Neue Daten des T&E-Ölprofit-Trackers zeigen, dass Raffinerien und Tankstellen in Deutschland infolge des Iran-Konflikts im Jahr 2026 voraussichtlich 4,9 Milliarden Euro Übergewinn erzielen werden, sollte sich die derzeitige Marktentwicklung fortsetzen. [1] [2] Seit dem Angriff der USA und Israels auf Iran haben Raffinerien und Tankstellenbetreiber in Deutschland eine Milliarde Übergewinn erzielt. T&E fordert von der Bundesregierung, sich für eine Übergewinnsteuer einzusetzen und Maßnahmen, die E-Mobilität fördern statt der aktuellen Steuergeschenke für Ölkonzerne (bekannt als “Tankrabatt”).

Die Spritpreise sind seit Ausbruch des Konflikts am 28. Februar schnell gestiegen. Der T&E-Ölprofit-Tracker erfasst wöchentlich den letzten Stand. In Deutschland kostet das Befüllen eines 55-Liter-Dieseltanks laut Tracker durchschnittlich 28,60 Euro mehr als vor Beginn des Konflikts. Im Schnitt stieg der Preis für einen Liter Benzin um 33 Cent, für einen Liter Diesel um 52 Cent. Dabei profitieren die Ölkonzerne am meisten: Vom Diesel-Anstieg flossen 43 Cent an die Ölindustrie und 9 Cent an die deutsche Regierung.

Sebastian Bock, Geschäftsführer bei T&E Deutschland, sagt: „Die Bundesregierung wirkt handlungsunfähig und strategielos, indem ihre einzige Maßnahme gegen die Ölkrise ein Steuergeschenk für die Ölkonzerne in Form des Tankrabatts ist. Statt nun beherzt auf Unabhängigkeit durch Elektrifizierung zu setzen, manövrieren wir uns immer weiter in eine wirtschafts- und sicherheitspolitische Sackgasse. Wir brauchen dringend eine EU-Übergewinnsteuer, um trotz der angespannten Haushaltslage schnellstmöglich den Verkehrssektor zu elektrifizieren. Nur so werden wir wirklich unabhängiger gegen Schocks am Ölmarkt.”

T&E fordert von der Bundesregierung, statt des teuren und wenig treffsicheren Tankrabatts kurzfristig mit zielgerichteten Maßnahmen wie Social Leasing Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen den Umstieg auf E-Autos zu erleichtern. Nach T&E-Berechnungen könnten mit den 1,6 Milliarden Euro, die der Tankrabatt im Mai und Juni kosten wird, rund 400.000 Social Leasing Verträge ermöglicht werden. [3] Gleichzeitig fordert T&E von der Bundesregierung ein Bekenntnis zu den bestehenden CO2-Flottengrenzwerte für Pkw, da sie EU-weit der wichtigste Hebel sind, um den Ölverbrauch im Verkehrssektor zu senken.

Zudem braucht es eine EU-weite Übergewinnsteuer, so T&E. Die EU hat es bisher versäumt, eine Sondersteuer auf Übergewinne der Ölkonzerne vorzulegen. T&E ruft die deutsche Regierung auf, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, da die Margen der Ölkonzerne weiterhin hoch sind und sie den von der Bundesregierung eingeführten Tankrabatt nicht vollständig an die Bevölkerung weitergeben.

Schon 2022 führte die EU eine Übergewinnsteuer von 33 Prozent aus fossilen Kraftstoffen ein. Übergewinn wurde als 20 Prozent oder mehr über dem Durchschnitt der Jahre 2018–2021 liegend definiert. Schätzungen zufolge konnten so zwischen 2022 und 2023 28 Milliarden Euro eingenommen werden. Inzwischen haben ökonomische Studien die Mängel dieses Mechanismus aufgezeigt, und es wäre möglich, einen robusteren Mechanismus mit einer breiteren Steuerbasis und einer umfassenderen sektoralen Abdeckung zu entwickeln. Ein solcher Mechanismus sollte die Grundlage für einen überarbeiteten EU-Vorschlag bilden, so T&E. [4]

Anmerkungen für die Redaktion:

[1] Hochgerechnet auf das ganze Jahr 2026 auf Basis der derzeitigen Margen. Die Zahl ändert sich wöchentlich, sobald der Tracker aktualisiert wird.

[2] Die Schätzung von T&E ist insofern konservativ, als dass sie nur Kraftstoffe für den Straßenverkehr umfasst und keine Übergewinne aus dem Verkauf von Flug- oder Schiffskraftstoff, Heizöl oder anderen in Europa verkauften Raffinerieprodukten berücksichtigt. Weitere Einzelheiten finden Sie in den methodischen Hinweisen.

[3] T&E schlägt vor, Social Leasing als „Add-on“ zur bestehenden Kaufförderung einzuführen mit einem Preisdeckel, der bezahlbare Modelle fördert (40.000 – 45.000 Euro). Ausgehend von der höchsten Kaufförderung (6.000 Euro) könnten mit 4.000 Euro zusätzlich Leasingraten von 170 bis 220 Euro pro Monat geschaffen werden (bei einem Autopreis von 30.000 Euro und einer Leasingdauer von 6 Jahren).

[4] Die Übergewinne können nicht 1:1 als Bemessungsgrundlage für eine Steuer herangezogen werden, da nicht die gesamte Raffination in Europa stattfindet und Ölkonzerne ihre Gewinne auf ihre verschiedenen Märkte verteilen können. Eine EU-weite Sondersteuer wäre dennoch wirksam, um einen Teil dieser Sondergewinne zu besteuern.