Der Klimawandel zeigt sich in Europa immer deutlicher: Der Kontinent erlebte 2025 unter anderem einen enormen Rückgang der Schnee- und Eisbedeckung, Dürren, Hitzewellen, Waldbrände und Meereserwärmung, vieles davon auf Rekordniveau. Das fasst der Bericht über den Zustand des Klimas in Europa 2025 von der Weltwetterorganisation WMO und dem EU-Klimawandeldienst Copernicus zusammen.
Mindestens 95 Prozent des Kontinents hätten vergangenes Jahr überdurchschnittliche Temperaturen verzeichnet, heißt es in dem Bericht. Er bestätige, dass sich Europa seit 1980 zweimal so schnell wie der globale Durchschnitt erwärmt habe, „was Europa zum sich schnellsten erwärmenden Kontinent der Welt macht“, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo.
Dass die Temperaturen in Europa besonders stark steigen, liegt unter anderem daran, dass sich die atmosphärische Zirkulation geändert hat, sagt Samantha Burgess vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen. Das begünstige im Sommer Hitzewellen.
Eine Chance durch saubere Luft und mehr Sonnenstrahlen
Zudem sei die Luft sauberer geworden. Es gebe weniger kleine Partikel, an denen sich Wolken bilden. So erreiche mehr Sonnenstrahlung die Erdoberfläche. Darin liege aber auch eine Chance: Die Produktion von klimafreundlicher Solarenergie könne steigen.
Die Erzeugung von Energie aus Wasserkraft werde dagegen langfristig unter der Wetterentwicklung leiden – wegen der schmelzenden Gletscher und niedrigen Wasserstände. Konsequenzen könne es auch für Atomkraftwerke geben, wenn sie mangels Kühlwasser die Leistung vorübergehend drosseln oder Reaktoren abschalten müssen.
Schließlich warnen die Experten vor dem Verlust der Artenvielfalt durch den Klimawandel. Es werde in der EU zwar einiges getan. Aber: „Die Fortschritte in Europa müssen beschleunigt werden, damit mehr und bessere Maßnahmen zum Schutz der Natur und der biologischen Vielfalt ergriffen werden können“, teilen Copernicus und die WMO mit.
Brände, Emissionen, Hitzetage
Die Gründe zur Eile mehren sich: Die durchschnittliche Temperatur an der Meeresoberfläche sei zum vierten Mal in Folge rekordhoch gewesen, heißt es in dem Bericht. Brände hätten mehr als eine Million Hektar verbrannt, so viel wie nie zuvor. Nie seit Beginn der Aufzeichnungen hätten Deutschland, Spanien, Zypern, Großbritannien und die Niederlande so hohe Luftverschmutzung durch Waldbrände erlebt. 70 Prozent der Flüsse hätten weniger Wasser geführt als das langjährige Mittel.
Mindestens 95 Prozent des Kontinents hätten überdurchschnittlich hohe Temperaturen erlebt, mit 21 Hitzetagen in Folge in Norwegen, Schweden und Finnland. Im Polarkreis sei es teils mehr als 30 Grad warm gewesen. Die Schneebedeckung lag habe fast ein Drittel unter dem langjährigen Mittel gelegen, das grönländische Eisschild habe 139 Milliarden Tonnen Eis verloren.
Für dieses Jahr ist dem Bericht zufolge eine weitere Verschlimmerung der klimatischen Lage in Europa zu befürchten. Es sei wahrscheinlich, dass ab der Jahresmitte das Klimaphänomen El Niño wieder zum Tragen komme, sagte WMO-Generalsekretärin Saulo. 2024 hatte El Niño zu globalen Temperaturrekorden beigetragen.
1,5-Grad-Ziel vorübergehend nicht zu halten
Der Kontinent heize sich seit den 1980er Jahren doppelt so schnell auf wie die Welt als Ganzes, sagte Saulo. Für sie ist klar: „Der Rekordanstieg der Treibhausgase bedeutet, dass es in den nächsten Jahren praktisch unmöglich sein wird, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.“ Das war ein Ziel der Weltklimakonferenz in Paris. 2024 lag der Wert bereits bei etwa 1,55 Grad über dem vorindustriellen Niveau, 2025 waren es 1,48 Grad. Wichtig seien robuste Klimaschutzmaßnahmen, um die Überschreitung so niedrig und so kurz wie möglich zu halten.
Der Klimawandel wird maßgeblich durch den menschlichen Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 und Methan verursacht. Um die dadurch ausgelöste Erderwärmung zu beschränken, müsste der Verbrauch der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas rasch sinken. Neben einem Umstieg auf Sonnen- und Windkraft zählt der Ausbau der Stromnetze und Batteriespeicher zu den wirksamen Maßnahmen gegen die Erderwärmung.
Europa nutzt mehr Strome aus erneuerbaren als fossilen Energien
In Europa wurde laut dem Bericht 2025 das dritte Jahr in Folge mehr Strom aus erneuerbaren Energien genutzt als fossile Energien. Die Erneuerbaren machten demnach 46,4 Prozent von Europas Stromerzeugung aus.
„Aber das ist nicht ausreichend. Wir müssen das beschleunigen“, erklärte der Klima-Berater des Klimadienstes der Europäischen Kommission, Dusan Chrenek. In den vergangenen Wochen haben die Folgen des Iran-Kriegs die weitverbreitete Abhängigkeit von Öl und Gas wieder in den Blickpunkt gerückt.