Papst Leo XIV. hat im französischen Metz bei der Begegnung „An den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit“ für Frieden Achtung des Völkerrechts und Dialog geworben und die Gründerväter Europas sowie den heiligen Benedikt gewürdigt. Im Kongresszentrum „Robert Schuman“ rief das katholische Kirchenoberhaupt diesen Montag vor Politikern und Kirchenvertretern aus Frankreich und Umgebung dazu auf, „Begriffen wie Freiheit, Demokratie, Frieden und Einheit echte Substanz zu verleihen.“
Lesen Sie hier, was Papst Leo an diesem Montag, 28. September 2026, über Europa sagte. Er äußerte sich in einer Ansprache im Robert Schuman-Kongresszentrum in Metz.
Stefanie Stahlhofen – Vatikanstadt
Standing Ovations und langen Applaus gab es diesen Montag in Metz für Papst Leo XIV. schon vor, aber auch nach seiner eindringlichen Rede für ein Europa, das seine christliche Geschwisterlichkeit wiederentdecken müsse und die Idee „eines versöhnten, geeinten und starken Europas“ , die schon Robert Schuman hatte, weiter umzusetzen. Das katholische Kirchenoberhaupt sprach im Kongresszentrum „Robert Schuman“ – benannt nach einem der drei Gründerväter Europas. Leo XIV. würdigte in seiner Rede neben dem Politiker auch einen Heiligen als „weiteren Vater Europas“:
„Der heilige Benedikt, den der heilige Papst Paul VI. 1964 zum Schutzpatron Europas erklärte und als ,Boten des Friedens, Baumeister der Einheit, Lehrmeister der Zivilisation`bezeichnete.“ Er betonte: „Man kann also nicht über Europa sprechen, ohne das Christentum zu erwähnen“.
„Man kann nicht über Europa sprechen, ohne das Christentum zu erwähnen“
Der Papst ging nicht nur auf die Geschichte Europas ein, sondern auch auf die aktuelle Lage:
„Das heutige Europa steht in der Tat vor einer neuen Etappe seiner langen Geschichte der Begegnungen, weil viele Männer und Frauen auf den Kontinent kommen, die vor Kriegsschauplätzen und Verfolgung fliehen oder auf der Suche nach einem besseren Leben fernab von Armut und Elend sind“
„Das heutige Europa steht in der Tat vor einer neuen Etappe seiner langen Geschichte der Begegnungen, weil viele Männer und Frauen auf den Kontinent kommen, die vor Kriegsschauplätzen und Verfolgung fliehen oder auf der Suche nach einem besseren Leben fernab von Armut und Elend sind.“ Es gelte, die historische Dimension dieser Entwicklung zu begreifen sagte der Papst mit Blick auf die „beispiellose Begegnung zwischen Völkern und Kulturen, die zur kreativen Wiederentdeckung unserer Wurzeln und zugleich zum aufmerksamen Hören auf den Anderen aufruft.“ Die Universalität der Grundwerte Europas gebe die Gewissheit, dass Dialog möglich sei und den Gesellschaften ein solides Fundament bieten könne – „das es uns erlaubt, uns wirksamer für den Frieden und eine versöhnte Welt einzusetzen.“
Der Papst in Metz (@Vatican Media)
Abrüsten, Dialog statt bewaffneter Auseinandersetzung
Eindringlich warb Leo XIV. in einer Zeit steigender Militärausgaben und eines Kriegs auch in Europa für Abrüstung. Schon Robert Schuman habe sich für Frieden zwischen den Völkern eingesetzt – und diesen Auftrag auch der Welt von heute hinterlassen:
„Was also sind die Lehren, die Robert Schuman dem heutigen Europa und der heutigen Welt hinterlässt? Zuallererst ein tiefes Verlangen nach Frieden. Leider ist der Krieg heute wieder aufgeflammt, sogar in Europa: ein neues „sinnloses Gemetzel“, das jeden Tag unzählige zivile Opfer fordert“
„Geduldigen Dialog führen, Mut bei Verhandlungen zeigen und bereit sein, bestimmte Positionen für das übergeordnete Wohl des Friedens aufzugeben“
Es sei daher nötig, „einen geduldigen Dialog zu führen, Mut bei den Verhandlungen zu zeigen und bereit zu sein, bestimmte Positionen für das übergeordnete Wohl des Friedens aufzugeben“, mahnte das katholische Kirchenoberhaupt. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die Geburtsstunde Europas durch die Schuman-Erklärung von 1950 zwischen Frankreich und Deutschland, die fünf Jahre nach dem Ende des Kriegs eine Friedenspolitik der einstigen Erbfeinde besiegelte. Ach heute noch seien die Worte der Schuman-Erklärung aktuell, betonte der Papst: „Der Beitrag, den ein organisiertes und lebendiges Europa für die Zivilisation leisten kann, ist unerlässlich für die Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen.“
„Man muss sich jedoch vor der Illusion der Wiederaufrüstung hüten“
Das Streben nach Frieden in Europa – wie auch weltweit – dürfe jedoch nicht mit einem „naiven Irenismus verwechselt werden. Im Gegenteil, die Worte Schumans sind aktueller denn je: ,Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Größe der Bedrohung entsprechen.´ Man muss sich jedoch vor der Illusion der Wiederaufrüstung hüten“, warnte der Papst.
Der Papst in Metz (@Vatican Media)
Völkerrecht und Multilateralismus
Als positive Beispiele für Dialog und Abkommen erinnerte das katholische Kirchenoberhaupt an das 1801 zwischen dem Heiligen Stuhl und Frankreich geschlossene Konkordat, das bis heute die Beziehungen zwischen dem Staat und der katholischen Kirche regelt. Leo XIV. mahnte zudem die Wahrung des Völkerrechts an und warb einmal mehr für Multilateralismus.
