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Berlin/New York – Während viele EU-Staaten nur über ihre Verteidigung diskutieren, sendet Polen längst klare Signale an den Kreml. Mit Milliardeninvestitionen in die Armee, neuen Waffensystemen und offensiver Sprache sendet Warschau eine deutliche Botschaft: Wer uns angreift, sollte wissen, wie hoch der Preis ist. Polens Außenminister Radosław Sikorski machte diese Linie zuletzt auch vor den Vereinten Nationen deutlich.
Sikorski forderte Russland zum Ende des Angriffskriegs gegen die Ukraine auf – und wandte sich direkt an den russischen Außenminister Sergej Lawrow: „Hört auf, Russlands Zukunft zu zerstören. Sergej, ich weiß, dass du zuhörst. Sag deinem Chef, es reicht.“ Lawrow selbst hatte den Saal zu diesem Zeitpunkt zwar bereits verlassen. Doch Sikorskis Botschaft dürfte ihn dennoch erreicht haben.
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Sikorski sagte, dass Russlands Präsident Wladimir Putin (73) seit mehr als zwölf Jahren versuche, den Donbas zu erobern – und seit mehr als vier Jahren auch Kiew. Erreicht habe er nichts. Mit Blick auf die höhere Wirtschaftsleistung Polens, Europas und der Nato legte der Pole nach: „Ihr könnt noch viele Menschen töten, aber ihr könnt nicht gewinnen.“
Experte: „Sprache, die Russland versteht“
Sicherheitsexperte Nico Lange (51) zu BILD: „Sikorski tritt hart und klar auf. Das ist die Sprache, die Russland versteht, und er hat recht, wir müssen uns trauen, das auszusprechen.“ Seine Einschätzung: „Wir sind stärker als Russland“. Genau das müsse Moskau verstehen. „Das ist die Botschaft der Abschreckung, die den Frieden sichern kann“, so der Experte.
Das sieht auch Außenpolitikexperte Thomas Jäger so: „An Russland und die Verbündeten ging das Signal, dass Polen vorbereitet ist, falls Putin den Krieg ausweitet – aber nicht nur Polen, sondern die ganze Nato“, so Jäger zu BILD. Polen-Experte Kai-Olaf Lang sieht in Sikorskis Worten eine klare Botschaft: „Wir sind wachsam und entschlossen. Wir sind im Ernstfall handlungsfähig und handlungsbereit.“ Aber auch: „Wir wissen, dass es ernst ist.“
Abschreckungsstrategie der Polen
Hintergrund: In der vergangenen Woche hatte Polen-Ministerpräsident Donald Tusk (69) vor „hybriden“ Bedrohungen aus Russland gewarnt – auch vor Drohnen- und Raketenangriffen. Polen hat Russland seit Moskaus großangelegter Invasion der Ukraine im Jahr 2022 mehrfach der „Sabotage“ beschuldigt. Die Folge: Polen baut seine Verteidigungsfähigkeit massiv aus – mit mehr Soldaten, schweren Waffen, Luftverteidigung und einer stärkeren Rüstungsindustrie.

Donald Tusk (M.) im August 2025 mit EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (67, CDU) an der Grenze
Foto: AP Photo/Czarek Sokolowski
So rüstet Polen gegen einen möglichen russischen Angriff auf:
Milliarden für die Verteidigung: Polen plant 2026 rund 4,8 Prozent des BIP für Verteidigung ein – etwa 45 Milliarden Euro. Das Geld fließt in Waffen, Munition, Infrastruktur und Personal.Schwere Waffen und Feuerkraft: Abrams- und K2-Panzer, K9-Haubitzen, Borsuk-Schützenpanzer sowie HIMARS- und Chunmoo-Raketenwerfer sollen Polens Landstreitkräfte schlagkräftiger und durchsetzungsfähiger machen.Luftverteidigung und Drohnen: Mit F-35-Kampfjets, Patriot-Systemen und moderner Drohnenabwehr schützt Polen seinen Luftraum. Der Ukraine-Krieg zeigt, wie wichtig es ist, neben Flugzeugen und Raketen auch große Mengen kleiner Drohnen abwehren zu können.Ostgrenze und Infrastruktur: Mit dem Programm „Tarcza Wschód“ baut Polen an der Grenze zu Belarus und dem russischen Kaliningrad Sperren, Befestigungen und Überwachungssysteme aus. Gleichzeitig werden Flugplätze, Lager, Verkehrswege und Logistikzentren für den schnellen Truppen- und Materialtransport ausgebaut.Mehr eigene Produktion, mehr Nato-Schutz: Polen will unabhängiger von ausländischen Lieferketten werden und deshalb mehr Munition, Drohnen und Militärtechnik im eigenen Land produzieren. Zugleich ist das Land ein zentraler Bestandteil der Nato-Ostflanke und beherbergt bereits alliierte Truppen und Infrastruktur.Polens Rolle als europäische Militärmacht in der Nato
Polen kommt als europäische Militärmacht in der Nato eine große Verantwortung zu. Lang zu BILD: „Das Land ist nach wie vor eine zentrale Logistikdrehscheibe für die Versorgung der Ukraine.“ Zugleich sieht er Polen als Verbindung zwischen Europa und den USA „in Zeiten wachsender Risse in den transatlantischen Beziehungen“. Polens Beziehung zu den USA sei „besser als die vieler anderer europäischer Staaten“, ergänzt Jäger. Und es habe „schlagkräftige Landstreitkräfte“.

Panzersperren sichern die polnische Grenze zu Belarus
Foto: AP
Nico Lange verfügt über langjährige Erfahrung in sicherheitspolitischer Analyse und arbeitete als Berater im deutschen Verteidigungsministerium. Von 2022 bis 2026 war er Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz.
Prof. Thomas Jäger ist Professor für internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln.
Dr. Kai-Olaf Lang ist Senior Fellow bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Er forscht als Politikwissenschaftler zu Mittel- und Osteuropa. Seine Schwerpunkte sind die Innen- und Außenpolitik der Visegrád-Staaten (insb. Polen).