Circular Republic hat eine neue europäische Start-up-Landkarte für die Kreislaufwirtschaft vorgelegt. Die Erhebung wurde 2026 zum vierten Mal veröffentlicht und auf der IFAT Munich vorgestellt. Nach Angaben der Initiative für Kreislaufwirtschaft der Start-up-Plattform UnternehmerTUM zeigt die Analyse eine wachsende Innovationsdynamik bei der Rückgewinnung kritischer Rohstoffe sowie bei industriellen Anwendungen wie der automatisierten Demontage.
Für die Start-up-Landkarte wurden rund 2.800 Start-ups mit zirkulären Geschäftsmodellen in Europa identifiziert, teilte Circular Republic mit. Damit bleibe Europa ein wichtiger Standort für Unternehmensgründungen in der Kreislaufwirtschaft. Die meisten Start-ups in diesem Bereich entstünden demnach weiterhin in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl lägen Länder wie Estland und Finnland vorn.
Die aktuelle Auswertung nimmt neben allgemeinen Finanzierungstrends vor allem die automatisierte Demontage und die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe in den Blick. Hintergrund sind geopolitische Krisen, fragile Lieferketten und steigende Rohstoffpreise. Nach Darstellung von Circular Republic gewinnt die Kreislaufwirtschaft dadurch an Bedeutung für die wirtschaftliche Resilienz Europas und den Umgang mit kritischen Rohstoffabhängigkeiten.
Europa muss zirkuläre Lösungen ausbauen, um Marktführerschaft zu sichern
Beim Wagniskapital sieht die Erhebung Europa in einer führenden Rolle. Mehr als 55 Prozent des weltweit in Circular-Economy-Start-ups investierten Wagniskapitals seien 2024 nach Europa geflossen. Circular Republic verweist zugleich darauf, dass zirkuläre Lösungen industrialisiert und skaliert werden müssten, damit Europa diesen Vorsprung nicht verliere.
Ein besonderer Fokus liegt auf kritischen Rohstoffen. Nach Angaben der Initiative sind die Recyclingquoten gerade bei Materialien mit hoher Importabhängigkeit besonders niedrig. Bei Seltenen Erden, die unter anderem in Windkraftanlagen, Traktionsmotoren und Robotik eingesetzt werden, sei Europa bis zu 95 Prozent von Importen aus China abhängig. Vor diesem Hintergrund werde Kreislaufwirtschaft zunehmend als strategisches Instrument für wirtschaftliche Souveränität betrachtet.
Während zirkuläre Geschäftsmodelle lange stark im B2C-Bereich, also im Geschäft mit Endkunden, vertreten gewesen seien, gewinnen laut Circular Republic industrielle Anwendungen an Bedeutung. Das seien unter anderem Technologien zur automatisierten Demontage, mit denen wertvolle Materialien einschließlich kritischer Rohstoffe zurückgewonnen und Prozesskosten gesenkt werden können. Als Beispiele nennt die Initiative R3 Robotics mit KI-gestützter Robotik für industrielle Demontage, WeSort.AI mit KI-basierter Sortierung von Stoffströmen und DEScycle mit Verfahren zur Rückgewinnung von Seltenen Erden.
Nur fünf Prozent der Start-ups konzentrieren sich auf kritische Rohstoffe
Nach der Erhebung arbeiten rund 15 Prozent der europäischen Circular-Economy-Start-ups an Recyclinglösungen zur Schließung von Materialkreisläufen. Weniger als fünf Prozent der Start-ups konzentrieren sich jedoch auf kritische Rohstoffe. Circular Republic sieht außerdem bislang nur wenige Start-ups an der Schnittstelle von Kreislaufwirtschaft und Künstlicher Intelligenz, obwohl diese für die Skalierung hardwarebasierter Lösungen eine Rolle spielen könnten.
Die Start-up-Landkarte wurde im Rahmen der Verleihung des Knorr-Bremse Circular Technology Awards präsentiert. Der Preis wird von Knorr-Bremse und der Heinz Hermann Thiele Familienstiftung in Partnerschaft mit Circular Republic vergeben und richtet sich an Start-ups sowie kleine und mittelständische Unternehmen aus Europa. Ausgezeichnet wurden die bereits genannten Unternehmen DEScycle und R3 Robotics sowie Hiro Robotics und die HyProMag GmbH. Hiro Robotics entwickelt Lösungen für die robotik- und KI-gestützte Demontage und Sortierung von Elektroaltgeräten. HyProMag gewinnt Permanentmagnete auf Basis Seltener Erden zurück und bereitet sie wieder auf.