Bis zu 170 Milliarden Euro
Diese Zahlen machen Europas Energiepolitik Druck
02.04.2026 – 14:22 UhrLesedauer: 3 Min.
Solarmodule: Photovoltaik senkt den Gasbedarf – und spart Milliarden Euro. (Quelle: IMAGO/Gottfried Czepluch/imago)
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Solarstrom entlastet Europas Energiekosten deutlich. Neue Zahlen zeigen: Allein im März wurden Milliarden Euro eingespart.
Die steigenden Gaspreise infolge der Eskalation in Nahost setzen Europas Energiemarkt unter Druck. Eine neue Analyse von Solarpower Europe zeigt jedoch, dass die Belastung noch viel größer ausfallen könnte, wenn es keine Photovoltaikanlagen gäbe. Denn die bereits installierten Solaranlagen ersparen der EU Gasimporte im Milliardenbereich.
Solar spart täglich dreistellige Millionenbeträge
Laut der Studie hat die EU allein in den ersten 17 Tagen seit Beginn des Nahostkonflikts täglich rund 111,7 Millionen Euro an Gasimporten eingespart. Insgesamt reduzierte die Solarenergie in diesem Zeitraum die Kosten für fossile Energieimporte um etwa 32 Prozent. Auf den gesamten Monat März berechnet, summiert sich die Einsparung auf rund 3,77 Milliarden Euro.
Warum Solarstrom die Preise drückt
Konkret erzeugten die PV-Anlagen EU-weit in den ersten zweieinhalb Wochen des Konflikts rund 19,9 Terawattstunden (TWh) Strom, etwa den jährlichen Strombedarf einer Metropole wie Berlin. Hätte ein Gaskraftwerk diese Menge produziert, hätte das zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 1,9 Milliarden Euro verursacht.
Einsparpotenzial könnte weiter steigen
Die Autoren betonen, dass die aktuellen Zahlen erst der Anfang sind. Sollte der Gaspreis angesichts der Situation in Nahost weiter steigen, könnten sich die Einsparungen durch Solarenergie im Jahr 2026 auf bis zu 67,5 Milliarden Euro summieren. Bis Ende 2030 könnte die gesamte Ersparnis auf bis zu 170 Milliarden Euro steigen, prognostizieren die Studienautoren, selbst wenn das Ausbauziel erneuerbarer Energien in der EU bis dahin nicht erreicht werden würde. Bei einem schnelleren Ausbau und somit einer Einhaltung des Zieles wären noch höhere Effekte möglich.
Wärmepumpen sparen 1,3 Milliarden Euro
Eine Studie des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) hatte vor Kurzem eine ähnliche Studie veröffentlicht. Demnach haben in Deutschland zwischen 2023 und 2025 neu installierte Wärmepumpen die Kosten für den Flüssiggasimport um 1,3 Milliarden Euro gesenkt. Grund sind die 1,1 Millionen Anlagen, die entsprechend viele Gasheizungen ersetzt haben. Ohne diesen Ausbau hätte Deutschland seine Flüssiggasimporte um rund 16 Prozent erhöhen müssen. Dieser Faktor senkt demnach zusätzlich den Bedarf teurer Gasimporte sowohl für die Wärmegewinnung als auch für die Stromerzeugung.
Weiterhin merken die Autoren der IEEFA-Studie an, dass die Einsparungen langfristig wirken, da Wärmepumpen über ihre gesamte Lebensdauer fossile Nachfrage ersetzen. Gleichzeitig warnt die Studie vor einer wachsenden Abhängigkeit von teurem US-LNG, das bereits den Großteil der Importe ausmacht. Zudem könnten langfristige Lieferverträge dazu führen, dass Deutschland künftig mehr Gas einkauft, als es tatsächlich benötigt.
Ausbau stockt – Experten warnen
Walburga Hemetsberger, CEO von Solarpower Europe, mahnte angesichts der Ergebnisse der Solarpower-Studie jedoch auch, dass die Entwicklung zuletzt an Dynamik verloren habe. „Der Ausbau der Solarenergie in der EU stagnierte in den Jahren 2024 und 2025 – trotz der enormen Kosten, die durch unsere Energieabhängigkeit entstehen.“ Sie ergänzt, dass der zusätzliche Einsatz fossiler Brennstoffe nicht nur Kosten verursache. Er verlängere auch die Zeiträume, in denen der überwiegende Einsatz teurer fossiler Energieträger den Strompreis insgesamt bestimmt.
