Stand: 05.10.2026 11:35 Uhr
Die Europa-Passage spaltet die Hamburger seit der Eröffnung am 5. Oktober 2006. Für die einen ist der Shopping-Tempel eine architektonische Meisterleistung, die anderen kritisieren den Gigantismus und den Verlust historischer Bausubstanz.
Mitten in Hamburgs Innenstadt zwischen Jungfernstieg und Mönckebergstraße entsteht Anfang der 2000er-Jahre ein Shopping-Tempel mit 120 Geschäften. „Das war der große Sprung in die Innenstadt. Das war aufregend. Wir waren völlig unbeleckt, ohne zu wissen, was kommt. Und es war schon ein Risiko“, erzählen Yvonne und Hakan Demirdögen. Die Eheleute gehören zu den ersten Ladenbesitzern in der Europa-Passage.
Als die Abrissarbeiten der alten Gebäude 2003 beginnen, ist Stararchitekt Hadi Teherani schon mitten in der Gestaltung. Er entwirft die innerstädtische Shopping Mall mit einer Verkaufsfläche von rund 30.000 Quadratmetern auf fünf Etagen. Inklusive der Büro- und Parkgeschosse kommt man auf 15 Geschosse. Für den Architekten ist es, wie für die Stadt und den damaligen Bürgermeister Ole von Beust, ein Vorzeigeprojekt.
Bau der Europa-Passage erfordert spezielle Konstruktion

Für die Europa Passage wurden mehrere, unter Denkmalschutz stehende Gebäude abgerissen.
Die Bauweise ist eine Herausforderung. „Wenn man so eine große Baugrube wie die Europa-Passage macht, mit den anliegenden Häusern … dann musste man die Baukonstruktion so wählen, dass nicht die Nachbargebäude alle in die Baugrube fallen. Deshalb wurde ein neues System entwickelt, indem man stufenweise immer eine Schicht weggenommen, dann eine Wand gebaut und dann wieder die nächste Schicht weggenommen hat, erläutert Teherani.
Arbeiten unter der Erdoberfläche – für Haustechnik, Lagerräume und für die 700 Tiefgaragenplätze, die hier entstehen. „Am tiefsten Punkt der Baustelle – in 25 Meter Tiefe – sind ungefähr sechs Geschosse zu sehen. Das Gesamtgebäude hat aber 15 Geschosse. Da wird langsam deutlich, was für Dimensionen dieses Projekt hat“, schildert Bauleiter Claus Deblitz 2004 die Herausforderungen. Ein Wermutstropfen: Für die Europa-Passage müssen auch denkmalgeschützte Gebäude wie das „Europahaus“ am Ballindamm weichen. Und die Paulstraße verschwindet gänzlich aus dem Stadtbild.
Ein Laden mitten in der Innenstadt steht für Prestige
Die damals größte innerstädtische Shopping Mall Europas nimmt in den Folgejahren Form an. Und, die Vorfreude ist groß. „Ein Laden in der Innenstadt. In der Hamburger Innenstadt. Wir sind Hamburger. Ich bin hier geboren. Das war für mich undenkbar. Und letztendlich schon Glück“, so Hakan Demirdögen. „Ja, Scherben bringen Glück und Segen dem Hause hier auf allen Wegen!“ heißt im Jahr 2005 zum Richtfest der Europa-Passage.
Hamburger Europa-Passage wird kurz vor knapp fertig

Yvonne und Hakan Demirdögen betreiben seit 20 Jahren ihren Schmuckladen in der Europa-Passage.
Alles läuft nach Plan, aber am Ende wird es dann doch noch zeitlich eng. Drei Wochen vor der geplanten Eröffnung ist die Europa-Passage noch immer eine Baustelle. Stress herrscht deswegen auch im Schmuckladen der Demirdögens. „Wir hatten Augenringe bis zum Boden. Wir haben Tag und Nacht alle Kästen aufgefüllt, und den Boden verlegt. Wir hatten außerdem drei Tage vorher noch einen Wasserschaden. Das war mehr als knapp. Am Tag davor haben wir gefühlt bis nach Mitternacht gearbeitet. Und dann war am nächsten Tag die Eröffnung“, schildern die Eheleute ihren Endspurt im Geschäft in der Europa-Passage.
Bis zu 100.000 Besucher täglich nach der Eröffnung
Der Andrang auf die Europa-Passage am 5. Oktober 2006 ist groß. Es ist der Tag der Eröffnung nach etwa vier Jahren Bauzeit. In den kommenden Tagen werden bis zu 100.000 Besucher täglich erwartet. Trotz internationaler Küche und vielen Gastroangeboten findet nicht jeder Gefallen am neuen Shopping-Center. „Es war nicht so, wie man es sich vorgestellt hat. Aber sieht schon toll aus.“ – „Es ist schön, hat aber zu früh geöffnet. Es ist noch eine Baustelle. Bedauerlich. Ich hätte es lieber gesehen, wenn’s fertig gewesen wäre“, beschreiben Besucher ihre ersten Eindrücke.
Auch Ladenbesitzer Hakan Demirdögen blickt zurück auf den Tag der Eröffnung: „Wir haben alles durchgemacht, was passieren kann. Wir haben auch Federn gelassen haben. Aber wir bereuen es nicht, und sind froh, dass wir noch da sind.“ Nach 20 Jahren ist ihnen die Europa-Passage mitten in der City ans Herz gewachsen.

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