Detmold. Die Werte Europas – Demokratie, Offenheit, Vielfalt und Zusammenhalt – vor Ort in Detmold zu erleben, das ermöglichen die Europatage in der Residenzstadt. Unter dem Motto „Wir hissen die europäische Fahne – 50 Jahre Detmold-Hasselt“ hatte die Stadt in der vergangenen Woche zu einer vielfältigen Veranstaltungsreihe mit Schwerpunkt auf der 50-jährige Städtepartnerschaft mit Hasselt eingeladen.
Im Mai 1976 wurde in Hasselt die Partnerschaftsurkunde zwischen Detmold und der Limburger Hauptstadt unterzeichnet. Sie ist eine von 115 Partnerschaften zwischen belgischen und deutschen Städten, war seinerzeit die 60. Und dennoch keine Selbstverständlichkeit: Nach engen Beziehungen zwischen Deutschland und Belgien im 19. Jahrhundert, brachten die deutschen Einmärsche zu Beginn des Ersten Weltkriegs und im Zweiten Weltkrieg mit anschließenden drakonischen Besatzungsregimen das Verhältnis der beiden Länder auf einen Tiefpunkt.
Dennoch gehörte Belgien zu den ersten Staaten, die wieder diplomatische Beziehungen zu Deutschland aufnahmen, berichtete Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink am Freitag in einem Vortrag zur deutsch-belgischen Geschichte. Sie gab damit einen historischen Rahmen, in den die Partnerschaft Hasselt-Detmold eingeordnet werden kann.
Kulinarische Leckerbissen beim Europäischen Markt
Als eine von mehreren Veranstaltungen fand am Samstag zudem der „Europäische Markt“ als wichtiger Beitrag für das Miteinander in der Stadt an der Rosental-Galerie statt. Verschiedene internationale Gesellschaften, Vereine und Schulen präsentierten sich den Besuchern, teils mit landestypischen Köstlichkeiten, und feierten gemeinsam die „Goldhochzeit“ Detmolds und Hasselts.
Bei hervorragendem Wetter wurde es ein harmonischer Austausch. Es duftete aus allen Ecken des Marktes, die jeweiligen Landesflaggen an den Pavillons wiesen den Besuchern die Wege zu den kulinarischen Leckerbissen. So gab es etwa am Stand der Italienisch-deutschen Gesellschaft frisch im Ofen gebackene Pizza Margherita, am finnischen Stand kleine Brotscheiben mit deftigem Aufschnitt. Die Deutsch-Französische Gesellschaft Detmold zauberte vor Ort frisch gebackene Crêpes mit süßen Aufstrichen und die Mitglieder des Türkischen Kulturzentrums Detmold (ditib) versorgte die Gäste mit gefüllten Weinblättern und Baklava, echten türkischen Spezialitäten.
15-köpfige Abordnung zu Gast

Schaepin Karolien Mondelaers, Bürgermeister Frank Hilker und sein Hasselter Amtskollege Steven Vandeput präsentieren das Borrelmanneke mit seinem Mäntelchen.
(© Stadt Detmold)
Ebenfalls mit einem Stand vertreten war die Stadt Hasselt aus Belgien, aus der eine rund 15-köpfige Abordnung inklusive Bürgermeister Steven Vandeput angereist war, um gemeinsam in Detmold das Jubiläum der Städtepartnerschaft zu feiern. Bürgermeister Frank Hilker empfing die Gäste am Hasselter Platz, den sie zusammen nach der Umgestaltung wiedereröffneten.
Wie es in Hasselt Tradition ist, wurde dem Borrelmanneke, der Brunnenfigur auf dem Platz, dabei von der Hasselter Beigeordneten (Schaepin) Karolien Mondelaers ein Mäntelchen umgelegt. Das Borrelmanneke war ein Geschenk der Stadt Hasselt an Detmold. Das Original steht in Hasselt und symbolisiert Wirtschaftskraft, Fleiß und Unternehmergeist genauso wie Fröhlichkeit und Geselligkeit. Es deutet auf den Ursprung des Hasselter Wohlstands hin, der in der Geneverproduktion und der Viehzucht zu finden ist. Die ursprüngliche Anlage des Hasselter Platzes in Detmold geht dabei auf eine Initiative des Partnerschaftsvereins Detmold-Hasselt zurück.
