Marteria bringt viel Energie mit an diesem Freitagabend und deklariert, dass seine Berlin-Konzerte einfach „anders“ seien. Der 43-jährige Rapper, aufgewachsen in Rostock und seit einer Weile auch wohnhaft auf Rügen, zeigt viel Liebe für seine zweite Wahlheimat Berlin.
Er erzählt davon, wie hier seine Karriere begonnen hat, und schwärmt von „Berlin, der Stadt, in der ich so viel Zeit verbracht habe und die mir so ans Herz gewachsen ist“. Außerdem prahlt er, dass er nur vier Minuten von der Max-Schmeling-Halle entfernt wohnt und quasi vor der Haustür spielt.
Sein neues Album „Zum Glück in die Zukunft III“ erschien dieses Frühjahr und beendet damit seine karriereprägende Album-Trilogie, die ihn in den Jahren 2010 und 2014 mit Chart-Erfolgen in den Mainstream katapultierte: „Vielen Dank für diese Reise, 16 Jahre ‚Zum Glück in die Zukunft‘!“
Auf dem dritten Teil sind die Texte nun aber noch genauso bissig und lustig, aber noch politischer geworden, und Marteria blickt mit Pessimismus und Optimismus gleichermaßen auf die ungewisse Zukunft.

Festivalsommer
Der Sommer im Osten: Diese Festivals sollte man nicht verpassen!
Liebesbekenntnis zu Rostock und Berlin
Der erste Song des Berlin-Konzerts am Freitagabend (und auch des Albums) ist „9 Leben (Eins übrig)“, auf dem der stolze Rostocker auch wieder von seiner ersten Heimat erzählt: „Meine Stadt, mein Hafen […], Nie vergessen, ‘92 Lichtenhagen, doch diese Neubaublocks sind alles was wir haben“.
Vor einem riesigen Bühnenbild-Ms im Stil eines Felsens rappt Marteria zu seinen Fans, von denen die meisten in seinem Alter sind, manche haben sogar ihre Kinder mit dabei. Es sind deutlich mehr Männer zugegen und viele davon sind vermutlich schon seit seinem ersten Album Fans von Marteria denn die Menge hüpft besonders bei den alten Liedern.
Zustimmung wird geprüft…
Der wohl politischste der neuen Songs ist „Captain Europa“, auf dem er die Schwäche und politische Ohnmacht des alten Kontinents beklagt: „Einsamer Captain Europa […]Ich falle auseinander wie Legos/ Bald wieder D-Mark und Lira und Pesos/ Bekomm’ Preis für den Rechtsruck des Monats“.
Über einem harten Trap-Beat rappt Marteria mit Kapuze über dem Kopf und dunklem, orangem Nebel hinter sich. „Ja, das Atmen fällt mir schwer seit Corona/ Politiker packen Rimowas/ Renn’ um ihr Leben wie Lola […] Die gelben Sterne von meinem blauen Umhang fallen runter und jeder meine Panik spürt, egal wie groß mein Name ist“. Captain Europa als Kommandant eines sinkenden Schiffes, da ist sie, die pessimistische (oder realistische) Seite von Marteria. Auf der Bühne entflammt ein großer EU-Stern mit Feuer und alle sehen gebannt zu.
Reisehighlights
Reisehighlights exklusiv für Sie
Familienabend mit Sohn Luzey
Marteria hat auch zwei neue Songs gemeinsam mit seinem 19-jährigen Sohn Louis im Gepäck, der unter dem Künstlernamen Luzey auch erste Schritte als Rapper wagt. Auf „Platz für uns Beide“ geht es um ihre manchmal schwierige Vater-Sohn Beziehung. Und auch noch den zweiten Song „Endlich normale Träume“ geben beide zum Besten, Luzey noch mit einer etwas schwächeren Stimme verglichen mit Marterias tiefem Bass.
Beide freuen sich aber sichtlich über den gemeinsamen Auftritt und Luzey wünscht dem Publikum „Viel Spaß noch mit meinem Papa!“ Es ist ein Familienabend in Berlin, denn der Rapper erwähnt auch, dass seine Mutter im Publikum ist, und seine Freundin Natasha Kimberly agiert sogar als Backgroundsängerin mit auf der Bühne.

Heimspiel vor der Haustür: Marteria wohnt nur vier Minuten von der Max-Schmeling-Halle entfernt.
© Martin Müller/Imago
Politische, bissige und auch lustige Texte
Dann werden die alten Hits rausgekramt wie „OMG“ aus dem Jahr 2014 über Religionen: „Oh mein Gott, dieser Himmel, wie komm ich da bloß rein?“, dabei ruft er auch mal „Der Himmel über Berlin!“. In der Menge nah bei der Bühne bildet sich ein Moshpit, ein Kreis in dem gemeinsam getanzt und gesprungen wird, was dann beim nächsten Hit ,,Kids (2 Finger an den Kopf)“ noch wilder wird, wobei der Rapper alle Arme in der Luft sehen will und wirklich alle den bekannten Refrain mitsingen.
Überhaupt ist dies ein relativ handyfreies Konzert, bei dem die meisten den Moment genießen, und das macht es wirklich besonders. Bei einem langsamen und poetischen Lied wie „Welt der Wunder“ sorgen dann aber doch Handylichter für eine schöne Stimmung – und Marteria erklärt die Magie des Moment auch prompt zum „Wunder von Berlin“.
Lila Wolken über der Max-Schmeling-Halle
Natürlich beginnt die Zugabe mit „Lila Wolken“, einem Lied, das für eine ganze Generation zur puren Nostalgie geworden ist, und die ganze Halle singt mit, reißt die Hände in die Luft und genießt den Moment. Am Ende will Marteria gar nicht mehr gehen, bringt das Publikum wieder und wieder zum Hüpfen und zu La-Ola Wellen. Er schmeißt sich sogar in die Menge, um vier Karten zu seinem Konzert nächstes Jahr zu verteilen, und springt im Moshpit mit seinen Fans wild umher. Er fällt zwar auch zu Boden, aber surft schließlich über der Menge wieder zurück zur Bühne.
Es war ein ausgelassener Abend voller Energie und am Ende sind wieder alle lila Wolken über Berlin, damals über dem Gasometer, heute Abend in der Max-Schmeling-Halle.
Lesen Sie mehr zum Thema