Sie ist eine der größten Sensationen in 70 Jahren Eurovision Song Contest (ESC): Darina Jotowa, kurz Dara, verzauberte im ESC-Finale mit ihrem „Bangaranga“ die internationalen Jurys genau wie das Fernsehpublikum in Europa. Noch nie konnte ein Land den Musikwettbewerb mit einem so großen Punktevorsprung gewinnen wie die 27-Jährige – sie löst den Norweger Alexander Rybak ab.Dara war in Westeuropa bislang nur Musikexperten bekannt. In ihrem Heimatland ist sie dagegen seit Langem ein Star. Die am 9. September 1998 geborene Sängerin schaffte mehrere Nummer-1-Hits in ihrem Heimatland, ihr kraftvoller Stil machte sie zu einem der aufkommenden Stars auch auf dem Balkan.
In Wien zeigte sie sich in den vergangenen Tagen ohne Starallüren und nahbar. Fans konnten sie im Schnellimbiss in der Nähe der Wiener Stadthalle beim Essen treffen – inklusive viel Spaß am gemeinsamen Selfie.
Dara hat erkennbar Lust am Feiern und steckt voller Energie – ihr „Bangaranga“ ist der passende Hit dazu. Das Lied ist für die junge Frau eine Hymne an das Feiern und die Emanzipation. Das Wort soll aus dem jamaikanischen Dialekt kommen und Rebellion bedeuten.
Schon als Kind hatte sich Dara für Musik begeistert. Die in Varna an der Schwarzmeerküste geborene Sängerin begann mit sieben Jahren mit Volksmusik, bald widmete sie sich aber der Popmusik.
Dara absolvierte die bulgarische nationale Kunsthochschule. Einer größeren Öffentlichkeit in ihrem Heimatland wurde sie vor gut zehn Jahren bekannt, 2015 nahm sie an der Castingshow „X Factor Bulgarien“ teil.
Erster Nummer-1-Hit in 2025
Schon im Folgejahr schaffte sie ihren ersten Nummer-1-Hit in ihrem Heimatland. Seitdem hat sie auf dem osteuropäischen Markt immer neue Erfolge aneinanderreihen können und spielt in aller Regel ausverkaufte Konzerte – ihre Mischung aus Pop mit urbanen Einflüssen begeistert das Publikum.
Dara erhielt in ihrer Heimat zahlreiche Auszeichnungen und blieb auch im Fernsehen dauerpräsent, etwa als Coach im Castingformat „The Voice“. Vergangenes Jahr durfte sie als Vorband zum Auftakt der Welttournee von Superstar Robbie Williams in Sofia auftreten. Nun hat sie den weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerb zum ESC 2027 nach Sofia geholt.
Dass es dazu kommen konnte, ist auch dem Ehemann der Sängerin zu verdanken. Ohne ihn wäre sie nicht in Wien, sagte Dara nach ihrem Sieg. „Er hat mich gepusht, zum Eurovision zu fahren“. Du musst teilnehmen, habe er ihr gesagt.
Bulgarien nahm am ESC mehrere Jahre nicht teil
In den vergangenen drei Jahren hatte Bulgarien aus finanziellen Gründen auf eine ESC-Teilnahme verzichtet. In einem Jahr, in dem der Streit um die Teilnahme Israels die Gemeinschaft der ESC-Teilnehmerländer spaltete und fünf Länder verzichteten, konnte damit ausgerechnet ein Rückkehrerland gewinnen. Dara hofft darauf, dass der Wettbewerb die Länder in Europa wieder stärker verbinden kann – ausdrücklich stellte sie sich hinter das ESC-Motto, „United by Music“, vereint durch Musik.
Die junge Frau betont dabei aber auch die individuelle Eigenständigkeit. Sie liebe es, Regeln zu brechen und nach ihren eigenen Regeln zu handeln. Die Energie, die sie dabei mit ihrer spektakulären Art zu tanzen auf die Bühne bringt, ist womöglich auch in ihrer Hyperaktivität begründet. Ihre ADHS-Erkrankung inspirierte Dara auch zum Titel ihres jüngsten Albums – „ADHDara“. „Dieses Syndrom und all die Dinge, gegen die ich zu kämpfen versuche, sind Teil von mir“, erklärte sie vergangenen September in einem Interview.
In ihrem Heimatland waren schon vor dem ESC große Erwartungen mit Daras Auftritt verbunden worden. Bulgariens Präsidentin Iliana Iotowa schrieb vor dem Finale, „du hast bereits den ersten Platz in den Herzen ganz Bulgariens. Du wirst auch Europa erobern“. Anders als die Wettbüros, die Finnland vorne sahen, behielt die bulgarische Präsidentin tatsächlich Recht. Iotowa kann sich nun über eine äußerst quirlige, vor Energie strotzende Botschafterin freuen.