Festakt im Landestheater
Es folgte ein Festakt im Landestheater. Der Ort war nicht zufällig gewählt, denn den Kulturschaffenden ist die Freundschaft der Städte im Grunde zu verdanken. Diese Partnerschaft beruhte auf Gastspielen des Landestheaters Detmold in Hasselt. An der Bühne wirkte damals ein junger Sänger aus Hasselt, der die Anregung für den ersten Abstecher in seine Heimatstadt gab.
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Nach „990 Tagen Verlobungszeit“, so schilderte es Peter-Uwe Witt, der schon damals dem Ensemble des Landestheaters angehörte, mündete dieser kulturelle Austausch in die Partnerschaft, die danach von breitem bürgerschaftlichem Engagement getragen wurde. Genau darin bestehe der Sinn einer solchen Jumelage, bekräftigte Alt-Bürgermeister Friedrich Brakemeier, der Hasselter Ehrenbürger ist. Die Partnerschaft müsse den Kontakt zwischen Menschen dienen.
Europa im Blick

Bürgermeister Steven Vandeput aus Hasselt in Belgien (links) und Bürgermeister Frank Hilker beim Ortsteilfest in Hiddesen.
(© Nicole Ellerbrake)
„Das ist Europa im besten Sinne: nicht nur ein politisches Gemeinschaftsprojekt, sondern ein gelebtes Miteinander“, unterstrich Detmolds Bürgermeister Frank Hilker. „Lassen Sie uns diesen Geist auch weiterhin pflegen: neugierig auf andere Kulturen bleiben, ohne Vorurteile aufeinander zugehen und die gemeinsamen Werte stärken, die Europa tragen.“ Mehr denn je riefen die künftigen Herausforderungen dazu auf, über Grenzen hinweg zu kooperieren, nahm der Hasselter Bürgermeister Steven Vandeput den Ball auf. „Unsere Partnerschaft zeigt, dass das nicht nur möglich ist, sondern fruchtbar und bereichernd.“
Beim Ortsteilfest in Hiddesen ging die Feier des Jubiläums dann weiter. Nach verschiedenen Aufführungen und Redebeiträgen unterzeichneten Frank Hilker und Steven Vandeput symbolisch erneut eine Partnerschaftsurkunde. Außerdem ehrten sie gemeinsam Menschen, die sich um diese Beziehungen sehr verdient gemacht hatten: Auf Detmolder Seite waren dies Peter-Uwe Witt und Friedrich Brakemeier, auf Hasselter Seite Marie-Berthe Krzywania, Zygmund Krzywania, Karolien Mondelaers und nicht zuletzt Piet Jaspert. Er war der Leiter der Hasselter Tourist Info, über ihn waren 1973 die ersten Kontakte zwischen der Stadt Hasselt und dem Landestheater entstanden.
„Die Europatage erinnern uns jedes Jahr daran, wie wertvoll und zugleich wie fragil das ist, was Europa ausmacht: Frieden, Verständigung und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg“, sagte Hilker. Die Städtepartnerschaft gehöre nun den jungen Leuten, die diese weiterhin pflegen und vor allem leben müssen. Schon am Freitag hatten sie sich in einer Podiumsdiskussion ernst mit Beteiligungsmöglichkeiten auseinandergesetzt. Am Samstag zeigten sie mit internationalen Tänzen, dass über Grenzen hinweg gemeinsam sehr gut gefeiert werden kann. Einen Partner fanden sie dabei im Hasselter Entertainer Jos Tutz und seinen Liedern.