Der britische Völkerrechtler Philippe Sands hatte analog zu Nürnberg schon 2022 ein Sondertribunal gegen Putin gefordert. Der Jurist hatte in seinem Buch „Rückkehr nach Lemberg“ die völkerrechtlichen Grundlagen der Nürnberger Prozesse beleuchtet. Sands sagte der „Süddeutschen Zeitung“ zu den Erfolgsaussichten eines Prozesses gegen Putin: „Ich bin sicher, irgendwo tief in den Akten in Moskau wird man auch heute Papiere finden, die darauf verweisen, dass das russische Vorgehen illegal ist.“
Völkerrechtsexperte Philippe Sands setzte sich lange für ein Sondertribunal ein. Er sieht das Vorgehen des neuen Gerichts in der Tradition des russisch-sowjetischen Rechts. So erklärt der Rechtsexperte zum Verbot des Angriffskriegs, das Putin zur Last gelegt wird: „Wir wollen an Regeln anknüpfen, die in Russland längst bestehen und sogar aus Russland selbst kommen. Es war der sowjetische Jurist Aron Trainin, der 1945 das Verbrechen des Angriffskriegs formulierte, das dann in Nürnberg den Nazi-Größen vorgeworfen wurde.“
Sands‘ Mahnung mit Blick auf ein mögliches Verfahren gegen Putin: „Es darf keine Immunität geben.“
Wladimir Putin kommt nicht unmittelbar vor Gericht. In der Ukraine wurde aber die Bedeutung des EU-Beschlusses hervorgehoben. Die ukrainische Juristin Iryna Mudra sagte der Zeitung „Kyiv Independent“, das Völkerrecht sei „nicht abstrakt, sondern konkret durchsetzbar“.