Broadcom verzeichnet ein massives KI-Chip-Wachstum, sieht sich aber in Europa mit einer formellen Kartellbeschwerde zur VMware-Lizenzpolitik konfrontiert.
Während das KI-Geschäft von Broadcom historische Höchstwerte erreicht, braut sich in Europa juristischer Ärger zusammen. Eine formelle Kartellbeschwerde gegen die neue Lizenzpolitik bei VMware ruft die EU-Wettbewerbshüter auf den Plan. Dieser Konflikt bringt eine unerwartete Unsicherheit in die ansonsten makellose Wachstumsstory des Halbleiterkonzerns.
Streit um VMware-Lizenzen eskaliert
Auslöser der Spannungen ist der europäische Cloud-Verband CISPE. Die Interessenvertretung wirft Broadcom vor, seine Marktmacht nach der VMware-Übernahme zu missbrauchen. Konkret geht es um die drastische Verkleinerung des Partnerprogramms für Cloud-Dienstleister. Vor der Übernahme arbeitete VMware mit über 4.000 Partnern zusammen. Inzwischen wurde dieses offene System durch ein exklusives Programm ersetzt, das laut CISPE die meisten europäischen Anbieter ausschließt und die Kosten für Kunden teils um mehr als 1.000 Prozent in die Höhe treibt.
Der Verband fordert nun einstweilige Maßnahmen der EU-Kommission, um die Änderungen zu stoppen. Broadcom weist die Vorwürfe scharf zurück. Das Unternehmen bezeichnet CISPE als eine von großen Hyperscalern finanzierte Organisation, welche die realen Marktgegebenheiten verzerrt darstelle.
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KI-Geschäft als starkes Gegengewicht
Abseits der europäischen Regulierungshürden läuft der operative Motor auf Hochtouren. Der Gesamtumsatz kletterte im ersten Quartal 2026 um 29 Prozent auf 19,3 Milliarden US-Dollar. Das Geschäft mit KI-Halbleitern verzeichnete dabei ein massives Plus von 106 Prozent auf 8,4 Milliarden US-Dollar. Für das laufende April-Quartal stellt das Management bereits KI-Umsätze von 10,7 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
Zusätzliche Planungssicherheit liefert ein lukrativer Regierungsauftrag. Gemeinsam mit dem Partner Carahsoft sicherte sich Broadcom einen Fünfjahresvertrag des US-Verteidigungsministeriums mit einem Volumen von 970 Millionen US-Dollar. Im Zentrum dieses Abkommens steht ironischerweise genau jene Software, die in Europa für Ärger sorgt: Die VMware Cloud Foundation soll künftig als standardisierte Plattform für das Militär dienen.
Blick auf die Kursentwicklung
An der Börse spiegelt sich aktuell ein gemischtes Bild wider. Auf Jahressicht verzeichnet das Papier zwar einen beeindruckenden Zuwachs von rund 101 Prozent. Seit Jahresbeginn gab der Kurs allerdings um gut zehn Prozent nach und notiert derzeit rund 24 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Eine formelle EU-Untersuchung könnte zu Strafen oder Vertragsänderungen führen, was die Profitabilität des Software-Segments in Europa belasten würde.
Die nächsten konkreten Antworten auf diese Gemengelage liefert Broadcom am 4. Juni 2026. An diesem Datum präsentiert das Unternehmen seine Quartalszahlen, bei denen Investoren neben dem weiteren Wachstum der KI-Chips besonders auf Rückstellungen oder strategische Anpassungen im europäischen VMware-Geschäft achten werden.
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