{"id":999797,"date":"2026-05-06T23:30:15","date_gmt":"2026-05-06T23:30:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/999797\/"},"modified":"2026-05-06T23:30:15","modified_gmt":"2026-05-06T23:30:15","slug":"streit-ueber-sudeten-treffen-in-tschechien-versoehnung-in-gefahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/999797\/","title":{"rendered":"Streit \u00fcber Sudeten-Treffen in Tschechien: Vers\u00f6hnung in Gefahr?"},"content":{"rendered":"<p>Tschechiens Parlamentspr\u00e4sident Tomio Okamura l\u00e4sst mit seinen Attacken nicht locker: Die Sudetendeutsche Landsmannschaft sei von \u00fcberzeugten Nazis gegr\u00fcndet worden, &#8222;die sich direkt an der Ermordung von tschechischen Patrioten im Zweiten Weltkrieg beteiligt hatten&#8220;, schreibt er in sozialen Netzwerken. Die Regierungskoalition werde weiter gegen einen Sudetendeutschen Tag auf tschechischem Boden k\u00e4mpfen. Sp\u00e4ter bezeichnet er das Treffen in Br\u00fcnn, auf dem Ende Mai Bayerns <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/sudetendeutsche-ehren-soeder-leidenschaftlicher-europaeer,UhxZXKT\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der (CSU) als Schirmherr<\/a> der Sudetendeutschen sprechen soll, als &#8222;sch\u00e4ndliche Aktion&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Keine gl\u00fcckliche Angelegenheit&#8220;<\/p>\n<p>Okamura ist Chef der tschechischen rechtsnationalen SPD und hat in der Dreierkoalition eine Resolution gegen den Sudetendeutschen Tag in Br\u00fcnn durchgesetzt, der das Parlament zustimmen soll. Darin wird beklagt, dass in sudetendeutschen Kreisen die Nachkriegsordnung in Frage gestellt und die historische Verantwortung relativiert werde. Die Veranstalter werden aufgefordert, von dem Pfingsttreffen in Tschechien abzusehen. <\/p>\n<p>Premier Andrej <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/babis-bei-soeder-zukunft-europas-koennen-nicht-panzer-sein,VAiiu6W\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Babi\u0161 (ANO) hatte noch im Februar<\/a> in M\u00fcnchen gesagt: Die Regierung befasse sich nicht mit der Veranstaltung, es handle sich um eine B\u00fcrgerinitiative. Am Mittwoch nun betonte er laut tschechischen Medien bei einem Termin, es handle sich um &#8222;keine gl\u00fcckliche Angelegenheit&#8220;. <\/p>\n<p>Beziehungen lange belastet<\/p>\n<p>Vom 22. bis 25. Mai wollen die Sudetendeutschen zu ihrem 76. Pfingsttreffen in Br\u00fcnn zusammenkommen \u2013 auf Einladung des Dialogfestivals Meeting Brno. Der Sudetendeutsche Tag in Tschechien soll eine Premiere werden, die noch vor einigen Jahren schwer vorstellbar war. <\/p>\n<p>Die Beziehungen Bayerns zu Tschechien waren lange belastet, insbesondere wegen des Streits \u00fcber die Bene\u0161-Dekrete, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Grundlage f\u00fcr die Vertreibung und Enteignung von Deutschen aus dem Sudetenland waren. Erst 2010 reiste mit Horst Seehofer (CSU) erstmals ein bayerischer Ministerpr\u00e4sident offiziell nach Prag. Seither normalisierten sich die Beziehungen mehr und mehr, die Ressentiments gegen die Sudetendeutschen in Tschechien nahmen stark ab.  <\/p>\n<p>Stundenlange Debatte im Parlament<\/p>\n<p>Okamura sorgte am Dienstag daf\u00fcr, dass die &#8222;Stellungnahme der Regierungskoalition zur Versammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Br\u00fcnn&#8220; kurzfristig ins Parlament kam. Die Abgeordneten diskutierten viele Stunden, gegen 1.15 Uhr nachts wurde die Sitzung unterbrochen. Regierungschef Babi\u0161 nahm nicht teil. Vertreter der Regierungsfraktionen begr\u00fcndeten ihren Vorsto\u00df damit, dass den deutsch-tschechischen Beziehungen am meisten die Tatsache schade, dass die Sudetendeutschen ihr Treffen gerade in Tschechien planen. <\/p>\n<p>Der Vorsitzende der oppositionellen ODS-Fraktion, Marek Benda, beklagte dagegen, 81 Jahre nach Kriegsende rufe eine solche Debatte ausschlie\u00dflich Hass hervor. Das seien &#8222;verzweifelte Versuche, einen \u00e4u\u00dferen Feind zu finden&#8220;. Redner der Piraten und Christdemokraten betonten auch die engen Beziehungen der tschechischen SPD zur AfD, die genau daf\u00fcr stehe, was die Resolution kritisiere: Die AfD habe eine Abschaffung der Bene\u0161-Dekrete gefordert. Und es gebe immer wieder fragw\u00fcrdige