeit hat Parteichef Rhun ap Iorwerth bewusst zur\u00fcckgestellt und gewinnt mit seiner Partei nun auch im bev\u00f6lkerungsreichen S\u00fcden um Cardiff an R\u00fcckhalt, wo viele Menschen eine duale walisisch-britische Identit\u00e4t pflegen.Der innere Kitt kommt abhandenDie Reform UK von Nigel Farage hat in Wales (wie auch in Teilen Englands) das Erbe der zerfallenden Konservativen angetreten. Die Partei mobilisiert Nichtw\u00e4hler und Protestw\u00e4hler, die Gro\u00dfbritannien im Niedergang sehen und sich von den etablierten Parteien abgewandt haben. Ideologisch steht sie f\u00fcr einen aggressiven, rassistischen britischen Nationalismus, der sich gegen Migration richtet und zugleich wenig mit walisischer Identit\u00e4t wie Autonomie anfangen kann.Eine absolute Mehrheit ist im Senedd indes f\u00fcr keine der beiden Parteien in Sicht. Plaid ist auf eine Koalition mit Labour oder zumindest auf deren Tolerierung angewiesen. F\u00fcr die Reform UK hingegen bleibt die Regierungsperspektive ein frommer Wunsch \u2013 bislang steht sie noch, die politische \u201eBrandmauer\u201c in Wales gegen ultrarechts.Auf jeden Fall f\u00fcgen sich die aktuellen Entwicklungen in das Gesamtbild der zeitgleich andernorts im Vereinigten K\u00f6nigreich stattfindenden Regional- und Kommunalwahlen. In Schottland d\u00fcrfte die SNP st\u00e4rkste Kraft bleiben, wom\u00f6glich sogar mit eigener Mehrheit. In England wiederum werden der Reform UK bei Kommunal- und B\u00fcrgermeisterwahlen deutliche Zugewinne prognostiziert.Der Niedergang von Labour und Konservativen geht einher mit dem Aufstieg einer rechtsextremen Kraft, die mittlerweile so stark geworden ist, dass sie bei Wahlen zum Westminster-Parlament demn\u00e4chst vom Mehrheitswahlrecht profitieren k\u00f6nnte, statt davon behindert zu werden. In den nicht-englischen Landesteilen werden dagegen in Zukunft \u00fcberall autonomistische Parteien die Regierung f\u00fchren, deren Abl\u00f6sungsbestrebungen von der Aussicht auf eine britische Reform-UK-Regierung befeuert werden d\u00fcrften.Die politischen Schockwellen dieses Trends ersch\u00fcttern die traditionellen Parteien. Mit den \u00fcblichen Personalrochaden \u2013 etwa dem m\u00f6glichen R\u00fccktritt von Premierminister Starmer \u2013 werden die strukturellen Ursachen der Krise nicht behoben sein. Im Vereinigten K\u00f6nigreich steht gegenw\u00e4rtig mehr auf dem Spiel als nur die Zukunft seiner Regierung: Es geht um die Frage, ob und wie sich die britische Demokratie an ver\u00e4nderte Rahmenbedingungen anpassen kann \u2013 und ob dieser notwendige Prozess mit dem Fortbestand der staatlichen Einheit des mittlerweile nicht mehr ganz so \u201eVereinigten\u201c K\u00f6nigreichs vereinbar ist.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Verluste der traditionellen Parteien sind die Gewinne der rechtsnationalen Reform UK von Nigel Farage. 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