Die am 1. Juli von der Europäischen Union eingeführte Pauschalabgabe auf E-Commerce-Kleinsendungen in Höhe von 3 Euro scheint die Luftfrachtvolumen zwischen China und Europa spürbar zu drücken. Laut dem Analysehaus Rotate lagen die Sendungsmengen zwischen den Abflugregionen China/Hongkong und Europa in den ersten 48 Stunden nach Inkrafttreten um 19 Prozent unter dem Vorwochenniveau.

Besonders stark fielen die Rückgänge an den europäischen E-Commerce-Drehkreuzen Budapest (minus 45 Prozent) und Lüttich (minus 27 Prozent) aus. Unter den Herkunftsorten verzeichnete Hongkong mit minus 47 Prozent den schärfsten Einbruch.

In welchem Umfang der Rückgang tatsächlich auf die neue Gebühr zurückzuführen ist, bleibt allerdings offen, denn die chinesischen E-Commerce-Exporte schrumpfen bereits seit Monaten stark. Eine Auswertung der auf Luftfracht spezialisierten Beratungsgesellschaft Trade and Transport Group zeigt, dass die als Sendungen mit niedrigem Warenwert klassifizierten Güter im April global um 10,9 Prozent auf 9,8 Milliarden US-Dollar fielen – der fünfte Rückgang in Folge. In den ersten vier Monaten 2026 sanken die Ausfuhren um 7,6 Prozent, nach Wachstumsraten von 22 Prozent im Gesamtjahr 2025 und 38,3 Prozent 2024.

Chinesische E-Commerce-Importe schrumpfen in der EU seit einem halben Jahr

Auch der erwartbare Vorzieheffekt vor Inkrafttreten der EU-Abgabe blieb aus. Frederic Horst, Geschäftsführer von Trade and Transport Group, verweist darauf, dass die chinesischen Exporte im Niedrigwert-Segment im Monat Mai um weitere 7 Prozent zurückgingen und damit eine seit gut einem halben Jahr anhaltende Entwicklung fortsetzten. Die Sendungswerte in die EU fielen im April um 32 Prozent, von Januar bis Mai kumuliert um 20,4 Prozent.

Nach Europa fiel der Rückgang im April mit 17 Prozent noch deutlich schärfer aus als im globalen Durchschnitt – wenige Wochen bevor die neue EU-Pauschalabgabe von 3 Euro je Warenart auf Kleinsendungen unter 150 Euro in Kraft trat. Die Abgabe zielt auf Plattformen wie Temu und Shein, die nach dem Ende der De-minimis-Freigrenze in den USA im August 2025 ihre Paketströme verstärkt in die EU umgeleitet hatten.

Auf Länderebene zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Frankreich verzeichnete im April einen Rückgang um 60 Prozent, Deutschland um 34 Prozent, Spanien und Polen um jeweils 23 Prozent, Belgien um 12 Prozent. Einzig Ungarn wuchs, um 5 Prozent. Ungarn und Belgien gelten als zentrale Eintrittsknoten für grenzüberschreitende E-Commerce-Sendungen in die EU.