Sany-LKW vor China-Flagge, in der die Sterne mit Elektrizitäts-Blitz kombiniert sind

Der chinesische Hersteller Sany bringt den Elektro-Lkw e263 nach Europa. Dank Putzmeister-Service soll er hiesige Marken beim Preis massiv schlagen.

Ein chinesischer Gigant greift nach Europas Lkw-Markt – und verspricht, die hiesigen Hersteller um bis zu 30 Prozent zu unterbieten. Kein Wunder, dass immer mehr europäische Lkw-Nutzer für preisattraktive, innovative Elektro-Lkw nach Fernost schauen.

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Der Blick gen Osten hat auch damit zu tun, dass die europäische Herstellerlandschaft dünner geworden ist: Iveco soll von Tata übernommen werden und kooperiert mit Ford Trucks und der Ford Otosan, einem Joint Venture der Ford Motor Company mit der türkischen Koç Holding. Übrig geblieben sind so neben der zum Volkswagen-Konzern zählenden Traton Group nur noch Mercedes-Benz Trucks sowie die Volvo Trucks zusammen mit der französischen Renault Trucks.

Im Gegensatz zu Fernverkehrs-Lkw ist die Reichweite auch im Regional- und Verteilerverkehr kein Problem. 500 Kilometer pro Tag dürften mehr als genügen.

Ob jetzt deutsche Lkw-Hersteller auch im Bereich der Elektro-Sattelzugmaschinen mit Importzöllen geschützt werden müssen, damit sie nicht den Kürzeren ziehen, wird die Entwicklung der nächsten Monate zeigen.

Sany e263: Chinas Baumaschinen-Gigant greift an

Der chinesische Sany-Konzern, in der Rangliste Yellow Table von HKL auf Platz 6 der weltweit größten Baumaschinenhersteller und europäischer Zentrale mit Entwicklung und Vertrieb in Bedburg, ist in Europa schon länger im Bereich der Baumaschinen aktiv. Er hatte im Jahre 2012 die deutsche Putzmeister-Gruppe übernommen, deren Wettbewerber Schwing im selben Jahr an die ebenfalls chinesische Firma XCMG verkauft wurde.

Der Hersteller aus dem chinesischen Changsha ist in Deutschland für seine Betonpumpen am bekanntesten, erweiterte sein Portfolio im Laufe der Jahre jedoch um weitere Produkte wie Bagger, Radlader oder Mobilkräne. Nun schickt er seine batterieelektrische Sattelzugmaschine „e263 4×2“ ins Rennen. Die Auslieferung hat Berichten zufolge schon begonnen.

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Längst gehören in China aber auch Lastwagen zum Programm, wo Sany auf durchaus beeindruckende Zahlen verweisen kann. Über 21.000 Lkw mit batterieelektrischem Antrieb will man im vergangenen Jahr allein in China ausgeliefert haben und damit nach eigenen Angaben auf dem Heimatmarkt klar an der Spitze stehen.

Anders als bei anderen Lkw-Marken wie Superpanther oder Windrose, die sich bislang schon in Europa gezeigt haben, handelt es sich bei Sany also eher um einen Giganten als um ein Start-up.

Und der will sich künftig ein großes Stück vom Kuchen des europäischen Marktes der Elektro-Sattelzugmaschinen herausschneiden. Im Jahr 2025 lieferte Sany nach eigenen Angaben in China über 21.000 Elektro-Zugmaschinen aus, die Gesamtbetriebszahl erreichte 50.000 Fahrzeuge. Bisherige Zielländer waren Südamerika, Südafrika, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indien, Thailand, Indonesien, Australien und Vietnam.

Das Modell mit dem etwas sperrigen Namen e263 4×2 gelangt als Komplettfahrzeug nach Europa. Die technischen Daten passen auf den ersten Blick gut ins Marktumfeld. Direkt an der Hinterachse positioniert finden sich zwei Elektromotoren, die gebündelt 420 kW Dauerleistung oder kurzzeitig sogar 730 kW an die Antriebsräder abgeben.

Zwischengeschaltet ist ein Zweigang-Getriebe, das seinen Platz an der von Sany selbst entwickelten E-Achse hat.

636-kWh-Batterie von EVE Energy: Die Technik des e263

Der verbaute Energiespeicher ist ein 636-kWh-Lithium-Eisenphosphat-Akku von Eve Energy mit einer nutzbaren Kapazität von 623 kWh, was einer Gesamtenergienutzungsrate von 98 Prozent entspricht.

Nach Angaben von Sany eTrucks liegt der Energieverbrauch des e263 bei einem Gesamtgewicht von 40 Tonnen zwischen 0,9 und 1,2 kWh pro Kilometer, was mit vergleichbaren Modellen übereinstimmt. Hohe Werte verspricht Sany auch beim Nachladen der Akkus, das mit bis zu 400 Kilowatt an der CCS-Ladesäule erfolgt.

Putzmeister & Alltrucks: Das deutsche Werkstattnetz für den China-Lkw

Wie zu erwarten wird die Sparte Sany eTrucks von Putzmeister auf dem europäischen Markt unterstützt, die für die lokale Anpassung der Fahrzeuge und den Aufbau des Kundendienstnetzwerks verantwortlich zeichnet. Der e263 wird in Europa von der freien Kette „Alltrucks“ mit europaweit rund 650 Werkstätten gewartet und repariert, die mit chinesischen Anbietern durchaus erfahren ist. Und Sany kann bei der Ersatzteillogistik auf Putzmeister zurückgreifen.

Als Preis nennt Sany bislang noch keine konkreten Zahlen, verspricht aber, die hiesigen Anbieter von E-Lastwagen um bis zu 30 Prozent unterbieten zu wollen. Und vor diesem Hintergrund dürften manche, meist optische Schwächen weniger ins Gewicht fallen. Dazu zählt offensichtlich das selbst entwickelte und gefertigte Fahrerhaus. Seine Optik wirkt modern und hebt sich mit der komplett geschlossenen Front durchaus positiv aus der Masse der Lkw auf deutschen Straßen heraus.

Praxis-Check: Billiges Hartplastik, aber geniale analoge Bedienung

Als Kritikpunkte gelten der nachträglich unten angebrachte Stahlträger, der offensichtlich für die hiesigen Anforderungen der passiven Sicherheit benötigt wird, sowie die analogen Außenspiegel, die bei vielen Elektro-Lkw schon durch ein Kamerasystem ersetzt worden sind.

Auch das eher billig wirkende Hartplastik des Innenraums scheint noch nicht auf der Höhe seiner europäischen Wettbewerber angekommen zu sein.

Wichtiger als diese eher optischen Mängel dürften bei einem Nutzfahrzeug allerdings neben dem Preis die intuitive und sichere Bedienbarkeit sein und hier scheint der e263 durchaus Pluspunkte zu sammeln. Denn im Sany werden wichtige Funktionen, wie die Steuerung für Heizung/Lüftung oder die Differenzialsperre, noch über analoge und damit kinderleicht bedienbare Drehknöpfe beziehungsweise Schalter organisiert.

Am rechten Lenkstockhebel wird die Fahrtrichtung vorgegeben, bevor man den Taster der serienmäßig elektronisch gesteuerten Feststellbremse in der Mittelkonsole nach hinten drückt.