Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union müssten erkennen, dass ihre dringendste Herausforderung im Inneren liegt und nicht in möglichen Streitigkeiten mit Israel. Das sagte Jakob Nagel, früherer nationaler Sicherheitsberater von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, im Gespräch mit Euronews.
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Nagels Aussagen fallen in eine Phase, in der die Beziehungen zwischen EU und Israel unter Druck geraten. Anfang dieses Monats brach Israels Außenminister Gideon Sa’ar den gesamten Kontakt zur Außenbeauftragten der EU, Kaja Kallas, ab. Auslöser waren angebliche Vergleiche Israels mit dem Südafrika der Apartheidzeit.
Zugleich steht die Europäische Kommission unter Druck mehrerer Mitgliedstaaten. Sie soll verschiedene Optionen für Handelsbeschränkungen gegenüber illegalen israelischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten vorlegen.
„Am Ende werden auch die EU-Staaten zur Vernunft kommen und erkennen, wer die Guten und wer die Bösen sind“, sagte Nagel inEuronews-Interviewsendung 12 Minutes With. Er arbeitete mehr als 40 Jahre im israelischen Verteidigungsministerium und im Büro des Ministerpräsidenten und ist heute Senior Fellow bei der Foundation for Defence of Democracies (FDD).
Die EU sei „nicht relevant“, so Nagel, obwohl der Staatenverbund weiterhin Israels wichtigster Handelspartner ist – und wiederholte damit eine frühere Äußerung gegenüber Euronews, die Netanjahu im vergangenen Jahr gemacht hatte.
Nagel forderte außerdem, die EU und ihre Staats- und Regierungschefs sollten sich auf andere, dringendere Probleme konzentrieren.
Man müsse sich nur einige Länder in Europa ansehen, sagte er. „Ich will keine Namen nennen, aber wenn man dort auf die Straße geht, herrscht Terror.“
Einige europäische Staaten hätten das erkannt und ihr Schicksal selbst in die Hand genommen, andere hätten den Krieg gegen die Einwanderer bereits verloren, so Nagel weiter. „Europa steht vor einem großen Problem, das es lösen muss – und dieses Problem heißt nicht Israel.“
USA bleiben Israels bester Freund
Auf die Frage, ob das Verhältnis zwischen USA und Israel wegen des israelischen Militäreinsatzes im Libanon zuletzt gelitten habe, räumte Nagel ein, es habe Spannungen gegeben, betonte aber: „Israel und die USA sind die besten Verbündeten. Sie sind unsere besten Freunde.“
Auf israelischer Seite verzichtete Netanjahu zwar auf offene Kritik. Vertreter der Regierung und der Opposition warfen Washington jedoch vor, Israel im amerikanischen Memorandum of Understanding (MoU) über einen Waffenstillstand mit Iran, das am 17. Juni unterzeichnet wurde, an den Rand gedrängt zu haben. Zudem habe die US-Regierung den jüdischen Staat aus dem Konflikt gedrängt, bevor Israel seine Ziele erreicht habe.
Auf US-Seite soll Trump Anfang Juni Netanjahu wütend zurechtgewiesen haben, weil Israel damit drohte, die Luftangriffe auf Beirut und seine südlichen Vororte wieder aufzunehmen und damit die damals laufenden Gespräche mit Iran zu gefährden.
Später erklärte Vizepräsident J.D. Vance gegenüber Israel, der Staat sei international isoliert; Trump sei Israels letzter verbleibender Verbündeter in der Welt.
Nagel betonte, er verstehe Trumps Beweggründe für den Dialog mit Iran. Dennoch mache der US-Präsident aus seiner Sicht einen Fehler, weil er innenpolitische Interessen, vor allem die Wirtschaft – das wichtigste Thema für Wählerinnen und Wähler in den USA –, über ein besseres Abkommen zur Beendigung des Iran-Konflikts und zur Verhinderung einer späteren Atombewaffnung der Islamischen Republik stelle.
„Iran bekommt jetzt genau das, was es will und braucht“, sagte Nagel und verwies auf die Wiederöffnung der Straße von Hormus und die vorübergehenden Ausnahmen für iranische Ölexporte. Dadurch erhalte Iran zumindest in der 60-tägigen Verhandlungsphase, die das MoU vorsieht, direkte Zahlungen in harter Währung.
Experten schätzen, dass allein in diesem ersten Zeitraum von 60 Tagen durch legale Ölverkäufe rund acht Milliarden Dollar – etwa sieben Milliarden Euro – zusammenkommen könnten.
„Trump hört jetzt auf enge Vertraute wie Vizepräsident J.D. Vance, [Steve] Witkoff und [Jared] Kushner und nicht auf [Verteidigungsminister Pete] Hegseth, [Außenminister Marco] Rubio und andere. Er hat beschlossen, amerikanische Interessen zu priorisieren; er will den Ölpreis senken.“
Hegseth und Rubio drängen seit Längerem auf einen konfrontativeren Kurs gegenüber Iran, um dessen Einfluss zu begrenzen und die Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten, darunter Israel, zu gewährleisten.
Nagel räumte jedoch ein, dass Trumps „America first“-Kurs und der Fokus auf niedrigere Ölpreise angesichts der Zwischenwahlen im November und der wachsenden Furcht der Republikaner vor einer Machtübernahme der Demokraten im Kongress „legitim“ seien.
„Die Menschen in den USA wissen nicht, wo Iran liegt, wo Israel liegt, was angereichertes Uran ist“, sagte Nagel. „Sie wissen nur, wie viel sie an der Tankstelle für eine Gallone Benzin bezahlen.“
„Wir würden uns sehr wünschen, dass die USA an unserer Seite stehen, aber manchmal haben sie eigene Interessen“, sagte Nagel weiter. Das sei aber nur ein vorübergehender Stimmungswechsel.
„Die USA werden sehr bald zur Vernunft kommen. Wir arbeiten mit ihnen zusammen. Am Ende werden sie verstehen, wer die Iraner sind, und dafür sorgen, dass die Arbeit zu Ende geführt wird.“