{"id":999182,"date":"2026-05-06T17:40:23","date_gmt":"2026-05-06T17:40:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/999182\/"},"modified":"2026-05-06T17:40:23","modified_gmt":"2026-05-06T17:40:23","slug":"waldsiedlung-zehlendorf-in-100-jahren-vom-flachbau-fiasko-zum-unesco-welterbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/999182\/","title":{"rendered":"Waldsiedlung Zehlendorf: In 100 Jahren vom Flachbau-Fiasko zum Unesco-Welterbe"},"content":{"rendered":"<p data-tts-first-paragraph=\"\" class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Es war das ganz gro\u00dfe Grauen: von Flachbau-Kasernen im Grunewald, schrecklichen H\u00e4usern, die eine betr\u00e4chtliche Fl\u00e4che des Waldes zermalmt haben, unsch\u00f6nen K\u00e4sten in \u00f6der Eint\u00f6nigkeit, deren \u201eAnblick wie ein Traumschrecken das Gem\u00fct belastet\u201c, schrieb 1927 ein Journalist in einer Berliner Tageszeitung, der ganz offensichtlich vor Wut sch\u00e4umte. Nicht etwa in einem Kommentar, sondern in einem Artikel \u00fcber die \u201eGro\u00df-Siedlung Zehlendorf\u201c, so die \u00dcberschrift, machte er seinem geballten Entsetzen \u00fcber das \u201eFiasko\u201c Luft. Was w\u00fcrde der Autor wohl dazu sagen, <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/article408354250\/besuch-aus-paris-in-der-waldsiedlung-das-ist-der-grund.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/\" data-paid-status=\"premium\" data-article-publish-date=\"1740047431\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dass genau diese Siedlung f\u00fcr das Unesco-Welterbe nominiert ist <\/a><a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/article408354250\/besuch-aus-paris-in-der-waldsiedlung-das-ist-der-grund.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/\" data-paid-status=\"premium\" data-article-publish-date=\"1740047431\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u2013<\/a><a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/article408354250\/besuch-aus-paris-in-der-waldsiedlung-das-ist-der-grund.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/\" data-paid-status=\"premium\" data-article-publish-date=\"1740047431\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> das Urteil f\u00e4llt am 15.\u00a0Juli 2026\u00a0\u2013<\/a> und in diesem Jahr das 100. Bestehen feiert.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/411922454_1778082998_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"Das ehemalige Gesch\u00e4ft \u201eFrisierkunst\u201c ist heute ein Kieztreffpunkt.\" title=\"Das ehemalige Gesch\u00e4ft \u201eFrisierkunst\u201c ist heute ein Kieztreffpunkt.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Das ehemalige Gesch\u00e4ft \u201eFrisierkunst\u201c ist heute ein Kieztreffpunkt.<br \/>\n      \u00a9 Miriam Schaptke | Miriam Schaptke \/ BM\n    <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Die Waldsiedlung Zehlendorf zwischen den U-Bahnh\u00f6fen Krumme Lanke, Onkel-Toms-H\u00fctte und Oskar-Helene-Heim wird auch Onkel-Tom-Siedlung oder wegen der farbigen Anstriche Papageiensiedlung genannt. Sie traf zur Zeit ihrer Entstehung ab 1926 so gar nicht auf den Geschmack des Zehlendorfer B\u00fcrgertums, das in schicken Villen mit ordentlichen Satteld\u00e4chern residierte. Drei Architekten hatten etwas anderes vor: Bruno Taut, Hugo H\u00e4ring und Otto Rudolf Salvisberg wollten viele kleine, helle, praktische Wohnungen schaffen, die sich jeder leisten konnte und die im Gegensatz zu den Mietskasernen auch \u00fcber einen Garten, Balkon und Bad verf\u00fcgten. 100.000 Wohnungen fehlten um 1930 in Berlin\u00a0\u2013 heute sind es wieder genauso viele.<\/p>\n<blockquote class=\"mx-auto my-10 flex flex-col items-center gap-y-4 text-center md:w-[80%]\">\n<p class=\"rich-text expressive-copy-xl text-copy-primary\">Wir haben eine extrem aktive Nachbarschaft, selbstbewusst und eigensinnig.<\/p>\n<p>       Ute Scheub, Vorstand des Vereins Papageiensiedlung\n    <\/p><\/blockquote>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\"><a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/article407612004\/welterbe-das-ist-der-zeitplan-fuer-die-waldsiedlung-zehlendorf.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/bezirke\/steglitz-zehlendorf\/\" data-paid-status=\"premium\" data-article-publish-date=\"1730806200\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die sozial engagierten Architekten setzten sich gegen den Widerstand der \u00c4mter durch. 1100 Wohnungen und 800 Reihenh\u00e4user entstanden unter dem Leitbild \u201eLicht, Luft und Sonne\u201c. <\/a>Von der \u201esch\u00f6nsten Siedlung Berlins\u201c schw\u00e4rmte schon kurz nach der Fertigstellung der ersten H\u00e4user der Vorsitzende des Siedlungsvereins. Die Bewohner der Siedlung sind bis heute engagiert und organisiert. \u201eWir haben eine extrem aktive Nachbarschaft, selbstbewusst und eigensinnig\u201c, sagt Ute Scheub vom Vorstand des Vereins Papageiensiedlung bei der Pr\u00e4sentation des Jubil\u00e4umsprogramms. Aber das sei von Taut so gewollt gewesen. Er habe die G\u00e4rten als Begegnungsorte und die H\u00e4user als R\u00fcckzugsorte geschaffen. Schon in den 1930er-Jahren habe es Siedlungsfeste gegeben.