Unzählige Pakete kommen täglich von Online-Händlern wie Shein, Temu, AliExpress und Co. in die EU. Die Flut kleiner Päckchen ist teuer – eine Bearbeitungsgebühr ab 1. November 2026 soll helfen, die steigenden Kosten zu decken.

Millionen Menschen in Deutschland und der EU bestellen regelmäßig im Internet. Die Anbieter sitzen dabei häufig nicht in der europäischen Staatengemeinschaft. Im Kampf gegen die Flut kleiner Pakete aus Onlinekäufen aus Drittstaaten führt die EU jetzt eine neue Bearbeitungsgebühr ein.


Ab 1. November soll die neue Abgabe für jedes im Internet bestellte und in die EU eingeführte Produkt gelten und von den nationalen Behörden erhoben werden. Darauf einigten sich Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Länder in Brüssel, wie beide mitteilten.

Die Höhe der Gebühr muss noch von der EU-Kommission festgelegt werden. Mit der Abgabe sollen die steigenden Kosten durch die wachsende Zahl kleiner Sendungen aus dem Online-Handel gedeckt werden – etwa die Sichtung und Kontrolle bei der Einfuhr.


Flut von Paketen: Neue Zollgebühren kommen

Die Bearbeitungsgebühr kommt zusätzlich zu geplanten neuen Zollgebühren. Zwar können Pakete mit einem Wert von bis zu 150 Euro bislang zollfrei in die Staatengemeinschaft eingeführt werden. Um unerwünschten Billigimporten etwas entgegenzusetzen, gilt jedoch ab Juli für jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe in Höhe von drei Euro.

Diese Maßnahme soll vorübergehend gelten, bis eine neue digitale Plattform zur Abwicklung und Kontrolle an den Start geht und dann alle in die EU importierten Waren ab dem ersten Euro zollpflichtig sind. Derzeit ist das für 2028 geplant.

Auf einem Display sind die App-Icons von Temu und Shein zu sehen. - Foto: Berg/dpa

Laut HDE werden täglich etwa 400.000 Pakete von Shein und Temu an deutsche Kunden verschickt.

Foto: Berg/dpa

Mit dem Abschaffen der Freigrenze soll etwa sichergestellt werden, dass alle Händler – unabhängig von ihrem Standort – die gleichen Wettbewerbsbedingungen haben. Ob günstige Produkte durch die neuen Abgaben teurer werden, ist noch unklar. Theoretisch könnten auch die Produzenten oder Importeure die Mehrkosten übernehmen.

Neue Abgabe: Shein, Temu, AliExpress und Amazon betroffen

Die neuen Regeln dürften etwa Online-Händler wie Shein, Temu, AliExpress oder auch Amazon betreffen. Der Online-Handel hat in den vergangenen Jahren zu einem exponentiellen Anstieg bei Lieferungen kleiner Warenpakete mit geringem Wert in die EU geführt. Laut EU-Kommission kamen 2024 täglich rund zwölf Millionen Pakete in der EU an, deutlich mehr als in den beiden Vorjahren.

Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) werden täglich etwa 400.000 Pakete von Shein und Temu an deutsche Kunden verschickt. Der Umsatz der beiden Portale in Deutschland lag 2024 demnach zwischen 2,7 und 3,3 Milliarden Euro. Laut HDE kauften im vergangenen Jahr mehr als 14 Millionen Menschen hierzulande bei Temu und Shein ein.

Meinung des Autors

Gut, dass die EU bei Billigimporten mehr Kontrolle will – das kann für fairere Bedingungen sorgen. Das Ziel, die europäische Wirtschaft zu stärken, ist ehrenwert. Am Ende wird aber auch entscheidend sein, wie Produzenten in der EU ihre Produkte anbieten. Denn schlussendlich entscheiden die Kundinnen und Kunden, wo sie tatsächlich kaufen.

Warum Temu und Shein so erfolgreich sind

Temu ist ein Online-Marktplatz, auf dem zahlreiche Unternehmen verschiedene Waren verkaufen. Das chinesische Unternehmen ist seit Frühjahr 2023 in Deutschland aktiv und sorgt immer wieder mit Minipreisen und hohen Rabatten für Aufsehen. Produkte werden häufig direkt vom Hersteller zum Kunden geliefert.

Der in China gegründete und heute in Singapur ansässige Modekonzern Shein ist sowohl Hersteller und Händler als auch Marktplatz. Beide Anbieter sind umstritten. Politiker, Handelsvertreter und Verbraucherschützer monieren unter anderem Produktqualität, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen.

Neben der neuen Bearbeitungsgebühr sollen weitere Maßnahmen im Rahmen der Reform des EU-Zollrahmens dafür sorgen, den globalen Handel zu erleichtern, Zölle effizienter zu erheben und die Kontrollen von nicht konformen, gefährlichen oder unsicheren Waren zu verschärfen, wie die EU-Länder mitteilten. (dpa)

Fragen und Antworten: Neue EU-Gebuehren fuer Online-Ware aus Drittstaaten

Ab wann gilt die neue EU-Bearbeitungsgebühr?

Geplant ist, dass sie ab dem 1. November für jedes online bestellte und in die EU eingeführte Produkt gilt.

Wie hoch wird die Bearbeitungsgebühr?

Die genaue Höhe steht noch nicht fest. Sie soll von der EU-Kommission festgelegt werden.

Was hat es mit den 3 Euro ab Juli auf sich?

Zusätzlich ist eine Abgabe von 3 Euro für jedes Paket mit Warenwert bis 150 Euro geplant. Das soll vorübergehend gelten, bis eine neue digitale Plattform startet.

Wer ist von den neuen Regeln besonders betroffen?

Vor allem Bestellungen, die als kleine Sendungen direkt aus Nicht-EU-Ländern in die EU kommen, dürften häufiger darunterfallen. Genannt werden etwa Temu, Shein und AliExpress.

Wer erhebt die neue Gebühr?

Erhoben werden soll die Abgabe von den nationalen Behörden in den EU-Ländern.