Autorenfoto Moritz Barthoff01.05.202606:50
In Mailand bleiben Dutzende Flugpassagiere am Boden – nicht wegen einer Flugverspätung, sondern wegen neuer EU-Grenzregeln. Das neue EES-System wird zum Stresstest an Flughäfen.
Am Flughafen Bergamo endete für rund 30 britische Italien-Urlauber die Rückreise bereits am Flughafen. Statt wie geplant mit Ryanair nach Manchester zurückzufliegen, steckten sie laut „Independent“ bis zu eineinhalb Stunden in der Passkontrolle fest, während ihr Flieger abhob. Der Auslöser für das Debakel in der letzten Woche: das neue EU-Ein- und Ausreisesystem EES, das seit April an den Schengen-Außengrenzen gilt.
Ryanair fliegt ohne viele seiner Passagiere los: „Komplettes Chaos“
Das System erfasst biometrische Daten von Nicht-EU-Bürgern und sorgt derzeit europaweit für lange Schlangen, wie der „Independent“ schreibt. Ein 18-Jähriger berichtete der BBC von „komplettem Chaos“, bevor er vom Terminal aus zusehen musste, wie seine Maschine ohne ihn startet.
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Gegenüber dem „Independent“ betonte Ryanair, alle rechtzeitig am Gate erschienenen Passagiere seien befördert worden. Auch sind nicht nur Ryanair-Kunden betroffen: Eine Familie verpasste zuvor ihren Easyjet-Flug von Mailand nach Manchester, nachdem sie fast drei Stunden an der Passkontrolle stand. Von 156 gebuchten Passagieren kamen bei Easyjet nur 34 an Bord; die Familie musste für einen Umweg via Luxemburg rund 1.600 Pfund (rund 1.840 Euro) zahlen.
In Marseille stürmten aufgebrachte Passagiere das Flughafenvorfeld und blockierten stundenlang den Abflug einer Boeing. (Symbolbild) IMAGO / STEINSIEK.CH Auch Easyjet betroffen: Nächster umbuchbarer Flug fünf Tage später
Beide Airlines verwiesen auf geschlossene Gates. Ryanair verlangte von den Passagieren, die ihren Flug verpasst hatten, eine Gebühr von 100 Pfund (rund 115 Euro) für die Umbuchung auf einen neuen Abflug.
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Easyjet wiederum entschuldigte sich für Unannehmlichkeiten und bot laut „Independent“ kostenlose Umbuchungen auf alternative Flüge an. Der nächstangebotene Flug wäre jedoch erst fünf Tage später gestartet – so entschied sich die Familie für die teure Lösung via Luxemburg.
EU-Einreise: Das steckt hinter dem neuen System EES
Das Entry-Exit-System (EES) ist ein neues, automatisiertes IT-System für Drittstaatsangehörige, die für Kurzaufenthalte in die EU einreisen wollen. Das System nutzen müssen alle ohne EU-, EWR- oder Schweizer Pass, erklärt die EU. Bei jeder Ein- und Ausreise in die teilnehmenden Staaten werden Daten wie Fingerabdrücke und Gesichtsbilder digital erfasst.
Laut EU ersetzt das EES schrittweise den Stempel im Pass und soll Kontrollen langfristig beschleunigen. Gleichzeitig soll das System die Sicherheit erhöhen sowie als Werkzeug gegen „irreguläre“ Migration dienen: Es dokumentiert exakt, wer wie lange im Schengen-Raum bleibt, und soll Identitätsbetrug erschweren.