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Abkehr von der Unreal Engine
Ex-Epic-Veteran plant europäische KI-Engine
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Die Dominanz der Unreal Engine 5 im AAA-Bereich könnte künftig Konkurrenz aus dem europäischen Umfeld erhalten. Denn mit der sogenannten Immense Engine arbeitet der frühere Guerrilla-Mitgründer und langjährige Epic-Mitarbeiter Arjan Brussee an einer neuen Technologieplattform, die moderne Spieleentwicklung stärker auf KI-gestützte Prozesse ausrichten soll.
Brussee war viele Jahre bei Epic Games tätig und verantwortete dort unter anderem Produktstrategien rund um die Unreal Engine. Zuvor gehörte er zu den Mitbegründern von Guerrilla Games und arbeitete an Spielreihen wie Killzone. Mit seinem neuen Projekt verfolgt er nun einen technisch und strukturell anderen Ansatz.
Die Immense Engine entsteht bei einem niederländischen Startup und soll vollständig innerhalb Europas entwickelt und gehostet werden. Mitschwingen tut dabei auch das Thema „technologische Souveränität“. Gleichzeitig geht es Brussee aber nicht nur um Infrastruktur oder Standortfragen, sondern vor allem um eine andere Form der Interaktion mit Entwicklungswerkzeugen.
Aktuelle Engines wie Unreal Engine 5 setzen auf komplexe Editor-Oberflächen, umfangreiche Menüs und manuelle Arbeitsabläufe. Die Immense Engine soll stattdessen native KI-Agenten direkt in die Entwicklungsumgebung integrieren. Modelle wie ChatGPT oder Claude sollen nicht nur unterstützende Werkzeuge sein, sondern als aktive Module innerhalb der Engine arbeiten.
Technisch bedeutet dies eine stärkere Automatisierung zahlreicher Prozesse. KI-Systeme könnten etwa Inhalte generieren, Workflows koordinieren, Skripte erstellen oder Anpassungen an Spielwelten direkt umsetzen. Die klassische Navigation durch Menüs und manuelle Konfigurationen würde dadurch größtenteils ersetzt oder ergänzt werden.
Brussee argumentiert, dass die zunehmende Komplexität moderner Spieleproduktionen mit herkömmlichen Methoden immer schwerer beherrschbar werde. Durch den Einsatz spezialisierter KI-Agenten könnten Entwicklungsabläufe effizienter organisiert und Aufgaben gebündelt werden, die bislang große Teams erforderten.
Die geplante Engine richtet sich dabei nicht ausschließlich an die Spielebranche. Laut Brussee gewinnen interaktive 3D-Welten auch in anderen Bereichen an Bedeutung, etwa bei Simulationen, Visualisierungen oder industriellen Anwendungen. Eine Engine mit integrierter KI-Steuerung könnte dort ebenfalls gut eingesetzt werden.