
Die Arbeitskosten in Deutschland sind 2025 gestiegen, wenn auch weniger stark als im EU-Schnitt. Seit 2020 haben sich Arbeitsstunden um ein Fünftel verteuert. Unternehmen verschärfen indes ihre Pläne zum Stellenabbau.
Die im europäischen Vergleich hohen Arbeitskosten in Deutschland sind im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Eine Arbeitsstunde in der Produktion und für Dienstleistungen kostete im Schnitt 45 Euro je Stunde, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Gegenüber dem Vorjahr wuchsen die Arbeitskosten um 3,6 Prozent und damit etwas weniger als im EU-Durchschnitt von 4,1 Prozent.
Die Arbeitskosten setzen sich aus den Bruttoverdiensten und Lohnnebenkosten wie Sozialbeiträgen der Arbeitgeber oder Kosten zur Weiterbildung zusammen. Zu den Bruttoverdiensten zählen das Entgelt für geleistete Arbeitszeit, Sonderzahlungen, vermögenswirksame Leistungen und die Vergütung für nicht gearbeitete Tage wie Urlaubstage.
Nur wenige EU-Länder teurer
Gemessen am EU-Mittel von 34,90 Euro zahlten Unternehmen hierzulande damit 29 Prozent mehr. Damit liegt Deutschland in der Spitzengruppe. Höher waren die Arbeitskosten 2025 nur in Luxemburg (56,80 Euro), Dänemark (51,70), den Niederlanden (47,90) und Österreich (46,30).
Allerdings gab es für Belgien noch keine Ergebnisse, das Land lag im Vorjahr auf Platz drei. Das Land mit den EU-weit niedrigsten Arbeitskosten 2025 war Bulgarien mit 12,00 Euro pro Arbeitsstunde, gefolgt von Rumänien (13,60 Euro) und Ungarn (15,20 Euro).
Größte Anstiege in Osteuropa
2025 hätten sich die deutschen Arbeitskosten unterdurchschnittlich zum Euroraum und der EU entwickelt, schrieb Ulrike Stein, Arbeitsmarktexpertin am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. „Während sich die Arbeitskosten im privaten Dienstleistungssektor im Durchschnitt bewegten, fiel der Anstieg im Verarbeitenden Gewerbe deutlich unterdurchschnittlich aus.“
Am stärksten stiegen die Arbeitskosten 2025 in Bulgarien (+13,1 Prozent), gefolgt von Kroatien mit 11,6 Prozent und Polen mit 10,5 Prozent. Nur relativ wenig verteuerte sich Arbeit in Frankreich (+2,0 Prozent), Dänemark (+3,0) und Italien (+3,2). In Malta sanken die Arbeitskosten sogar leicht.
An Wettbewerbsposition wenig geändert
Mittelfristig habe sich die Arbeitsstunde in Deutschland seit 2020 um gut ein Fünftel verteuert (+22,3 Prozent), schrieb das Statistische Bundesamt weiter, besonders stark im Gastgewerbe mit einem Plus von 30 Prozent. Der Abstand zum EU-Schnitt änderte sich aber kaum.
So lagen die Arbeitskosten in Deutschland 2020 mit 30 Prozent fast ebenso deutlich über dem EU-Mittel wie 2025 mit 29 Prozent. Aus Sicht der Expertin Stein zeigt das, dass sich an der Wettbewerbsposition Deutschlands bei den Lohnkosten wenig geändert habe. Wirtschaftsverbände fordern immer wieder Reformen, um die hohen Arbeitskosten in Deutschland zu senken.
Stellenabbau in allen Branchen
Wegen der weltweiten Krisen wollen die Unternehmen in Deutschland derweil nach Angaben des ifo-Instituts mehr Stellen abbauen. Das entsprechende Beschäftigungsbarometer sank demnach im März auf den niedrigsten Wert seit fast sechs Jahren. „Die geopolitische Unsicherheit greift auf die Personalplanungen der Unternehmen über“, sagte der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Es werden mehr Arbeitsplätze ab- als aufgebaut.“
Vor allem der ungelöste Konflikt im Nahen Osten belastet die Weltwirtschaft erheblich. Ein Ende der fast vollständigen Blockade der Straße von Hormus, die von zentraler Bedeutung für die Ölversorgung ist, ist nicht abzusehen. In der Folge sind die Energiepreise enorm gestiegen und Lieferketten unterbrochen. Zuvor hatte bereits das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sich pessimistisch geäußert.
Kaum eine Branche bleibt laut ifo vom Arbeitsplatzabbau verschont. So haben sich das Barometer für die Arbeitsmarktsituation in der Industrie verschlechtert, ebenso im Groß- und Einzelhandel. Bei den Dienstleistern sank der entsprechende Indikator auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Corona-Krise. Der Logistik machen gestiegenen Kosten zu schaffen. Auch im Tourismus würden Arbeitsplätze abgebaut.