<\/p>\n<p>Mit dem Todestag von Taut am Heiligabend endet das Programm<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Das Programm beginnt jetzt im Mai, weil der Hauptarchitekt Bruno Taut am 4. Mai 1880 geboren wurde, und es endet am 24. Dezember, weil das 1938 Tauts Todestag war. Das Festjahr steht unter dem Motto: \u201eDie Siedlung hat\u2018s in sich\u201c. Es startet am Sonnabend, 9. Mai, um 17\u00a0Uhr in der Emmaus-Kirche mit einem Theaterst\u00fcck, in dem sich H\u00e4user streiten, aber auch Nachbarinnen. Bruno Taut kehrt auf die B\u00fchne zur\u00fcck und es wird ein Bogen vom D\u00e4cherkrieg \u00fcber die Nazi- und Nachkriegszeit bis in die ferne Zukunft im Jahr 2126 gespannt. Schon am Sonntag, 10. Mai, er\u00f6ffnet das Heimatmuseum Zehlendorf die Ausstellung \u201eVon der Villa zum Peitschenknall\u201c.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/410411579_1762949222_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"Au\u00dfenfassade Waldsiedlung Zehlendorf\" title=\"Fassade in der Waldsiedlung: Nur wei\u00dfe Farbe geht nicht, ein bisschen Gelb und Blau muss auch noch sein.\u00a0\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Fassade in der Waldsiedlung: Nur wei\u00dfe Farbe geht nicht, ein bisschen Gelb und Blau muss auch noch sein.\u00a0<br \/>\n      \u00a9 Hans Cord Hartmann | Hans Cord Hartmann\n    <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Damit ist der l\u00e4ngste Bau der Siedlung, eine durchgehende 500-Meter-Front an der Argentinischen Allee zwischen Riemeister- und Waltraudstra\u00dfe gemeint \u2013 mit Flachdach, versteht sich. <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/kultur\/article237752743\/Als-Architekt-Bruno-Taut-mit-einem-Peitschenknall-Rache-uebte.html\" data-category-full-path=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/kultur\/\" data-paid-status=\"free\" data-article-publish-date=\"1677387600\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die einen sagen, es sieht aus, als ob einer mit der Peitsche durch die Stra\u00dfe geschlagen h\u00e4tte, <\/a>die rechts und links von der H\u00e4userfront ges\u00e4umt wird. Andere sehen in dem Namen eine klassenk\u00e4mpferische Bedeutung, n\u00e4mlich den \u201ePeitschenknall ins Gesicht der Bourgeoisie\u201c. <\/p>\n<p>  F\u00fchrungen durch die Siedlung, Lekt\u00fcreabende mit Texten von Taut<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Durch das Jubil\u00e4umsjahr ziehen sich verschiedene Veranstaltungen, die mit der Evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde, dem Heimatverein Zehlendorf und dem Kieztreff \u201eFrisierkunst\u201c organisiert worden sind. Es gibt F\u00fchrungen durch die Siedlung, Lekt\u00fcreabende mit Texten von Bruno Taut, Erz\u00e4hlsalons und eine gemeinsame Pflanzaktion von Jungkiefern in der Siedlung. Denn die alten B\u00e4ume kommen langsam in die Jahre. Musik aus den vergangenen 100 Jahren wird beim \u201eTanz aus dem Mai\u201c gespielt, der am 30.\u00a0Mai ab 18 Uhr im Emmaus-Gemeindesaal veranstaltet wird.<\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Der 2010 gegr\u00fcndete Nachbarschaftsverein Papageiensiedlung hat anl\u00e4sslich des 100. Bestehens ein Buch zur Geschichte der Siedlung unter dem Titel \u201eWald Licht Luft Sonne\u201c herausgegeben, in dem viele Zeitzeugen von ihrem Leben in der Siedlung berichten. Aber es geht nicht nur um die Vergangenheit. Ute Scheub widmet sich in einem Kapitel auch den n\u00e4chsten 100 Jahren der Siedlung. Heute steht die Frage, wie das Viertel zukunftsf\u00e4hig gestaltet werden kann, im Mittelpunkt. <\/p>\n<p class=\"rich-text expressive-copy-lg-body my-6\">Zukunftswerkst\u00e4tten und Arbeitsgruppen sind unter anderem zu den Themen Energie, Mobilit\u00e4t und Gr\u00fcn entstanden. 2024 wurde die \u201eQuartiersgenossenschaft klimafreundliches Quartier (kliQ)\u201c gegr\u00fcndet mit ihren beiden Projekten \u201eFossilfreies kaltes Nahw\u00e4rmenetz\u201c und dem \u201eKieztreff\u201c im Frisiersalon. Das Ziel ist es, das Quartier sozial und \u00f6kologisch klimafreundlich zu gestalten. Dazu geh\u00f6rt eine gemeinschaftlich organisierte W\u00e4rmeversorgung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es war das ganz gro\u00dfe Grauen: von Flachbau-Kasernen im Grunewald, schrecklichen H\u00e4usern, die eine betr\u00e4chtliche Fl\u00e4che des Waldes&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":999183,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":{"0":"post-999182","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116528862352713393","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/999182","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=999182"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/999182\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/999183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=999182"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=999182"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=999182"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}