Diese letzten Meter taten weh. Sie waren aber nötig. 2500 Fans waren nach Berlin gekommen, um den FC Augsburg zu unterstützen. Der Gästeblock war ausverkauft. Kommt bei Gastspielen des FCA nicht immer vor. Dieser Samstag aber war ein besonderer. Die Augsburger durften noch auf Europa hoffen – allerdings nicht lange.
0:4 hieß es am Ende nach einer enttäuschenden Leistung. Die Spieler waren entsprechend niedergeschlagen. Mit hängenden Köpfen standen sie auf dem Rasen. Kapitän Jeffrey Gouweleeuw diskutierte zunächst mit Geschäftsführer Michael Ströll, später mit Michael Gregoritsch. Irgendwann aber machte sich die Mannschaft auf in Richtung Fans. Danke sagen für die Unterstützung.
Der Nachmittag hatte geschmerzt. „Wir waren heute nicht gut genug“, sagte Michael Gregoritsch. Die Stimmung in der Kabine war trist. Niedergeschlagen saßen die Spieler auf ihren Plätzen. Sie hatten geträumt. Von Rang sieben und der Qualifikation für die Play-offs der Conference League. Vergeblich. Wegen der eigenen schwachen Leistung, aber auch wegen des zeitgleichen 4:1-Erfolges des SC Freiburg gegen Leipzig. So hätte dem FCA auch ein eigener Erfolg nicht geholfen.
Der Samstag war eine Enttäuschung für den FCA
Kein wirklicher Trost. Weil die eigene Leistung so gar nicht zu den vergangenen Wochen passen wollte. In der Abwehr sorgten Tölpelheiten für die Gegentore, in der Offensive gelang kaum Brauchbares. So hatte Union Berlin leichtes Spiel. „Das Spiel heute tut weh“, sagte Gregoritsch. Er erklärte zumindest, was an diesem Nachmittag passiert war. Nicht jeder Spieler hatte Lust dazu.
Der Österreicher ist einer der Routiniers im Team. Er hat viel erlebt. Auch schon Enttäuschungen. Eine solche war der Samstag. Aber eben nicht die ganze Saison. Das betonte Gregoritsch, der im Januar aus Kopenhagen nach Augsburg verliehen worden war. „Wir dürfen uns im Laufe des Abends auf die Schulter klopfen und stolz darauf sein, was wir in dieser Saison geleistet haben“, sagte Gregoritsch.

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Fabian Rieder, Yannik Keitel, Michael Gregoritsch und Finn Dahmen bei der Ankunft bei der Saisonabschlussfeier.
Foto: Christian Kolbert, Kolbert-Press
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Fabian Rieder, Yannik Keitel, Michael Gregoritsch und Finn Dahmen bei der Ankunft bei der Saisonabschlussfeier.
Foto: Christian Kolbert, Kolbert-Press
Damit war das Motto des Samstagabends gesetzt. Zeitnah nach Spielschluss ging es mit dem Flieger zurück nach Augsburg. Die Saisonabschlussfeier wartete. Um 21 Uhr waren Mannschaft und Trainerteam bereits zurück, vom Flughafen ging es direkt auf die Feier mit Fans und Sponsoren.
Um etwa 22 Uhr kamen die Spieler im ehemaligen Straßenbahndepot am Senkelbach an. Eine lockere Atmosphäre mit mehreren Food-Stationen und Stehtischen erwartete sie. Als Hauptspeise gab es unter anderem Rinderhüfte mit Kartoffelgratin. Die Nachspeise war ganz in den Farben rot-grün-weiß gehalten. Zunächst spielte eine Band, später legte ein DJ auf.
Der FCA kämpfte am letzten Spieltag noch um das internationale Geschäft. Damit war nicht zwingend zu rechnen. Gregoritsch hatte kurz nach seiner Ankunft beim FCA davon geredet, dass es ein heißer Kampf bis zum letzten Spieltag werden würde. Er war damals eher davon ausgegangen, dass es um den Klassenerhalt gehen würde. Die Rückrunde aber entwickelte sich immer besser. Auch Gregoritsch trug seinen Teil dazu bei. Wie es mit ihm weiter geht? Die Leihe endet, der FCA aber hat eine Kaufoption. Gregoritsch fühlt sich wohl, der Klub weiß um seine Fähigkeiten. Er wird wohl bleiben und hätte gerne eine Entscheidung vor der anstehenden WM.
Rieders Wechsel auf die Sechs war eine wichtige Rotation
Eine wichtige Rolle im Augsburger Aufschwung der vergangenen Wochen und Monate spielte auch Fabian Rieder. Der Schweizer spielte seit Hälfte zwei gegen Stuttgart im zentralen Mittelfeld – eine wichtige Entscheidung für den weiteren Verlauf der Saison. Es ist die Rolle, in der sich Rieder sehr wohlfühlt. Und das durch starke Leistungen regelmäßig zeigte. „Ich bin sehr glücklich mit der Rückrunde. Der Wechsel auf die Sechs hat mir einen Schub gegeben. Dort kann ich meine Qualitäten am besten zeigen“, sagte Rieder.
Der Schweizer ist stolz auf die Mannschaft. Auf das, was sie geleistet habe. Unabhängig vom enttäuschenden Abschluss in Berlin. „Wenn jemand gesagt hätte, dass wir um Europa spielen, hätte jeder gemeint, ihr spinnt doch“, so der Schweizer. Die Augsburger aber kämpften tatsächlich um eine internationale Teilnahme. Das macht Lust auf mehr. „Wir werden hungrig bleiben in der neuen Saison“, sagte Rieder.
Er hat einen Vertrag bis 2030 und möchte zumindest in der neuen Runde weiter in Augsburg bleiben – auch wenn es demnächst Interessenten für einen Wechsel geben sollte, was angesichts seiner Leistungen nicht überraschend wäre. „Ich freue mich schon unglaublich auf die neue Saison. Ich fühle mich sehr wohl hier, der FCA ist ein sehr guter Verein für mich“, sagte er. Eine Woche wird er jetzt in den Urlaub gehen, ehe er für die Schweiz bei der Weltmeisterschaft dabei ist.
Der FCA lässt sich die Saison nicht vom Samstag zerstören
Zunächst einmal aber geht es darum, die Saison zu verarbeiten. „Wenn man sieht, wie wir uns gefangen haben, kann man viel Positives aus dieser Saison rausnehmen“, sagte Rieder, gab aber auch zu: „Wenn wir die Vorrunde anschauen, wäre es vielleicht ein bisschen zu viel gewesen mit Europa.“
Die Stimmung am Samstagabend war dennoch gut. „Wir lassen uns die Saison nicht von heute einreißen“, sagte Gregoritsch. Und Rieder präsentierte seinen Plan: Das ein oder andere Glas Rotwein könnte es schon werden. „Eigentlich bin ich aber eher der Gin-Tonic-Typ“, sagte der Schweizer und verschwand in den Abend.