Soziale Netzwerke wie Instagram, Tiktok, Youtube, Facebook und Snapchat schützen Minderjährige nach Ansicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands nicht ausreichend vor potenziellen Risiken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung, bei der die Umsetzung der Vorgaben des europäischen Digital Services Act (DSA) überprüft wurde.
Für die Analyse legte der Verband Testkonten für fiktive 13-jährige Nutzer an und untersuchte unter anderem Registrierungsprozesse, Altersvorgaben, Standardeinstellungen und zentrale Funktionen der Plattformen. Der Prüfzeitraum erstreckte sich von Mitte März bis Anfang Juni 2026.
Besonders kritisch sehen die Verbraucherschützer dabei den Einfluss von Empfehlungsalgorithmen. Auf den untersuchten Plattformen entscheiden diese maßgeblich darüber, welche Inhalte Minderjährigen angezeigt werden. Funktionen wie personalisierte Endlosfeeds und automatische Wiedergaben tragen dazu bei, die Nutzungsdauer zu erhöhen, und könnten aus Sicht des Verbands suchtähnliche Verhaltensweisen fördern.
Weiterhin werfen die Verbraucherschützer den Plattformen vor, auf verhaltensbeeinflussende Mechanismen zu setzen. Minderjährige würden teilweise wiederholt dazu aufgefordert, zusätzliche persönliche Daten wie Standortinformationen oder Kontaktlisten freizugeben.
Kritik gibt es auch an den bestehenden Sicherheitseinstellungen. Zwar seien Kontaktmöglichkeiten bei Konten von Minderjährigen häufig standardmäßig eingeschränkt, diese Schutzmaßnahmen ließen sich bei einigen Diensten jedoch vergleichsweise einfach verändern. Dadurch können fremde Personen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnehmen. Nach Ansicht der Verbraucherschützer erhöht dies die Risiken für Belästigung, Grooming und andere Formen sexualisierter Gewalt.
Der Verband fordert deshalb umfassendere Änderungen an den Plattformen. Funktionen wie endloses Scrollen oder automatische Wiedergaben sollten demnach standardmäßig deaktiviert sein. Zudem spricht sich der Verband auch dafür aus, dass Nutzer stärker selbst bestimmen können, welche Inhalte ihnen empfohlen werden, anstatt sich ausschließlich auf algorithmische Vorschläge zu verlassen.
Neben Änderungen bei den Plattformbetreibern fordert die Organisation auch politische Maßnahmen. Die Europäische Kommission solle die bestehenden DSA-Vorgaben zum Schutz Minderjähriger weiter konkretisieren und die Handlungsspielräume der Anbieter stärker begrenzen. Ferner werden verbindliche Regelungen gegen manipulative und suchtfördernde Designmechanismen im Rahmen des geplanten Digital Fairness Act gefordert.