Viktor Orbán hat Ungarn zu einem illiberalen Staat umgebaut. Am kommenden Sonntag will er zum fünften Mal gewählt werden. Aber sein Gegenspieler Péter Magyar hat gute Chancen.
In der Europäischen Union und unter seinen Gegnern in Ungarn ist Viktor Orbán eine verhasste Figur. Sie nennen ihn korrupt und parasitär. Und sie hoffen, dass er nach der Wahl am nächsten Sonntag Vergangenheit sein wird.
Die Chancen scheinen gut zu stehen. Orbáns Gegenspieler Péter Magyar liegt in den Umfragen weit vorne, aber dieser Vorteil muss nicht heißen, dass er am Ende auch gewinnt. Denn Orbán hat sein Land derart auf sich ausgerichtet, dass ihm Wege offenstehen, die Wahl zu seinen Gunsten zu manipulieren. Schließlich hat er Schlüsselstellen in Regierung und Verwaltung mit seinen Leuten besetzt, die einen Machtverlust verhindern könnten.
Seit 16 Jahren regiert Viktor Orbán das kleine Ungarn mit seinen 9,4 Millionen Einwohnern. Vier Amtszeiten hat er hinter sich. Er ging vor, wie Rechte vorgehen, sobald sie an der Macht sind, sei es in Israel oder der Slowakei oder den USA: Er baute den Rechtsstaat um, auch die Medien, Schulen und Universitäten. Er schränkte die Bürgerrechte ein und seither weiß jedermann, dass Loyalität gegenüber dem System Orbán sich auszahlt, während Gegnerschaft in den Ruin führen kann.
Alte und neue Freunde bedachte der Patron mit Staatsaufträgen, sodass es ein einfacher Klempner aus dem gemeinsamen Heimatdorf Felcsút in kurzer Zeit zum Milliardär bringen durfte.
Deshalb geht es bei der Wahl am 12. April um einiges. Gewinnt tatsächlich Péter Magyar mit seiner Partei, die nicht zufällig „Respekt und Freiheit“ heißt, kehrt Ungarn vermutlich auf einen europafreundlichen Kurs zurück, so wie Polen unter Donald Tusk. Damit wäre ein ständiges Ärgernis ausgeräumt, das Orbán sogar zu offenem Verrat trieb. Sein Außenminister machte es sich zur Gewohnheit, nach Brüsseler Ratssitzungen über die Ukraine den russischen Kollegen Sergej Lawrow brühwarm zu informieren.
Viktor Orbán ist der Beelzebub Europas. Interessant ist allerdings, dass er in seinem Leben weite Wege gegangen ist, die gar nicht dorthin zu führen schienen, wo er heute steht. Zum Beispiel studierte er mit einem Stipendium der Soros-Stiftung Jura. George Soros stammt aus Ungarn, machte in den USA ein Vermögen und richtete unter anderem in Budapest eine Stiftung ein, die eine eigene Universität gründete und NGOs unterstützte. Er ist ein liberaler Mäzen, der seinem Heimatland Gutes tun wollte.