Aussagen von AfD-Politikern zum Nationalsozialismus. <\/p>\n<p>Holetschek: &#8222;Falsches Signal&#8220; <\/p>\n<p>Der bayerische CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek kritisiert, die Resolution der tschechischen Regierungskoalition sende &#8222;ein falsches Signal&#8220;. Die Diskussionen seien teilweise auch von Hass und Hetze gepr\u00e4gt. Dies entspreche nicht den vielen positiven Reaktionen in der tschechischen Gesellschaft auf das geplante Treffen in Br\u00fcnn. &#8222;Dieses Ereignis 80 Jahre nach der Vertreibung ist eine Einladung zur Vers\u00f6hnung, ausgesprochen von tschechischer Seite, vom Festival Meeting Brno, das selbst f\u00fcr Erinnerung und Aufarbeitung steht.&#8220; Bernhard Pohl von den Freien W\u00e4hlern zeigte sich &#8222;befremdet&#8220; \u00fcber den Antrag der Regierungskoalition.<\/p>\n<p>Sudetendeutsche: &#8222;Heuchelei&#8220;<\/p>\n<p>Auch AfD-Landeschef Stephan Protschka distanziert sich von der Resolution: &#8222;Wir bedauern diese Haltung ausdr\u00fccklich.&#8220; Das Treffen in Br\u00fcnn w\u00e4re f\u00fcr ihn ein wichtiges Zeichen der Ann\u00e4herung. Die Bene\u0161-Dekrete m\u00fcssten &#8222;an den Nagel geh\u00e4ngt&#8220; werden. Klar sei: &#8222;Die historischen Ursachen liegen im nationalsozialistischen Vernichtungskrieg und den von Deutschland begangenen Verbrechen.&#8220; Aber Erinnerungskultur d\u00fcrfe nicht einseitig sein.<\/p>\n<p>Der oberste Vertreter der Sudetendeutschen, Bernd Posselt, spricht mit Blick auf die tschechische SPD und die deutsche AfD, die im Europaparlament zusammenarbeiten, von &#8222;absoluter Heuchelei&#8220;: &#8222;Die Rechtsextremisten halten zusammen, wenn es gegen Europa und gegen die Verst\u00e4ndigung geht.&#8220; Die Vorw\u00fcrfe aus Tschechien gegen die Sudetendeutschen seien &#8222;v\u00f6lliger Unsinn&#8220;. Er selbst habe schon vor 25 Jahren das tschechische Volk im Fernsehen um Vergebung f\u00fcr den sudetendeutschen Anteil an den NS-Verbrechen gebeten.<\/p>\n<p>Wieder keine Abstimmung in Prag<\/p>\n<p>Insgesamt erfahren die Sudetendeutschen laut Posselt viel Unterst\u00fctzung in Tschechien f\u00fcr ihr Treffen in Br\u00fcnn. Es werde &#8222;selbstverst\u00e4ndlich&#8220; stattfinden. &#8222;Keiner hat erwartet, dass das Ganze ein Spaziergang wird&#8220;, sagt er dem BR. &#8222;Der Verst\u00e4ndigungsprozess ist im vollen Gange, aber man sieht: Es gibt halt noch Gegner des Verst\u00e4ndigungsprozesses.&#8220; Eine Antwort der Staatskanzlei auf eine BR-Anfrage steht noch aus. Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) h\u00e4lt laut ihrem Ministerium daran fest, nach Br\u00fcnn zu fahren.<\/p>\n<p>Zu einer Abstimmung \u00fcber die Resolution kam es im tschechischen Abgeordnetenhaus auch am Mittwochabend nicht. In der Tagesordnung wurden mehrere Punkte vorgezogen, um 22 Uhr wurde die Sitzung ohne erneute Debatte \u00fcber den Sudetendeutschen Tag beendet. Zum n\u00e4chsten Mal tagen die Abgeordneten am 13. Mai.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tschechiens Parlamentspr\u00e4sident Tomio Okamura l\u00e4sst mit seinen Attacken nicht locker: Die Sudetendeutsche Landsmannschaft sei von \u00fcberzeugten Nazis gegr\u00fcndet&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":999798,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[2],"tags":[186,774,29,16950,30,13,3761,14,15,12,119584,10,8,9,11,12475],"class_list":["post-999797","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-deutschland","tag-afd","tag-csu","tag-deutschland","tag-freie-waehler","tag-germany","tag-headlines","tag-landespolitik","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-sudetendeutsche","tag-top-news","tag-top-meldungen","tag-topmeldungen","tag-topnews","tag-tschechien"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116530238394840744","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/999797","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=999797"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/999797\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/999798"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=999797"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=999797"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=999797"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}