Zapfsäule in Bremen ist außer Betrieb

(Bild: heise online / anw)

Russlands Raffinerien liegen in Trümmern, die Straße von Hormus ist blockiert – und nun droht auch noch ein US-Exportstopp. Was das für Pendler bedeutet.

Der Moment an der Zapfsäule ist für Millionen Pendler zur Routine geworden: Die Zapfpistole klickt, der Blick fällt auf die Anzeige und der Betrag liegt deutlich über dem vom Januar. Rund 30 Euro mehr kostet eine 50-Liter-Tankfüllung Diesel inzwischen.

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Das Ende der Fahnenstange dürfte aber noch nicht erreicht sein, denn jetzt kommt ein Faktor hinzu, der neue Unsicherheit mit sich bringt: US-Präsident Donald Trump lässt prüfen, ob die USA ihre Diesel-Exporte stoppen. Für Europa wäre das ein empfindlicher Schlag, denn der Kontinent lebt inzwischen von diesen Lieferungen.

Nach Äußerungen des US-Präsidenten vom 22. September hat er seine Regierung angewiesen, ein Exportverbot zu prüfen. Finanzminister Scott Bessent spricht von einem vollständigen oder teilweisen Stopp.

Der Grund dafür liegt in Washington selbst: Am 3. November wählen die Amerikaner einen neuen Kongress, in dem die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kammern verteidigen wollen – und teurer Sprit ist schlechte Wahlwerbung. Diesel kostet inzwischen in den USA im Schnitt 6,53 US-Dollar je Gallone, was ein Rekord ist. Zudem sind die Lagerbestände auf 96,97 Millionen Barrel gefallen, fast 13 Prozent unter dem Fünfjahresschnitt.

Die steigenden Preise an der Zapfsäule sind nur das Offensichtliche, ihre Wirkung reicht weiter, denn sie treiben die Inflation. Die Produktion von Lebensmitteln etwa würde teurer, weil landwirtschaftliche Maschinen oft mit Diesel betrieben werden. Aber auch der Transport von Lebensmitteln oder industriellen Gütern würde teurer.

Drohnen und blockierte Seewege

Dass Diesel weltweit knapp ist, hat zwei Ursachen.

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Die erste liegt in Russland: Ukrainische Drohnen treffen dort laut Analyse der Internationalen Energieagentur (IEA) in den ersten acht Monaten dieses Jahres im Schnitt alle drei Tage eine Raffinerie.

Es verwundert nicht, dass die Diesel-Produktion dadurch zurückgegangen ist. Im Juni fiel der Durchsatz der Raffinerien laut IEA auf 3,8 Millionen Barrel pro Tag, was etwa dem niedrigste Wert seit über 20 Jahren entspricht. Die Diesel-Produktion sank dadurch um fast 30 Prozent.

Verschlimmert wird die Situation dadurch, dass vor allem die komplexen Anlagen getroffen wurden, die hochwertigen Diesel erzeugen. Deren Reparatur dauert sechs bis acht Monate. Seit Juli exportiert Russland so gut wie keinen Diesel mehr, früher ging etwa die Hälfte der Produktion ins Ausland.

Die zweite Ursache ist der Krieg zwischen den USA und dem Iran. Er behindert den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Die Golfstaaten verschifften laut IEA im August nur noch 390.000 Barrel Diesel und Gasöl pro Tag, was gut einem Viertel der Menge entspricht, die vor dem Überfall auf den Iran aus der Region stammte.

Wie sehr das die Weltmärkte durchschüttelt, zeigt der Telepolis-Hintergrund zum Preisschock an der Zapfsäule.

Warum es Europa härter trifft

Europa steht in dieser Krise besonders exponiert da: 38 Prozent aller Pkw in der EU fahren mit Diesel, was ein Erbe jahrzehntelanger Förderpolitik ist.

Der Verband Transport & Environment rechnet zum Diesel-Aufschlag vor, dass die EU täglich 203 Millionen Euro zusätzlich für Diesel zahlt. Ein einzelner Tankvorgang kostet demnach europaweit etwa 19 Euro mehr als vor der Krise; in Deutschland summiert sich der Aufschlag bei einem 50-Liter-Tank auf rund 30 Euro. Speditionen zahlen 236 Euro mehr pro Woche und Fahrzeug. Die Ölkonzerne verdienen daran: Acht große Konzerne strichen laut T&E im ersten Halbjahr 2026 allein in der EU 7,5 Milliarden Euro Übergewinne ein.

In Deutschland lag der Tagesdurchschnitt laut ADAC am 16. September bei 2,453 Euro pro Liter, was ebenfalls ein historischer Höchstwert ist.

Gleichzeitig hängt die EU am amerikanischen Tropf: 18,8 Prozent ihrer Erdölimporte kamen laut Eurostat im zweiten Quartal 2026 aus den USA, mehr als aus Norwegen oder Kasachstan.

Sollten die USA nun den Export von Diesel verbieten, dann könnte dies zwar den Preis in den USA drücken, aber die europäischen Staaten würde es besonders treffen. Oder, wie Jim Mitchell von Wood Mackenzie gegenüber Reuters betonte: Europa ist strukturell abhängig von Dieselimporten und ein Exportverbot würde einigen Verbündeten der USA erheblichen Schaden zufügen.

Widerstand in Washington, Notpläne in Paris

Ob der Exportstopp überhaupt kommt, ist offen.

Das American Petroleum Institute argumentiert, die Raffinerien an der Golfküste produzierten weit mehr Diesel, als die Region benötigt. Und dieser Überschuss lasse sich kaum in andere Landesteile transportieren. Fielen die Exporte weg, müssten die Anlagen ihre Produktion drosseln – und dann würde auch Benzin knapper.

Energieminister Chris Wright sagte laut Reuters, man brauche „mehr Angebot, nicht weniger“. Der Energieökonom Philip Verleger hält bei einem Exportverbot einen weltweiten Anstieg der Dieselpreise um bis zu 100 Prozent für möglich.

Europa sucht eigene Wege. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron fordert laut Financial Times, die EU-Kraftstoffstandards vorübergehend zu lockern und statt B7 den Kraftstoff B10 mit zehn Prozent Biodiesel zuzulassen. Französische Raffinerien könnten ihre Produktion so um 5 bis 20 Prozent steigern.

Die EU-Kommission verweist darauf, dass die Preise volatil bleiben, solange Europa fossile Brennstoffe importiert.

Was Pendler kurzfristig tun können

Auf schnelle politische Entlastung sollte allerdings niemand wetten. Die IEA setzt deshalb auf die Nachfrageseite: 10 km/h langsamer auf der Autobahn, vorausschauendes Fahren, Fahrgemeinschaften und Telearbeit, wo der Job es zulässt. T&E schätzt, dass solche Maßnahmen bis zu 15 Prozent der Dieselnachfrage einsparen könnten.

Ein Umstieg aufs E-Auto hilft kurzfristig kaum – rund 30 Prozent der europäischen Dieselflotte sind älter als 15 Jahre.

T&E fordert daher Abwrackprämien für alte Diesel und gezielte Hilfen für Haushalte mit kleinem Einkommen statt pauschaler Steuersenkungen, die die Kosten nur auf die Steuerzahler verlagern.