Siri AISiri AI

Der Konflikt zwischen Apple und der Europäischen Union über den Start von Siri AI tritt in eine neue Phase. Apple-Chef Tim Cook traf sich am Dienstag in einer virtuellen Runde mit Henna Virkkunen, der EU-Beauftragten für Technologie, um auszuloten, wie die neue KI-gestützte Version von Siri mit den geltenden europäischen Digitalvorschriften in Einklang gebracht werden könnte. Die Financial Times berichtet darüber. Ein Sprecher der Kommission bezeichnete den Austausch als „konstruktiv“, betonte aber, dass man an den besprochenen Punkten weiterarbeiten müsse. Eine diplomatische Formulierung, hinter der sich nach wie vor erheblicher Gesprächsbedarf verbirgt.


Was auf dem Spiel steht

Ab September steht Siri AI weltweit kostenlos als Teil von iOS 27 und iPadOS 27 bereit, allerdings nicht für Nutzer und Nutzerinnen in der Europäischen Union. Die überarbeitete, chatbot-artige Siri-Variante bleibt auf deutschen iPhones und iPads so lange verwehrt, bis Apple eine Lösung findet, die mit europäischem Recht vereinbar ist. Betroffen sind unter anderem die neue Konversationsverlauf-Funktion in der Siri-App, erweiterte Fähigkeiten der Visuellen Intelligenz, integrierte Schreibwerkzeuge sowie der Siri-Modus in der Kamera-App.

Den Stein ins Rollen brachte Apples Ankündigung auf der WWDC 2026 im vergangenen Monat: Der Konzern erklärte öffentlich, die EU-Regulierungsbehörden hätten keinen der unterbreiteten Lösungsvorschläge akzeptiert, um Siri AI EU-konform einzuführen und dabei gleichzeitig die sichere Einbindung konkurrierender Sprachassistenten zu gewährleisten.

Der Kern des Streits: DMA, Interoperabilität und ein abgelehnter Vorschlag

Das Herzstück des Konflikts ist der Digital Markets Act (DMA). Die Kommission besteht darauf, dass Apple konkurrierenden KI-Assistenten denselben tiefen Systemzugang gewähren muss, den Siri genießt.

Als Ausweg hatte Apple das Konzept eines sogenannten „Trusted System Agent“ entwickelt: eine Vermittlersoftware, die Drittanbieter-Assistenten sicheren und regulierten Zugang zu denselben Systemfunktionen ermöglicht hätte wie Siri. Nach Apples Darstellung lehnte die EU diesen Ansatz ab. Die Kommission wiederum widersprach dieser Version energisch: Die Entscheidung, Siri AI in Europa nicht zu starten, treffe allein Apple. Statt einer konformen Lösung habe das Unternehmen lediglich eine pauschale Befreiung von seinen Interoperabilitätspflichten angestrebt.

Ein Kommissionsbeamter legte gegenüber der Financial Times noch einen drauf: Der Kontakt mit Apple zum „Trusted System Agent“ sei spärlich gewesen, und es habe an konkreten Details gefehlt, wie die Vermittlersoftware jenseits eines vagen Konzepts tatsächlich funktionieren solle. Apple habe sich stattdessen darauf konzentriert, grünes Licht für eine Verzögerung der Umsetzung zu erhalten. Die Befürchtung dahinter formulierte der Beamte deutlich: Würde Siri AI bereits verfügbar sein, während konkurrierende Dienste noch mindestens zwei Jahre auf den nötigen Systemzugang warten müssen, drohte sich Apples Produkt am Markt festzusetzen, bevor ein echter Wettbewerb überhaupt entstehen kann.

Der Frust ist groß

Der Streit blieb nicht ohne Resonanz: Laut Financial Times flatterten EU-Beamten Hunderte von Verbrauchermails ins Haus, in denen Brüssel vorgeworfen wurde, den Europäern den Zugang zu neuer Technologie zu verbauen. Ein durchaus unangenehmer Gegenwind für die Kommission.