Apple hat kürzlich auf seiner Entwicklerkonferenz die nächste Generation von Siri vorgestellt. Die Zukunft des Smartphones. Nur nicht in Europa. Zumindest vorerst nicht auf dem iPhone. Die Begründung klingt vertraut: Der europäische Digital Markets Act, kurz DMA, mache die Einführung unmöglich. Die neuen Regeln gefährdeten Sicherheit und Datenschutz. Brüssel stehe dem Fortschritt im Weg.

Das klingt zunächst glaubhaft. Bis man die Frage stellt: Warum funktioniert dieselbe Technologie dann auf dem Mac? Dort startet Apples neue KI pünktlich in der EU. Dieselbe Siri. Der Unterschied ist kein technischer, sondern ein rechtlicher. Der DMA verlangt auf iPhone und iPad mehr Offenheit. Vereinfacht gesagt: Nicht Apple allein soll entscheiden, welche KI tief ins System integriert werden darf. Nutzer sollen die Wahl haben.

Genau daran stört sich Apple natürlich. Die Debatte wird gern als Kampf zwischen Innovation und Regulierung dargestellt. Tatsächlich geht es wohl um etwas viel Grundsätzlicheres: Kontrolle. Apple hat eines der erfolgreichsten digitalen Ökosysteme der Welt geschaffen. Alles funktioniert reibungslos und bequem. Genau deshalb wird oft übersehen, wie stark der Konzern bestimmt, was auf seinen Geräten möglich ist. Besonders bemerkenswert ist dabei das Datenschutzargument. Ausgerechnet die neue Siri basiert teilweise auf Google-Technologie. Der Konzern, der erklärt, welchen KI-Anbietern man vertrauen darf, hat seine eigene Lösung teilweise beim größten Konkurrenten eingekauft. Offenbar ist Fremdsoftware also kein Problem – solange Apple sie selbst auswählt.

Natürlich ist auch der DMA nicht perfekt. Viele Regelungen sind veraltet. Darüber wird man diskutieren müssen. Doch am Kern der Sache ändert das nichts. Es geht nicht um Siri. Es geht um die Frage, wem ein Gerät eigentlich gehört. Wer ein Auto kauft, akzeptiert schließlich auch nicht, dass der Hersteller vorschreibt, welche Werkstatt es reparieren darf. Wer ein iPhone kauft, kauft kein Leihgerät. Er kauft Eigentum. Und Eigentum bedeutet Wahlfreiheit.

Unsere Autorin ist Start-up-Gründerin und Social-Media-Expertin. Sie wechselt sich hier mit Blogger Richard Gutjahr ab.