Es ist eines der größten Geschäfte der jüngeren Zeit, die der Bertelsmann-Konzern eingefädelt hat. Jetzt ist der Deal endgültig durch: Die Konzerntochter RTL kann den Abosender Sky aus Unterföhring bei München übernehmen. Am Mittwochabend hat die EU-Kommission mitgeteilt, dass sie uneingeschränkt grünes Licht für das Geschäft gibt. Zehn Monate hat es gedauert seit der Ankündigung. Das ist lang, es ist viel wertvolle Zeit verloren gegangen, in der RTL und Sky noch völlig voneinander unabhängig agieren mussten.

Gemeinsam, so die Hoffnung, werden RTL und Sky künftig zu den großen Streaminganbietern in Deutschland aufschließen und ihnen besser Konkurrenz machen. Das Streamingangebot RTL Plus habe derzeit in Deutschland etwa sieben Millionen zahlende Kunden, Tendenz steigend, teilte das Unternehmen Mitte März mit. Sky kommt gleichzeitig auf etwa fünf Millionen Abonnenten. Zusammen mit Sky wäre RTL mit zwölf Millionen Kundinnen und Kunden auf dem Streamingmarkt in Deutschland die klare Nummer drei hinter Marktführer Netflix und Amazon Prime. „Unsere Stärke sind lokale Inhalte“, sagte der scheidende RTL-Chef Thomas Rabe vor wenigen Wochen. Er hofft darauf, einen „Champion“ mit Sitz in Deutschland zu schaffen. Damit könnte im Medienbereich auch „die industrielle Souveränität Europas“ ausgebaut werden, teilte Rabe jetzt mit.

Die EU-Kommission teilte „nach sorgfältiger Prüfung“ des Falls mit, dass die Transaktion den Wettbewerb „nicht erheblich verringern würde“, und genehmigte sie ohne Auflagen. „Die Transaktion ermöglicht es etablierten europäischen Mediengruppen, ihre Position in einer Zeit des Branchenwandels zu festigen, in der sie zunehmend unter Druck von globalen Streaming-Plattformen stehen“, teilte EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera dazu mit. RTL zahlt für Sky zunächst 150 Millionen Euro in bar, hinzu kommt eine variable Komponente, die an den Aktienkurs von RTL gekoppelt ist.

Sportrechte sind für beide sehr wichtig

Die beiden Anbieter RTL und Sky sind vergleichsweise komplementär, die Kundschaft überlappt sich nur wenig. Bei RTL sind die Abonnentinnen eher jünger und weiblicher, bei Sky eher älter und männlich, was auch an dem großen Sportangebot, etwa der Fußball-Bundesliga, liegt. Es gebe im Geschäft nur wenige Überschneidungen, ist sich Rabe deshalb sicher. Zuletzt wurde betont, dass beide Unternehmen zunächst unabhängig weiter geführt werden sollen, auch die Zentrale in Unterföhring bei München soll erhalten bleiben.

Streaming

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Sky Deutschland mit einem Umsatz von etwa zwei Milliarden Euro und rund 2200 Mitarbeitenden gehörte bislang über Sky in London zum amerikanischen Medienkonzern Comcast, der suchte aber bereits seit Längerem nach einem Käufer. Sky hat unter anderem einen größeren Teil der attraktiven Pay-TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga, zeigt aber in seinem Streamingdienst Wow auch Filme und Serien. Sky ist seit Jahren auch einer der wichtigsten Geldgeber der Fußball-Bundesliga. Bei der letzten Rechte-Auktion der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat sich der Sender Ende des Jahres für viel Geld die Rechte an allen Bundesliga-Spielen am Freitag und Samstag gesichert. RTL wiederum zeigt Begegnungen der Fußball-Nationalmannschaft und Spiele in der Europa League. Bei der Formel Eins kooperieren Sky und RTL bereits.

Die jährlichen Synergien durch die Übernahme wurden im vergangenen Jahr mit 250 Millionen Euro beziffert, voll wirksam drei Jahre nach Abschluss der Transaktion, also von 2029 an. Der überwiegende Teil davon soll offenbar aus einer Reduktion der Kosten erfolgen, damit sind auch Jobs in Gefahr. Klar ist, dass es an den beiden bisherigen Standorten, Köln und Unterföhring bei München, künftig Doppelfunktionen geben wird. Kompliziert werden dürfte auch, die beiden technischen Plattformen zusammen zuführen.

RTL hatte 2025 einen Umsatz von sechs Milliarden Euro und einen Gewinn von gut einer Milliarde Euro gemacht. Darin enthalten ist auch der Erlös aus dem Verkauf der TV-Aktivitäten in den Niederlanden. Der operative Gewinn ist 2025 gesunken, auch deshalb wurde für die Mitarbeitenden die Gewinnbeteiligung für 2025 gestrichen, was zu erheblicher Unruhe führte. Zudem werden Stellen abgebaut. Seit Langem geht das Geschäft mit linearen Fernsehsendern zurück, die Werbeeinnahmen sinken. Auch deshalb will der Konzern das Streaminggeschäft verstärken.