„Völkerrecht und Multilateralismus unterstreichen die tatsächliche Gleichheit der Staaten in ihren gegenseitigen Beziehungen und bilden das beste Gegenmittel gegen den Willen über andere zu herrschen, der die Ursache jedes Konflikts ist“
„Das Völkerrecht und der Multilateralismus unterstreichen die tatsächliche Gleichheit der Staaten in ihren gegenseitigen Beziehungen und bilden das beste Gegenmittel gegen den Willen über andere zu herrschen, der die Ursache jedes Konflikts ist. Heutzutage werden die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Beziehungen zwischen den Staaten immer barbarischer.“.
Europa könne dieser „Abwärtsspirale“ ein Ende setzen, dank der Achtung vor dem anderen, die zu pflegen und zu bewahren es verstanden habe. Es habe in den letzten achtzig Jahren „eindrucksvoll bewiesen, dass es möglich ist, unterschiedliche Meinungen, Forderungen und Interessen geltend zu machen, indem man sich begegnet, anstatt sich zu bekämpfen“, so Leo XIV. Schuman erinnere daran, dass es Realismus und Mut brauche.
Der Papst in Metz (@Vatican Media)
Appell an die Jugend
Einen eindringlichen Appell richtete Papst Leo XIV. in seiner Rede an die Jugend – sie sei nämlich berufen, das Europa von heute und morgen zu gestalten.
„Habt den Mut, die Mission des Friedenstiftens verantwortungsbewusst zu erfüllen, in eurem Herzen, in euren Beziehungen, in eurer Familie, in den Schulen und Universitäten, im Leben eurer Städte, eurer Länder und ganz Europas. Unterwerft euch nicht der Logik der Gewalt und der Unterdrückung. Liebt das Leben in jedem Augenblick und habt keine Angst vor der Zukunft!“
Junge Leute sollten auch keine Angst haben, eine Familie zu gründen und Kinder zu haben und die Menschenwürde und das menschliche Leben von Beginn bis zum Ende zu verteidigen.
„Habt keine Angst, euch unermüdlich für das Wohl eurer Gemeinschaften einzusetzen, auch durch politisches Engagement. Stiftet Gemeinschaft! Und mit euch wird Europa, fest verwurzelt, weiter gedeihen und die ganze Welt inspirieren. Möge Gott euch bei diesen Entscheidungen beistehen und möge er ganz Europa segnen und beschützen!“ – mit diesen Worten beschloss Leo XIV. unter Applaus und Standing Ovations seine Europa-Rede in Metz.
Macron: Vor Spaltung schützen
Beim Treffen unter dem Motto „An den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit“ sprachen vor Papst Leo XIV. auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Kardinal Jean-Marc Aveline, Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz. Macron sagte, Metz sei „wahrhaft europäisch“ und ein „Eckstein Europas“. Neben Schuman erinnerte er auch an die weiteren zwei Gründerväter den Deutschen Konrad Adenauer und den Italiener Alcide de Gasperi. Er erinnerte an den Élysée-Vertrag von Adenauer und dem französische Staatspräsidenten Charles de Gaulle, betonte aber auch, der europäische Einigungsprozess seo nicht nur deutsch-französisch. Der EU wollten sich auch weitere Länder anschließen, die sich Sicherheit, Frieden und Demokratie wünschten – etwa die Ukraine. Es gelte, die Anstrengungen für Frieden zu verstärken, sagte der Präsident Frankreichs. Das Engagement an der Seite der Ukraine stehe im Einklang mit dem Völkerrecht. Macron rief dazu auf, sich vor Untergrabung der Demokratie und Spaltung zu schützen. Er erinnerte in seiner Rede auch an die Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV. und betonte, Technik müsse dem Gemeinwohl nutzen, nicht nur einigen wenigen. Macron warb für Demokratie:„In Metz schlägt das Herz Europas“, das ein Projekt des Friedens und der Demokratie sei. Macron dankte Leo XIV. zum Ende in freier Rede noch herzlich für den 4-tägigen Papstbesuch in Frankreich, der diesen Montag endet.
Kardinal Aveline: Auch Deutsche dankbar für Papstbesuch in Frankreich
Kardinal Aveline, Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz, berichtete in seinem Grußwort, Papst Leo XIV. habe bei der Besprechung des Reiseprogramms gesagt, er wolle auch nach Metz – „wegen Europa“, an dieser Stelle gab es Applaus. Zum Treffen hier mit Papst Leo XIV. habe man bewusst auch Politiker und Kirchenleute aus den Grenzregionen eingeladen. Kardinal Aveline erinnerte in seiner Ansprache auch an Konrad Adenauer, der unter anderen nach dem Krieg geholfen habe, den „teuflischen Kreislauf der Rache zu durchbrechen“ und betonte den Durst junger Menschen nach Frieden. Man wisse, welchen Preis der Krieg fordere, Europas Anfänge zeigten zugleich, das Versöhnung immer möglich sei. Konkret verwies der Kardinal hier auf die deutsch-französische Freundschaft. Diese sei auch durch eine Botschaft der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) deutlich geworden, die ihn zur Papstreise in Frankreich erreicht habe, berichtete der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz: Der Vorsitzende der DBK, Bischof Heiner Wilmer, habe mitgeteilt, es sei eine Freude zu sehen, was der Besuch des Papstes in Frankreich auslöse. Die DBK bete für Frankreich und den Papst. Auch an dieser Stelle gab es Applaus im Saal.
(vatican news)