Der UN-Botschafter der Ukraine, Andrij Melnyk, hat die europäischen Partner seines Landes zu einer harten gemeinsamen Linie in möglichen Friedensverhandlungen mit Russland aufgefordert. „Europa muss aus der Position der Stärke und ohne Rücksicht gegenüber Moskau auftreten“, sagte Melnyk den Zeitungen der Funke-Mediengruppe in einem am Sonntag veröffentlichten Interview. „Nur ein solcher harter Kurs wird Putin beeindrucken. Nur dann gibt es Hoffnung, dass er bei seinem Krieg einlenkt“, fügte er mit Blick auf Kreml-Chef Wladimir Putin hinzu.
Entscheidend sei, dass Europa mit einer Stimme spreche, sagte Melnyk weiter. Die Russen nutzten aus, dass es in Europa weiterhin viele unterschiedliche Herangehensweisen gebe. „Diese Kakophonie muss aufhören“, sagte Melnyk. Die Europäer müssten eine „betonharte Verhandlungsposition“ festlegen, die mit der Ukraine „voll und ganz abgestimmt“ werde.
Melnyk zeigte sich zugleich skeptisch, dass Europa als Vermittler auftreten könne. Dafür fehle „Gott sei Dank“ eine Äquidistanz. Ihm schwebe eher die Rolle eines „Facilitators“ vor, der den Verhandlungsprozess begleite und beeinflusse. Europa solle „mit allen verfügbaren Mitteln“ dazu beitragen, Putin an den Verhandlungstisch zu bringen. Die Frage, wer diese Funktion auf europäischer Seite persönlich übernehme, sei „eher zweitrangig“.
Melnyk war von 2015 bis Oktober 2022 ukrainischer Botschafter in Berlin, inzwischen vertritt er die Ukraine als Botschafter bei den Vereinten Nationen.
Auch der Gouverneur der umkämpften ukrainischen Region Cherson, Oleksandr Prokudin, forderte gegenüber den Funke-Zeitungen eine starke Rolle Europas. „Ein Krieg gegen die Ukraine kann nicht ohne Europa entschieden werden“, sagte er. Ohne Europa werde „keine Vereinbarung gerecht oder von Dauer sein“.
Am Dienstag und Mittwoch findet in Ankara der Nato-Gipfel statt. Zu dem Treffen wird auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet.