Die EU-Kommission hat eine einstweilige Anordnung gegen Meta erlassen. Demnach muss der US-Konzern Rivalen binnen fünf Werktagen wieder kostenlos Zugriff auf die Schnittstelle gewähren, über die Firmen ihre Dienste mit WhatsApp verknüpfen. Im vergangenen Oktober hatte Meta diesen Zugriff gesperrt. Die Kommission will durch ihr Vorgehen das “Risiko eines schweren Schadens für die Wettbewerbsstruktur auf dem wachsenden Markt für allgemeine KI-Assistenten” abwenden. Die Politik von Meta berge die Gefahr, “dass der Wettbewerb zu einem für die Entwicklung dieses Marktes sehr wichtigen Zeitpunkt beeinträchtigt wird, da zurzeit nämlich kleinere Marktteilnehmer und neue Marktteilnehmer die Möglichkeit haben, große etablierte Unternehmen herauszufordern”. Das harte Vorgehen der Kommission hatte sich bereits im Februar angedeutet.

Viele Unternehmen nutzen WhatsApp zur Steuerung ihrer Kundenkommunikation: Über KI-Chatbots können Verbraucher zum Beispiel ihren Kundendienst kontaktieren oder Bestellungen in Online-Shops aufgeben. Die Sperrung des Zugangs zu Schnittstellen im Oktober 2025 führte laut EU-Kommission dazu, dass für Nutzer nur Metas eigene KI („Meta AI“) zur Verfügung stehe. Mittlerweile hat Meta den Zugang zwar formal wieder geöffnet, verlangt aber eine Gebühr. Die EU-Kommission wertet das als faktische Fortsetzung der Zugangssperre. Sie will Meta dazu verpflichten, den Zugang zu denselben Bedingungen wiederherzustellen, die vor dem 15. Oktober 2025 galten.

Bußgelder bis zu 10 Prozent des Gesamtumsatzes

Bei einem Verstoß gegen die Maßnahmen drohen Meta Bußgelder in Höhe von bis zu zehn Prozent des Gesamtumsatzes im vorausgegangenen Geschäftsjahr. Außerdem kann die Kommission tägliche Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des durchschnittlichen Tagesumsatzes verhängen.

Meta argumentiert in dem Konflikt, es gebe keinen Grund für die EU einzugreifen. „Es gibt viele KI-Optionen, die über App-Stores, Betriebssysteme, Geräte, Websites und Industriepartnerschaften genutzt werden können“, sagte im Februar ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Die EU-Kommission gehe fälschlicherweise davon aus, dass die Schnittstelle bei WhatsApp ein wichtiger Vertriebskanal für diese Chatbots sei. Das Unternehmen kündigte damals an, vor Gericht gegen die Entscheidung vorzugehen.