Was wurde nicht alles diskutiert im Vorfeld und schlecht geredet seit der Wahl von Sarah Engels als deutscher Act beim Eurovision Song Contest (ESC): Ihr Song „Fire“ sei zu schlecht, Sarah Engels sei nicht die richtige Wahl, mit ihr lande Deutschland – mal wieder – am Ende der Punktetabelle. Und so weiter und so fort.

Seit Dienstag und ihrer ersten Performance im Halbfinale des Musik-Spektakels in Wien, wo sie außer Konkurrenz auftrat, dürften die kritischen Stimmen etwas verstummen. Zu recht, denn Engels lieferte eine gute Show ab, traf alle Töne und riss die Menge in der Wiener Stadthalle mit – ganz im Gegensatz zu den Vertretern einiger anderer Nationen, die völlig zu recht ausschieden oder bei den Zuschauern einige Fragezeichen hinterließen. Zudem sorgte sie mit einem waghalsigen Stunt für viel Aufsehen, in dem sie sich von einem hohen Podest rückwärts in die Arme ihrer Tänzerinnen fallen ließ – so liefert man ab.

Vielleicht vermittelte sie so die Botschaft „Habt Vertrauen“. Denn das gibt es in Deutschland augenscheinlich nicht mehr, nicht in der Politik, nicht in der Gesellschaft, und auch nicht beim ESC trauen die Deutschen ihrem eigenen Act zu, etwas zu reißen. Das ist schade und bedenklich. Ein Kritikpunkt an ihrem Auftritt ist, dass Engels und ihre Tänzerinnen den Auftritt zu sehr auf Erotik getrimmt hatten, viel Haut, knappe Bodies, sexy Blicke.

Aber der Auftritt der Kölnerin zeigte ungeachtet der Erotik deutlich: Mit Deutschland ist zu rechnen. Dass es vielleicht bessere Songs gibt – geschenkt. Und vermutlich wird der Sieg am Samstag im Finale an eine andere Nation gehen, aber das ist am Ende auch egal. Viel wichtiger ist die Einstellung, die Engels mit ihrem Auftreten beim ESC zeigt: Die Kritik verunsichert mich nicht, ich will abliefern, der ESC ist eine einmalige Chance.

Dass Engels kein Verständnis für die zum Teil unterirdische Kritik hat, ist auch völlig nachvollziehbar. Sie fordert mehr Unterstützung: „Alle Länder supporten ihre Acts“, sagte sie kürzlich im Norddeutschen Rundfunk. In Deutschland dagegen höre sie viel Kritik und die pessimistische Erwartung einer schlechten Platzierung. „Wir sollten doch viel mehr zusammenhalten“, findet die Sängerin. Deutschland ist gut im Schlechtreden, auch beim ESC.

Daher geht die Bitte an alle Kritiker jetzt raus: Lasst sie doch einfach mal machen. Et hätt noch immer jot jejange, sagt man in Engels‘ Heimatstadt Köln.