Glühende Temperaturen kehren nach Europa zurück – nur wenige Wochen, nachdem eine tödliche Hitzewelle den Kontinent im Griff hatte.

Spaniens Wetterdienst AEMET hat bereits mehrere Landesteile wegen eines „deutlichen Anstiegs“ der Temperaturen unter gelbe Wetterwarnung gestellt; im Nordosten gilt zudem eine orangene Warnung vor Regen und Gewittern.

Vorhersagen zufolge trifft es Sevilla, Saragossa und Córdoba besonders hart, mit Werten nahe 40°C in der kommenden Woche. Erwartet werden auch Tropennächte, in denen die Temperatur innerhalb von 24 Stunden nicht unter 20°C sinkt – das verschafft der Bevölkerung kaum Erholung.

Frankreich, wo im vergangenen Monat während einer beispiellosen Hitzewelle mehrere Menschen starben, stellt sich im Südwesten und im Raum Bordeaux auf Höchstwerte von 39°C ein.

In Portugal steigen die Temperaturen ab Samstag, dem 20. Juni, spürbar an und dürften auch in der folgenden Woche sehr hoch bleiben. In einigen Regionen können sie nach Angaben der Meteorologin Maria João Frada 40°C oder mehr erreichen.

„Wir sprechen zu Beginn der nächsten Woche bereits über Temperaturen von etwa 35 bis 40°C; die Marke von 40°C wird sich aber eher auf Binnenregionen beschränken, auf das Binnenland im Douro-Tal, im Tejo-Tal und im Inneren des Alentejo“, erklärt Frada. Entlang der Westküste könnten die Werte bis auf 35°C klettern.

„Das ist nicht nur eine weitere heiße Woche“

Meteorologinnen und Meteorologen in Italien warnen, dass sich in der kommenden Woche heiße Luft aus den subtropischen Breiten über dem Landesinneren Nordafrikas über Italien legt. Vor allem im Süden drohen dann extreme Temperaturen, und in Florenz könnten die Höchstwerte 40°C erreichen.

Sogar in normalerweise kühleren Ländern deutet sich für die nächsten Tage eine deutliche Erwärmung an.

Frühe Prognosen der Wetterplattform [wfy24.com](https://eur03.safelinks.protection.outlook.com/?url=http%253A%252F%252Fwfy24.com %28Quelle auf Englisch%29%252F&data=05%257C02%257C%257C2d2c085da4bd4cdf475308decc46dc34%257Ce59fa28a32ed49aca5a09c46118cfecf%257C0%257C0%257C639172801902384767%257CUnknown%257CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%253D%253D%257C0%257C%257C%257C&sdata=Cln%252FhfIvYTM%252B%252BASpfYqTDqwZQRltyj2zemsbVHLJrtY%253D&reserved=0) deuten darauf hin, dass sich das Innere der Donauniederungen in Bulgarien und Rumänien auf bis zu 38°C zubewegt. In Budapest werden 36 bis 37°C erwartet, wenn sich der Hochdruckrücken über das Karpatenbecken ausdehnt.

„Das ist nicht einfach nur eine weitere heiße Woche; sie trägt die strukturellen Fingerabdrücke eines blockierenden Hochdruckereignisses und nicht eines vorübergehenden Wärmeschubs“, sagt Ionna Vergini, Gründerin von wyf24, gegenüber Euronews Earth.

Europas „strukturelle Lücke“ beim Schutz vor Hitzeextremen

Vergini beschreibt den Temperaturanstieg als „Lehrbuchbeispiel für das ,neue Normal‘“, das durch wärmespeichernde Treibhausgase angetrieben wird, die den Planeten weiter aufheizen.

„Die aktuelle Lage zeigt, wie sich eine strukturelle Lücke auftut“, sagt sie. „Südeuropa hat eine Verhaltens-Toleranz gegenüber extremer Hitze entwickelt: veränderte Tagesabläufe, Siesta, Fensterläden und Ähnliches. Das ist aber eine Verhaltensanpassung, keine biologische. Und sie schützt die physische Infrastruktur nicht.“

Selbst in traditionell heißen Regionen geraten Stromnetze an ihre Grenzen, wenn die Nachfrage nach Klimaanlagen in die Höhe schnellt. Viele öffentliche Verkehrssysteme basieren zudem auf thermischen Grenzwerten aus dem späten 20. Jahrhundert; sie reagieren deshalb besonders anfällig auf extreme Hitze.

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Das französische Pendler- und Tram-Train-Netz Transilien hat die Fahrgäste bereits aufgerufen, vor dem Aufbruch zum Bahnhof die Fahrpläne zu prüfen, da es durch die Hitzewelle zu Störungen kommen kann.

Die versteckten Gefahren tropischer Nächte

Mit dem aktuellen Temperaturanstieg nimmt auch die Zahl der Tropennächte in weiten Teilen des Mittelmeerraums zu.

Dieses Phänomen wirkt sich bereits auf öffentliche Dienste wie Schulen aus. Dort wird erwogen, Prüfungstermine zu verlegen, um Schülerinnen und Schüler zu schützen, die wegen der hohen Nachttemperaturen schlecht schlafen.

„Anhaltende nächtliche Hitze ist vermutlich eine größere Gefahr für die öffentliche Gesundheit als die täglichen Spitzenwerte“, erklärt Vergini. „Wenn die Tiefstwerte nicht unter 20°C fallen und im schlimmsten Fall über 25°C bleiben – manche sprechen von ,super-tropischen Nächten‘ –, fehlt dem Körper das lebenswichtige Erholungsfenster. Das Herz-Kreislauf-System steht dann dauerhaft unter Stress, um den Körperkern zu kühlen.

„Die Übersterblichkeit während Hitzewellen hängt viel stärker mit mehreren aufeinanderfolgenden Nächten mit hohen Tiefsttemperaturen zusammen als mit einem einzelnen heißen Nachmittag.“

Tropennächte fallen in Städten oft deutlich extremer aus. Verantwortlich ist der Wärmeinsel-Effekt in Ballungsräumen: Hitze staut sich zwischen hohen Gebäuden, Asphalt und Beton speichern Wärme und geben sie langsam wieder an die Luft ab.

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