Seit Jahren sind große chinesische Online-Anbieter der Handelsbranche ein Dorn im Auge. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Noch im April rechnete der Handelsverband Deutschland vor, dass über Plattformen wie die von Shein und dem Konkurrenten Temu täglich rund 460.000 Pakete nach Deutschland und insgesamt etwa 16 Millionen Stück in die EU geliefert würden. Verbraucher greifen hier gern zu, weil die Produkte häufig deutlich billiger sind. Der Preis ist in Zeiten wie diesen oft das schlagende Argument.

Das Problem: Die Anbieter aus Fernost verstoßen gegen EU-Regeln, weil sie beispielsweise Gewichtsangaben falsch deklarieren und der Zoll aus verständlichen Gründen nicht jedes Paket kontrollieren kann. Am Ende steht damit ein unfairer Wettbewerb, gegen den Händler aus der EU keine Chance haben. Dadurch gehen laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag des Handelsverbandes Deutschland (HDE) der deutschen Wirtschaft jährlich 2,4 Milliarden Euro Wertschöpfung verloren, davon 1,3 Milliarden Euro allein im Einzelhandel.

Jetzt versucht die EU, den asiatischen Händlern Daumenschrauben anzulegen. Seit Mittwoch gelten innerhalb der Europäischen Union neue Zollregeln. Drei Euro pro Warenkategorie einer Lieferung werden ab sofort als Zoll erhoben, auch auf Waren, die weniger als 150 Euro kosten und bisher zollfrei blieben. Die Gebühr müssen zunächst die Händler zahlen, die die Waren einführen wollen. Je nachdem, ob in einem Paket mehrere Produktgruppen stecken, wird die Zollabgabe mehrfach fällig.

Wird es jetzt für Verbraucher teurer?

Bleiben die Plattform-Betreiber auf den Kosten sitzen oder muss die am Ende der Verbraucher tragen, der dann mehr für die Waren zahlen müsste? Schon jetzt müssen Konsumenten die Einfuhrumsatzsteuer zahlen. Die ist aber meist schon im Verkaufspreis enthalten, und zwar über das Import-One-Stop-Shop-Verfahren (IOSS), an dem die meisten Onlinehändler teilnehmen. Daran wird sich nichts ändern.

Der neue Zoll wird die Waren zwar teurer machen, aber davon werden zumindest Filialisten in Deutschland wenig haben, weil die Produkte aus Fernost selbst mit dem Zollaufschlag noch preiswerter sein dürften. Aber: „Unter Umständen kann das gesuchte Produkt in einem Online-Shop, der innerhalb der EU versendet, günstiger sein, auch wenn der Kaufpreis auf den ersten Blick höher ist“, warnt die Verbraucherzentrale NRW.

Was empfehlen Verbraucherschützer?

Kunden sollten genau darauf achten, woher die Ware kommt und welche Kosten im Preis schon drinsteckten beziehungsweise noch über den Versand der Pakete zusätzlich abgerechnet würden, heißt es. Unterm Strich kann es richtig teuer werden, wenn man nicht hinschaut. Die Verbraucherzentrale NRW rechnet in einem Beispiel vor: „Bestellen Sie beispielsweise eine günstige Handyhülle für sieben Euro, verdoppelt sich der Preis unter Umständen, da Sie in der Regel neben der Einfuhrumsatzsteuer auch die Servicepauschale des Versanddienstes tragen müssen.“ In Zahlen: Auf den Kaufpreis von sieben Euro kommt dann noch die pauschale Zollgebühr von drei Euro drauf, dazu eine Einfuhrumsatzsteuer von 1,33 Euro und eine Servicepauschale von 7,50 Euro. „Tatsächlich zahlen Sie: 18,83 Euro“, so die Verbraucherschützer. Und ein Punkt, den man auch nicht vergessen sollte: „Kaufen Sie Waren außerhalb der EU, müssen Sie bei einem Warenwert ab 150 Euro Zölle zahlen, die, je nach Produkt, ziemlich hoch ausfallen können: Bei Kleidung können Sie mit einem Aufschlag von zwölf Prozent rechnen, bei Monitoren sind es sogar bis zu 14 Prozent“, so die Verbraucherzentrale.

Werden die Waren auch sicherer?

Höhere Kosten haben nichts damit zu tun, dass etwaige Produktmängel der Waren aus Fernost bleiben. Von solchen Mängeln wurde in den vergangenen Jahren häufig berichtet. Erst Ende Mai dieses Jahres hat die EU-Kommission gegen Temu eine Strafe von 200 Millionen Euro verhängt, weil viele Produkte gesundheitsgefährdend und unsicher sein sollen. Bei solchen Mängeln geht es beispielsweise darum, dass Ladegeräte zu heiß werden und in Brand geraten können, Schmuck mit Schwermetallen belastet ist oder in Babysachen Formaldehyd steckt. Die Stiftung Warentest hatte im Herbst 2025 herausgefunden, dass gut zwei Drittel aller untersuchten Produkte EU-Standards nicht erfüllten und ein Viertel sogar „potenziell gefährlich“ war.